Was die drei Künstlerinnen verbindet, ist die Auseinandersetzung mit der Position des Individuums in einer immer komplexer werdenden Welt, das in Gefahr gerät, sich in fragilen Konstellationen zu verlieren. Mit ihren unterschiedlichen gestalterischen Ansätzen reagieren sie hierauf jeweils individuell.
Friederike Klotz entwirft eine Art Experimentierlabor, in dem menschliches Verhalten, die Steuerung von Gruppendynamiken und Formen zukünftiger Entwicklung von Stadt, Natur und Gesellschaft untersucht werden. Dreidimensionale Raum- und Wandobjekte lassen komplexe Welten entstehen, die sich durch verschiedene optische Phänomene, Verfremdungseffekte, Vergrößerung, Miniaturisierung, Spiegelung und Bewegung, immer wieder einer präzisen Erfassung durch die Betrachter:innen entziehen.
Die kinetischen Objekte, Klangskulpturen, Zeichnungen und Collagen führen uns ein Universum im Miniaturformat vor Augen, in dem anonyme, ihrer Individualität entledigte Figuren von unsichtbarer Hand gesteuert erscheinen. Aus einfachsten Materialien, häufig alltägliche Plastikverpackungen und Fundstücke, entwickelt Friederike Klotz vielschichtige Anschauungsmodelle, die durchaus das Potenzial besitzen, aktuelle Fragen nach dem Zustand einer total kontrollierten und durch elektronische Systeme überwachten Gesellschaft zu provozieren.
Mayumi Okabayashi beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Wahrnehmung, Erinnerung und dem Wandel von Realität. Ihre Bildwelten erinnern an organische Strukturen – Zellen, Pflanzen, Wurzeln und Äste – und zeigen Formen, die sich zwischen Zustand und Bewegung verorten. Wie bei einem Baum Wurzeln und Äste in unterschiedliche Richtungen wachsen und doch miteinander verbunden sind, verschwimmen in ihren Arbeiten die Grenzen zwischen Anfang und Ende, oben und unten. Der Kreislauf des Lebens, das Verhältnis von Mikro- und Makrokosmos sowie die Beziehung zwischen Mensch und Natur sind zentrale Themen.
Nanaé Suzuki kam 1977 nach Europa, nachdem sie als selbstständige Malerin in Tokio gearbeitet hatte. Sie hielt sich in verschiedenen Städten in Europa sowie in den Vereinigten Staaten auf und arbeitete neben der Malerei mit Performances und intermedialer Kunst, bis sie sich 1981 in Berlin niederließ. Durch diese Erfahrungen ergab sich für sie der Zugang zu raumbezogenen Arbeiten und Objekten sowie neue Perspektiven in der Malerei und der Fotografie. Ihre Arbeiten befassen sich mit der zeichenhaften Umsetzung veränderter Wahrnehmungen durch den Wechsel der Perspektive. Seit Anfang der 2010er Jahre hat sich parallel zur künstlerischen Fotografie der Fokus auf die Malerei innerhalb ihres Werks intensiviert. Ihre Malerei fokussiert sich auf Themen wie die Doppelerscheinung der Figuren und die Zeiten in den Bildern. In den letzten Jahren erweiterten sich ihre Themen um die Haltung von Individuen gegenüber der Gesellschaft, der Welt und dem Universum.
VEREIN DER BERLINER KÜNSTLERINNEN 1867 e. V.
Die Gründung des Vereins 1867 war eine Pionierleistung von Künstlerinnen. Der Verein unterhielt eine eigene Kunstschule und erwarb dazu 1893 ein eigenes Haus in der Potsdamer Straße 98a. Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz und Paula Modersohn-Becker erhielten an der Zeichen- und Malschule des Vereins eine akademische Ausbildung, die Künstlerinnen bis 1919 an den Kunstakademien verwehrt wurde. Der VdBK 1867 trug dazu bei, dass auch Frauen eine fundierte künstlerische Ausbildung, soziale Absicherung und Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten erhielten. Nach langen Jahren ohne Domizil, hat der Verein heute in der Eisenacher Straße 118 in Berlin-Schöneberg neue Ausstellungsräume und setzt sich mit einem regen Ausstellungsprogramm generationsübergreifend für die Präsenz und Gleichstellung von Berliner Künstlerinnen ein. Er pflegt aber auch sein kulturelles Vermächtnis und zeigt die Werke seiner historischen Mitglieder.
Beitragsbild: Nanaé Suzuki, Dusk, Berlin, 50 x 70 cm, Öl auf Leinwand, 2025



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