„Contemporary Printmaking“ – Ausstellung und Magazin-Launch in Berlin

Druckgrafik – alt, ehrwürdig, mit Geschichte beladen. Und doch: selten denken wir sie als lebendig, radikal, aktuell. Die Ausstellung Contemporary Printmaking in der EMIK.Projects‑Location öffnet genau diesen Raum: Hier wird das alte Medium neu gedacht, neu gefühlt, neu übersetzt. Holzschnitt, Tiefdruck, Relief – das ist nicht nostalgische Rückschau, sondern Gegenwart und Zukunft der Grafik. Ein Ort, an dem Druck nicht konserviert, sondern pulsiert. Contemporary Printmaking lädt dich ein, Druckgrafik nicht nur zu sehen, sondern zu erleben.

Die Ausstellung „Contemporary Printmaking“, kuratiert von EMIK.Projects in Kooperation mit dem Magazin Additive – Zeitgenössische Druckgrafik, präsentiert fünf zeitgenössische künstlerische Positionen, die das Medium der Druckgrafik neu denken und erfahrbar machen.

Aus Jonas’ journalistischer und Darius’ kuratorischer Praxis wuchs der Wunsch, ein Thema ganzheitlich erfahrbar zu machen. Das Thema stand schnell fest, da wir uns einig sind, dass die Druckgrafik im zeitgenössischen Diskurs zu wenig Aufmerksamkeit erfährt. Zusammengekommen ist eine Auswahl an künstlerischen Positionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und gerade dadurch die Vielfalt des Mediums verdeutlichen. Das Magazin vereint die Gedanken verschiedenster Autor:innen und gibt Anstöße zur Betrachtung, während die begleitende Ausstellung diese erfahrbar macht.

Mit ihrer Entstehung Ende des 14. Jahrhunderts ist die westliche Druckgrafik ein junges Medium – gerade im Vergleich zur Malerei, deren Ursprünge rund vierzigtausend Jahre zurückreichen. Und doch haftet dem Gedruckten oft etwas Historisches an: Man denkt eher an alte Meister wie Dürer, Rembrandt oder Goya als an zeitgenössische Künstler:innen. Die Druckgrafik ist aber auch heute noch sehr lebendig. Wie jedes andere künstlerische Medium hat sie ihre eigenen Gesetze und Möglichkeiten des Ausdrucks, die von Künstlerinnen und Künstlern kontinuierlich ausgelotet, erweitert und reinterpretiert werden.

Dieses Heft möchte einen Einblick geben in die Arbeit dieser Zeitgenoss:innen, verschiedene Akteure vorstellen und die Vielfalt eines Mediums beleuchten, das zu oft nur mit altmeisterlichen Arbeiten assoziiert wird.

Lisa Faustmann arbeitet mit großformatigen Relief- und Tiefdrucken, in denen sich historische Bildtraditionen mit einer stark körperlichen, farbintensiven Oberfläche verbinden.

Resilienz zieht sich durch jedes Element von Donna Volta Newmens Praxis. Mit historischen Bezügen, antiken Mythen und symbolisch aufgeladenen Materialien schafft sie Arbeiten, die zugleich Verletzlichkeit und Stärke verkörpern. Sezen Deniz Tokadam zeichnet nach, wie sich in Donna Volta Newmens Werk historische Referenzen, Mythen und Materialien zu Arbeiten verdichten, die von Resilienz durchdrungen sind. Newmens künstlerische Praxis umfasst Film, Kostüm- und Bühnenbild, doch der traditionelle Tiefdruck bleibt ihr Zentrum. Aufgewachsen in einer Druckwerkstatt in Chemnitz in der ehemaligen DDR, erschien ihr die Druckgrafik zunächst als Mittel zum Zweck – vor etwa sechs Jahren kehrte sie jedoch zu ihr zurück und bezeichnet sie heute liebevoll als „Dornröschen“, gerade wegen ihrer komplexen, unumstößlich analogen Natur. Am meisten schätzt sie daran, nicht die vollständige Kontrolle zu haben: Es bleibt immer ein Moment des Unvorhersehbaren, denn letztlich haben Prozess und Material das letzte Wort.

