“corraxoma” von Musehold & Saile in der Galerie Koal

Die Künstler Markus Saile und Thomas Musehold stellen aktuelle ihre Werke in der Berliner Galerie koal aus. Neben wunderbaren Bildern können hier auch einzigartige Skulpturen bewundert werden. Wer bereit ist, sich mal in eine andere künstlerische Welt entführen zu lassen, ist bei dieser Ausstellung genau richtig. Unter dem Titel “corraxoma” können die Bilder und Skulpturen der beiden Künstler besucht werden.

Der eingeladene Kurator Arne Reimann zeigt in der Galerie koal zwei künstlerische Positionen, die sich mit den Räumen der Galerie verzahnen, eine eher skulptural und eine eher malerisch. So unterschiedlich die Richtung der Herangehensweise der beiden Künstler an ihr jeweiliges Sujet ist, so lässt sich doch in der Verschleifung von formalen, bildnerischen Informationen in den Kunstwerken ein ähnliches Bestreben erkennen. Trotz der abstrakten Erscheinungsweise ist für Thomas Musehold (*1982) und Markus Saile (*1981) die Grundlage für ihre Zeichnungen, Skulpturen und Malereien immer noch der figürlicher Anlass.

corraxoma in der Galerie Koal

Skulpturen von Thomas Museholds in einer noch nie gesehenen Art und Weise

Thomas Museholds skulpturales Schaffen basiert auf Fundstücken, die er einerseits als Anschauungsmaterial nutzt, andererseits als skulpturales Werk verhandelt. Die gefundenen Objekte werden von ihm analysiert und bearbeitet, visuell durch Zeichnungen, formal durch manuelle Bearbeitung, Abformung oder chemische Prozesse. Beispielsweise bedient er sich geschnitzten Holzskulpturen, meist mit bukolischen oder religiösen Motiven, wie sie einst in bürgerlichen Wohnstuben seit den 1950er Jahren zu finden waren. Oder es sind vegetabile „objet trouvés“, die tatsächlich der Natur entstammen können, wie die archaisch anmutenden Zapfen, aber auch ein gefundenes Lampenglas aus unbestimmter Zeit.

Ausgehend davon, entfernt er Teile, geht in das Material hinein, fräst, schnitzt und schleift, formt und gießt sie ab. Die neuen gefundenen Formen betont er durch die auf die Objekte abgestimmte Oberflächenbehandlung, indem er tradierte Techniken aufgreift, wie beispielsweise eine Schellack-Politur, oder Flip-Flop Lack verwendet.

Die von Musehold für die Räume entwickelten Präsentationsmöbel greifen als Display einerseits in die räumliche Struktur der Galerie ein, eignen sich durch die spiegelnde Oberfläche die Räumlichkeit wieder an und verbinden sich andererseits mit den an den Wänden hängenden Malereien von Markus Saile.

Markus Sailes Werke erzeugen Sehnsucht

Sailes malerische Werke zeichnen sich durch gegenständliche Spuren oder deutliche formale Setzungen aus, die sich aber in der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Licht- und Farbverhältnissen in den vielfach überlagerten, transparenten Farbschichten beinahe auflösen. Nur noch selten sind die Landschaften, Raumsituationen und Erinnerungsbilder zwischen den Schichten entzifferbar.

Jeder stark verdünnten Malschicht folgen Auswaschungen, Überlagerungen, Abtragungen und Anlagerungen. Der von Saile genutzte Kreidegrund ist kunsthistorisch weit zurückreichend, die älteste und dauerhafteste Grundierungstechnik wird seit über 1000 Jahren angewendet. Sie hat aber auch eine besondere Leuchtkraft, da die Farbe in das Trägermaterial einzieht, die die lasierende Malweise des Künstlers unterstützt. Auch die verwendete Farbigkeit hat solche geschichtlichen Konnotationen, bezieht sich auf Inkarnatstöne und Farben der herrschaftlichen Repräsentation in der historischen Malerei.

Die Gemälde befinden sich aber nicht als Bild- auf einer Wandfläche, sondern die Nasen, Kanten und Wulste der Grundierung sowie die Farbablagerungen erweitern die Bildfläche in den Raum. Sie verstärken den Objektcharakter jedes einzelnen Werkes – und schaffen so eine Rückverbindung zu den installativ präsentierten Skulpturen von Musehold.

In der prozessualen Fortentwicklung der Werke von Musehold und Saile gehen die Informationen, die für eine Entschlüsselung des Motives notwendig sind, größtenteils verloren, werden verschliffen, erodieren. Durch die taktilen Referenzen der Oberflächen, von den Skulpturen ebenso wie von den Malereien, werden die verbliebenen Spuren aber erfahrbar – fordern die Neugier heraus.

Kunst aus verschiedenen Richtungen harmonisch vereint

Der Titel der Ausstellung, corraxoma, trägt dem künstlerischen Prozess in beiden Positionen Rechnung, der Zufall, Zerfall und analytisches Interesse miteinander verbindet. Das Kunstwort aus „corrasion“, dem geomorphologischen Begriff für den Prozess der mechanischen Erosion der Erdoberfläche durch Wind und Wasser, sowie „xoma“, der die alchemistische Komponente pseudowissenschaftlich aufgreift.

Markus Saile und Thomas Musehold

“corraxoma”
2. Juli – 8. August 2015

Galerie koal

Leipziger Strasse 47 / Jerusalemer Strasse
10117 Berlin

Veröffentlicht am: 22.07.2015 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst, | Tag: Galerie Koal, Markus Saile, Thomas Musehold,

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