OPENING ON THE FOAM im Schloss Sacrow

Die Ausstellung Opening on the Foam im Schloss Sacrow zeugt vom Fortleben der Romantik in der zeitgenössischen Kunst. Die widersprüchlichen Sentiments der historischen Epoche, die sich zwischen euphorischer Lobpreisung auf die Erhabenheit der Schöpfung, Erlösungshoffnung, Nihilismus und Weltuntergangsstimmung ansiedeln lassen, finden erneut ihren Ausdruck.

Schloss Sacrow und die Romantik

Immer wieder wurde die Romantik auch für die Geschichte von Schloss Sacrow bestimmend. Die Epoche war bereits angebrochen, als Karl Friedrich de la Motte Fouqué oder Felix MendelssohnBartholdy das ehemalige Herrenhaus bewohnten, die Heilandskirche nach Ludwig Persius errichtet wurde und Peter Joseph Lenné den Schlosspark konzipierte.

In die Kritik geriet die Geisteshaltung ein Jahrhundert später. Die Kultivierung von Weltfremdheit und Verklärtheit hätte, so die Kritiker, der Irrationalität des Nationalsozialismus den Weg bereitet. In dieser Zeit erfuhr das Schloss gravierende Umformungen durch den damaligen Hausherrn, den „Preußischen Generalforstmeister“ Friedrich Alpers. Die von ihm veranlassten „Restaurierungsarbeiten“ bestimmen bis heute die Gestalt des Gebäudes: eine Auffahrt mit gusseisernen Laternen, repräsentative Räume im Erdgeschoss statt der ursprünglichen Beletage, prächtige Böden und eine neo-barocke Freitreppe.

Opening on the Foam - Sarah Schönfeld - Reloaded, 2012, Installationsdetail, Foto, Barytabzug , 7,3 × 11,1 cm
Opening on the Foam – Sarah Schönfeld – Reloaded, 2012, Installationsdetail, Foto, Barytabzug , 7,3 × 11,1 cm

 

In einem ähnlichen Spannungsfeld ist auch die Arbeit „reloaded“ (2012) von Sarah Schönfeld angelegt. Versteht man die vergilbten und kleinformatigen Fotografien zunächst als Relikte der Kriegsvergangenheit, verraten einige Details bald die zeitgenössische und skurrile Realität hinter den Bildern: Auf den Spuren ihres Großvaters geriet die Künstlerin an eine Gruppe amerikanischer Weltkriegs-Fanatiker und dokumentierte deren Reenactments mit der originalen Fotoausrüstung aus dem Familienbesitz der 1930er Jahre.

Die Aufnahme eines Schiffes auf hoher See spannt schließlich den Bogen zurück zum Ursprung der Epoche, die mit einer Seereise Johann Gottfried Herders ihren Anlauf nahm. Als Zitat aus „Ode to a Nightingale“ (1819) von John Keats beschreibt der Ausstellungstitel metaphorisch romantische Sujets, die sich in der Ausstellung wiederfinden – der Aufbruch in unbekannte Welten, die Schönheit der Natur, die Ohnmacht des Menschen gegenüber derselben und Einsamkeit.

Als Motiv spielt es ferner auf die verwaschene und allmählich in Vergessenheit geratene Geschichte des Ortes an. Die Ausstellung wurde von Lydia Korndörfer konzipiert und bildet den Abschluss des CAA-MentorenStipendiums für kuratorische Praxis, das in diesem Jahr erstmals durch die Contemporary Arts Alliance vergeben wurde.

Opening on the Foam - Maximilian Rödel - Trevor´s room, 2014, Öl auf Leinwand, 170 × 150 cm
Opening on the Foam – Maximilian Rödel – Trevor´s room, 2014, Öl auf Leinwand, 170 × 150 cm

 

Mit Verweis auf die romantische Formensprache beleben Nebelmeere und Wolkenmassen erneut Mystik und Naturerlebnis. Es sind unter anderem Hicham Berrada und Fabian Knecht, die sich diese Motivik zu eigen machen. An anderer Stelle führen die von Sehnsucht und Verklärung sprechenden Bilder jedoch in die Irre: In Friedrich’scher Manier erscheinen so beispielsweise Rückenfiguren, beinahe übermannt von der gewaltigen Landschaft, und bepinkeln in aufrechter Geste das umliegende Landschaftsidyll.

In SS-Uniform verweisen die Protagonisten von Andreas Mühe auf die schmutzige Vergangenheit von Obersalzberg, der Sommerresidenz Adolf Hitlers. Zu Bildträgern von Momenten latenter Gewalt werden auch die „Clouds“ (2012 / 2013) von Nasan Tur. Erst beim genauen Hinsehen geben sie sich als Ausschnitte von Pressebildern zu erkennen. Als Zeugen von Gewalt und politischen Konflikten, verdunkeln sie den hoffnungsvollen Blick in den Himmel mit Rußpartikeln und Rauchwolken.

Opening on the Foam - Hicham Berrada - Présage, 2007 – 2015, Video HD (Aufnahme der Performance) Becherglas, Chemikalien, Kamera und live Übertragung,4’50’’ min. © Hicham Berrada Courtesy the artist and kamel mennour,
Opening on the Foam – Hicham Berrada – Présage, 2007 – 2015, Video HD (Aufnahme der Performance) Becherglas, Chemikalien, Kamera und live Übertragung,4’50’’ min. © Hicham Berrada Courtesy the artist and kamel mennour,

Künstler

Hicham Berrada, Julius von Bismarck, Thea Drechsel, Sven Drühl, Felix Kiessling, Fabian Knecht, Andreas Mühe, Maximilian Rödel, Julian Rosefeldt, Sarah Ancelle Schönfeld, Nasan Tur, Raul Walch u.a.

OPENING ON THE FOAM

20. / 21. JUNI 2015 PREVIEW / Freitag, 19. Juni 2015, 17 Uhr

Öffnungszeiten / 10-18 Uhr (Eintritt frei) Preview / Freitag, 19. Juni 2015, 17.00 Uhr Ort / Schloss Sacrow, Krampnitzer Str. 33, 14469 Sacrow / Potsdam

SCHLOSS SACROW

 

 

Beitragsbild: Hicham Berrada – Jetlag – oiseaux, 2014, Video HD (Aufnahme der Performance) Licht, Vögel
© Hicham Berrada Courtesy the artist and kamel mennour, Paris

Veröffentlicht am: 12.06.2015 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst,

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