Katja Wolf bringt Druckgrafik in den Raum. Ihre gefalteten, bedruckten Oberflächenobjekte oszillieren zwischen Bild, Skulptur und architektonischem Fragment und thematisieren Material, Gewicht und Fragilität.

Christoph Tschernatsch knüpft mit der Serie „Goya for Everybody“ an die Bildstrategien Goyas an und übersetzt Krisenerfahrungen, Popkultur und Ritual in dichte, aquatinta-basierte Szenen, in denen Barbies, Druiden und andere Figuren aufeinandertreffen. Emmanuelle Passelande zeigt, wie in Tschernatschs Serie die Aquatinta zu einer Bildsprache wird, um den Widersprüchen und Krisen der Gegenwart zu begegnen. Seit 2022 malt Christoph auf über Rahmen gespanntem Kunststoff statt auf Leinwand und entwickelt Motive, die sich sowohl an ein gegenwärtiges Publikum als auch an eine zukünftige Öffentlichkeit wenden. Diese Arbeiten fordern die Betrachtenden dazu heraus, ihre Gewohnheiten aus der Perspektive zukünftiger Generationen zu bedenken und zu verändern, indem sie Druiden und Barbies in dystopischen Landschaften zeigen. Diese Erkundung setzt er nun mit wiederkehrenden Motiven von Druiden und Chaos fort und knüpft ausdrücklich an Goyas Bildstrategien an, indem er mit Aquatinta im Tiefdruck arbeitet. Sein vertieftes Wissen um druckgrafische Techniken ermöglicht es ihm, Tiefdruckverfahren auf Leinwand zu übertragen.

Eine besondere Rolle nimmt EL Loko ein. Seine frühen Holzschnitte, die in der Ausstellung gezeigt werden, verbinden afrikanische und europäische Bildsysteme und erzählen von einer Biografie zwischen Togo und Deutschland. Die Arbeiten markieren ein wichtiges Kapitel der afrikanischen Diaspora-Kunst und bilden zugleich ein Fundament für das Verständnis seiner späteren Praxis. Die Druckgrafik von EL Loko bildet das Fundament seines Werks. Sie öffnet sich hin zu kunsthistorischen Debatten, die unsere politische Gegenwart bis heute prägen. EL Loko (*1950 in Pédakondji, Togo; †2016 in Köln) studierte Malerei, Bildhauerei und Grafik an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys, Rolf Crummenauer und Erwin Heerich und schloss 1977 als Meisterschüler ab.

Im künstlerischen Prozess von Jonas Liesaus scheint alles möglich. Durch die Gleichzeitigkeit von Ergebnis und Werkzeug stellt er den Begriff des druckgrafischen Werks immer wieder in Frage – und doch lassen sich zahlreiche kunsthistorische Parallelen finden. Leon Friederichs zeigt, wie selbst die avantgardistischen Praktiken von Liesaus in der Geschichte der Druckgrafik verankert sind. Der Künstler dehnt die Definition eines Werks bis an ihre Grenze und lässt die Unterscheidung zwischen Ergebnis und Werkzeug verschwimmen. Die hier abgedruckten „Artist Pages“, von Jonas Liesaus gestaltet, widmen sich der digitalen Schichtung seiner physischen Arbeiten und führen seine Praxis noch weiter. Liesaus (*1999 in Potsdam) studierte Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) bei Ingo Meller und Anne Speier und schloss 2024 mit dem Diplom ab.

Magazin und Ausstellung sind als gemeinsame Erfahrung gedacht: Das zweisprachige Heft (Deutsch/Englisch) schafft einen theoretischen und erzählerischen Rahmen, während „Contemporary Printmaking“ die darin verhandelten Fragen in den Ausstellungsraum übersetzt – von der politischen Bildsprache über Landschaft und Körperbilder bis hin zu Fragen von Reproduktion, Original und Edition.

Künstler

LISA FAUSTMANN
JONAS LIESAUS 
EL LOKO
CHRISTOPH TSCHERNATSCH
DONNA VOLTA NEWMEN
KATJA WOLF

„Contemporary Printmaking“ – Ausstellung und Magazin-Launch in Berlin

29. November – 14. Dezember 2025

EMIK.Projects

Knaackstraße 14, 10405 Berlin

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