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SUMMARY:Die Zukunft war ein Ort
DESCRIPTION:Als Juan Miguel Pozo 1994 von Havanna nach Europa kam\, hatte er zuvor in Kuba die sogenannte „Sonderperiode“ durchlebt: Eine Zeit wirtschaftlichen Niedergangs\, die unter anderem dem Abbruch des Handels mit den ehemaligen Staaten des Ostblocks geschuldet war und deren Folgen bittere Mangelwirtschaft bis hin zu akuter Nahrungsmittelknappheit waren. Pozo hatte das Glück\, als Künstler auf den Straßen Havannas von einem deutschen Journalisten entdeckt und an befreundete Künstler weiterempfohlen zu werden\, die sich für seine Einreise nach Europa einsetzten\, was für ihn schließlich zu einem Stipendium an der Kunstakademie Düsseldorf führte. Sein Auswandern hatte also neben seiner Entwicklung als Künstler auch sehr konkrete\, existenzielle Gründe\, bzw. sind diese sozialen Umstände und sein Werk zwangsläufig und sichtlich miteinander verflochten. \nInteressanterweise fand Pozo in Berlin trotz der Sprachbarriere mehr Verbindungen zu seiner eigenen Identität und Vergangenheit vor als in Barcelona\, einer vorangegangen Station seiner Migration nach Europa. Die Berliner Hinterlassenschaften sozialistischer Kultur und Ästhetik\, beispielsweise in Architektur\, russischen Filmen oder eben der östlich geprägten Kunst boten Pozo eine Möglichkeit der Anknüpfung und Auseinandersetzung mit jenen gesellschaftlichen Strukturen\, die er gerade hinter sich gelassen hatte. Juan Pozo beschreibt das Kommen nach Berlin „wie einen Moment der Harmonie mit meiner Vergangenheit. Berlin war gleichzeitig neu und bekannt.“ Auch um diese Reflexion führen zu können aber war für ihn das Verlassen Kubas wichtig\, er empfand dortige gesellschaftliche Konventionen oder Vorschriften als prägend im Alltag\, was sich in ihm als sogenannte „Selbstzensur“ darstellte. Der Wechsel der Gesellschaftsformen war insofern eine geistige Befreiung. \nIn den Bilder der Ausstellung „Die Zukunft war ein Ort“ finden nicht nur Orte wie Berlin und Havanna sondern auch die Wesen von Utopie und Dystopie zusammen. Vor einfarbigen\, mehr oder weniger abstrakten geometrischen Grundformen schweben urbane architektonische Objekte im Vordergrund\, d. h. es fehlt ihnen Boden oder Fundament\, ganze Grundstücke scheinen wie Bauteile von Modelllandschaften auf Podesten im Raum aufgehängt. Zwar offenbar das Resultat einer städtebaulichen Planung aber ohne erkennbaren Zweck für Bewohner stehen auch andere urbane Elemente wie z. B. Treppen frei im Raum. Alle Objekte in den Bildern wirken durch Techniken wie Abschaben und Kratzen abgenutzt und gealtert\, hinzu kommen unvollständige oder abstrakte Bereiche\, zerlaufene Farben in den Randbereichen. Die Motive wirken dadurch insgesamt rau\, mitgenommen und von allmählichem Verfall gezeichnet. \nDamit verbinden Juan Miguel Pozos Bilder die alltägliche Künstlichkeit als Merkmal dogmatisierter Utopien gleichzeitig mit deren inhärenten strukturellen Schwächen und ihrem Resultat in Auflösung und Zerfall. Für Pozo sind diese von ihm erlebten Vorgänge\, bzw. Zeitabschnitte eine Einheit\, sowohl wohnt der ideologischen Vision ihr Niedergang inne\, als auch dem gesellschaftlichen Ruin der Erhalt und Gewinn einer kulturellen Essenz. Auch darin konkretisiert sich der Titel der Ausstellung\, denn die Zukunft war ein Ort\, ein idealisierter Topos der Vergangenheit\, der der zeitlichen Dynamik der eigentlichen Gegenwart nicht ohne Brüche standhalten kann. \nText von Matthias Bergemann \n
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