Anna Barriball und Dirk Braeckman im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst

Anna Barribal: Window (yellow and pink), 2018 (Detail), Pencil, pastel, wax, wax pigment, paper, 50 x 37.5 cm, courtesy Anna Barribal and Frith Street Gallery, London

Anna Barriball und Dirk Braeckman im wiedereröffneten KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst

Seit dem 6. Mai sind die Ausstellungsräume des KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst wieder für den Publikumsverkehr geöffnet. Um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 weiterhin einzudämmen, hat das KINDL eine Reihe von technischen und organisatorischen Maßnahmen getroffen, die unter anderem die Zahl der Besucher*innen in den Ausstellungsräumen beschränken. Um Wartezeiten zu vermeiden, ist für den Ausstellungsbesuch eine Reservierung von Zeittickets über die Website des KINDL möglich. Darüber hinaus wird das Tragen eines geeigneten Mund-Nase-Schutzes im Gebäude dringend empfohlen. Ebenfalls ab dem 6. Mai wird im Biergarten Babette’s Garden zu den üblichen Öffnungszeiten des KINDL ein Kiosk geöffnet sein, in dem Getränke und kleine Speisen zum Mitnehmen angeboten werden. Außerdem stellt die Privatbrauerei am Rollberg ihr beliebtes Bier nun auch als Dosenabfüllung zur Abholung bereit.

Neben der Ausstellung “Isa Melsheimer: Der unerfreuliche Zustand der Textur” im Maschinenhaus M2 (22. März – 5. Juli 2020), wird im Maschinenhaus M1 ebenfalls bis 5. Juli 2020 die Doppelausstellung mit Arbeiten von Anna Barriball und Dirk Braeckman gezeigt.

Die Doppelausstellung von Anna Barriball und Dirk Braeckman im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst vereint neue und neueste Werke zweier Künstler*innen, deren Praxis dem Prozesshaften, dem Arbeiten mit der Oberfläche und den taktilen Eigenschaften von Papier gewidmet ist. Beide hinterfragen die Grenzen ihrer gewählten Medien und teilen ein Interesse am Wesen der Zeit, gehen bei der Behandlung ihrer Themen aber ganz unterschiedliche Wege: Während Braeckmans Arbeiten die Flüchtigkeit des Augenblicks einfangen, versteht Barriball Zeit als Medium ihrer Kunst und kreiert Zeichnungen, die Unsichtbares zutage fördern.
In ihren Werken kombiniert Anna Barriball unterschiedliche Medien, darunter Video, Zeichnung und Fotografie, die sich durch ihre spezifische, oftmals leuchtende Farbigkeit auszeichnen. Dabei interessiert sich die Künstlerin besonders für das Verhältnis eines alltäglichen Objekts zur Oberfläche des Papiers. Um die Besonderheiten der Textur herauszuarbeiten, behandelt sie das Papier mit Wachs und Bleistift oder Pigmenten, bevor sie den jeweiligen Gegenstand als Abdruck zum Vorschein bringt. Auf diese Weise generiert Barriball Zeichnungen wie die der Serie Windows (2018-2019), in der das bearbeitete Papier die Oberflächenstruktur von Fensterglas offenbart. Im KINDL wird erstmals Barriballs neueste Arbeit Blinds (yellow and pink) (2020) präsentiert, ein Diptychon, in dem horizontal gefaltete Wachszeichnungen Jalousien und das durch die Lamellen einfallende, sich verändernde Licht nachbilden. Die Ausstellung zeigt auch das großformatige Dreikanal-Video Fade (2017), das Barriballs Interesse an der Zeitlichkeit in verschiedenen Medien widerspiegelt.
Die Schwarzweiß-Fotografien von Dirk Braeckman verfügen über eine rätselhafte Wirkungskraft und entfalten eine starke physische Präsenz im Raum. Im KINDL führt Braeckman Fotografien der letzten beiden Jahrzehnte mit seinen jüngsten Werken zusammen. Seine zumeist großformatigen, auf Aluminium aufgezogenen Fotografien setzen das Übersehene, Alltägliche mit stets gewahrter Distanz ins Bild. Braeckman fotografiert immer von Zeit und Raum losgelöste Nicht-Orte. Durch aufwändige chemische Bearbeitungsverfahren und experimentelle kompositorische Veränderungen in der Dunkelkammer werden sie zu Beobachtungen von Dauer und zeitentrückten Augenblicken. Braeckman verwendet die Negative nie unmittelbar, sondern hinterlegt sie zunächst in seinem Archiv. Seine Arbeiten datiert er nach dem Zeitpunkt, an dem die Abzüge angefertigt werden – Monate oder Jahre, nachdem die Aufnahmen gemacht wurden. Erst in diesem Moment betrachtet er das Werk als abgeschlossen.
Gastkuratorin: Eva Eicker
Anna Barriball (*1972 in Plymouth) lebt in London.
Ausgewählte Einzelausstellungen: Centre Pasquart, Biel (2018); Be-Part, Waregem (2017); Museum Villa Stuck, München (2013); Fruitmarket Gallery, Edinburgh (2012). Gruppenausstellungen u. a.: Kunstmuseum Basel (2017); Photographers’ Gallery, London (2016); The Menil Collection, Houston (2015); Hammer Museum, Los Angeles (2015).
Dirk Braeckman (*1958 in Eeklo) lebt in Gent.
Ausgewählte Einzelausstellungen: The Modern Art Museum of Fort Worth, Dallas (2019); House of Art, České Budĕjovice (2019); Museum M, Löwen (2018); BOZAR, Brüssel (2018); Le Bal, Paris (2014), S.M.A.K., Gent (2014). 2017 vertrat er Belgien bei der 57. Biennale di Venezia.
Bild: Anna Barribal: Window (yellow and pink), 2018 (Detail), Pencil, pastel, wax, wax pigment, paper, 50 x 37.5 cm, courtesy Anna Barribal and Frith Street Gallery, London

Veröffentlicht am: 12.05.2020 | Kategorie: Ausstellungen,

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