Der Galerist und die Künstlerin: Melora Kuhn bei Eigen + Art

Ein Besuch in der Berliner Galerie Eigen + Art lohnt immer, daher konnte ich mir auch die aktuelle Ausstellung der Künstlerin Melora Kuhn nicht entgehen lassen.

Und ich war wirklich positiv überrascht.

Melora Kuhn – THE HOUSE OF HER REFLECTION

Betritt man die Galerie Eigen + Art, sieht man die Werke der aktuellen Ausstellung von Melora Kuhn an weißen Wänden.

Melora Kuhn (geboren 1971 in Boston) studierte an der School of the Art Institute of Chicago. Sie war in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vor allem in den USA vertreten. Sie lebt und arbeitet in der Nähe von New York. Nach der Aufnahme der Künstlerin in das feste Programm der Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin im vergangenen Jahr, ist dies ist die erste umfangreiche Einzelpräsentation von Melora Kuhns Werk in den Berliner Räumen der Galerie.

Geht man aber die Treppe hinunter, zum neuen Showroom von Galerist Gerd Harry Lybke, erlebt man eine Überraschung: zwei der drei Wände wurden mit einer kunstvollen Tapete beklebt, deren Erzeuger ich noch herausfinden muss. Das ist auf den ersten Blick ungewohnt, aber es passt wie die Faust auf`s Auge zu den Bildern von Melora Kuhn.

Mustertapete von (noch) unbekanntem Künstler bei Eigen + Art
Mustertapete von (noch) unbekanntem Künstler bei Eigen + Art

Ein kleiner Geniestreich von Judy… ich lasse mich nur zu gerne immer wieder auf`s  Neue von ihm überraschen.

Die Sujets der Bilder von Melora Kuhn passen zum Teil traumhaft zu diesem wunderbaren Hintergrund.

Melora Kuhn und MASCH
Melora Kuhn und MASCH

Melora Kuhn`s Werk ist die laufende Erfahrung innerhalb des Selbst und der Gesellschaft. Zeichnungen der Kunstgeschichte, Märchen und Mythologie ändert sie entsprechend, in dem sie Denk- und Sichtweisen untersucht. Sie versucht, dem Ausgelassenen und Vergessenen darin auf den Grund zu gehen und zu ergänzen.

Besonders interessieren sie die Formen der amerikanischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, die sie in einen neuen Kontext setzt.

Detail-Aufnahme
Melora Kuhn: “Border Patrol” (Detail) 2014, Öl auf Leinwand, 182 x 244 cm

In ihren Gemälden befasst sich Melora Kuhn mit der Spannung zwischen Stabilität und Chaos, zwischen idealistischen Visionen und den Mitteln, mit denen sie verwirklicht werden. Ihr Werk, das voller historischer, politischer und psychologischer Anspielungen ist, führt eine direkte Zwiesprache mit den Meistern der abendländischen Malerei. Sie studiert und nutzt Bilder der Vergangenheit, mit einem modernen Verständnis, wie Geschichte zur Gegenwart führt.

Die Arbeitsweise der Künstlerin beinhaltet das Auswählen und Zusammenstellen, und durch das Gewählte betont sie das spezifisch Amerikanische der entstehenden Gemälde. Sie folgt ihrer Intuition und ihrem Interesse, achtet zugleich jedoch genau auf Konzeption und Kritik. Um ihren Standpunkt vorzutragen, verdichtet sie ihre Quellen zu wesentlichen Merkmalen und Gesten, bisweilen durch einen expressiven Pinselstrich und satte Farbe, bisweilen durch Präzision und Anschaulichkeit.

Kuhn wuchs im Osten des US-Bundesstaates Massachusetts auf, nicht weit von den ersten Schlachtfeldern der Amerikanischen Revolution entfernt. Diese Region sollte später bedeutende Autoren der amerikanischen Literaturgeschichte hervorbringen – Emily Dickinson, Nathaniel Hawthorne, Ralph Waldo Emerson, Henry David Thoreau. Mit Freunden schwamm Kuhn in Thoreaus legendärem Walden Pond, sie tauchte in die offiziellen Darstellungen der amerikanischen Geschichte ein. Heute lebt sie im Hudson Valley im Bundesstaat New York; die Künstler der Hudson River School malten im 19. Jahrhundert romantische Bilder der amerikanischen Landschaft. Zu dieser Zeit ungeheuer erfolgreich, prägten sie durch umfangreiche Wanderausstellungen, die den Zug nach Westen in all seiner Glorie zeigten, die allgemeine Vorstellung vom amerikanischen Westen. All diese historischen Einflüsse nimmt die Künstlerin in ihre Malerei auf – einige werden vereinfacht, andere vertieft – und vereint sie mit ihren eigenen Erfahrungen zu vielschichtigen, zeitgemäßen Arbeiten.”

Marc Lepson in: Melora Kuhn, Ausstellungskat., Berlin, 2015

 

26. Februar bis 18. April 2015

Melora Kuhn – The house of her reflection

Galerie EIGEN + ART Berlin

 

 

Veröffentlicht am: 03.03.2015 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst, | Tag: eigen + art,

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