Gruppenausstellung “random repeat refine” – Cécile Dupaquier, Marie Rief und Fiene Scharp

Ein Schnitt in ein Blatt Papier, hunderte Male wiederholt; zehn, zwanzig, dreißig Kopien desselben Motivs; Baumaterial, dessen Struktur zerlegt und neu zusammengesetzt wird — durch solch minimale und reproduktive Vorgehensweisen lösen die Künstlerinnen Cécile Dupaquier, Marie Rief und Fiene Scharp ihr jeweiliges Material aus seiner Zweckmäßigkeit heraus und befragen es in einem kreativen Prozess: Was ist sein vorgesehenes und was sein mögliches Wesen? Welche Identität hat eine Kopie, welche Einzigartigkeit eine Wiederholung? Wo endet der Zufall und wo beginnt die künstlerische Geste? Wann wird der Umstand zum Gegenstand? Wie wird aus Material Kunst?

Dupaquier, Rief und Scharp zeigen, dass im Grunde bereits alles vorhanden oder angelegt ist: Material, Möglichkeiten, Methoden. Die Künstlerinnen erforschen den Werkstoff, erproben ihn über seine technisch-industrielle Funktion hinaus, entführen ihn aus der Werkstatt, aus dem Büro oder aus dem Labor — ins Atelier. Dabei gehen sie von Rohstoffen aus, die einen reproduktiven Charakter haben: Standardmaterial aus dem Baumarkt, das nach Normen und Richtlinien hergestellt wird; mathematische Papiere mit industrieller Rasterung; mehrere Laserkopien von ein und derselben Fläche.

Jede der drei Künstlerinnen dekonstruiert das Material auf ihre Weise. Durch eine händisch vorgenommene Störung (z.B. Schnitt, Schliff, Kopie) wird aus dem konkreten Gegenstand zunächst ein vages Etwas, das von nun an neue Fragen aufwirft. Die wiederholte oder raffinierte Störung entwickelt sich im Laufe der Auseinandersetzung mit dem Material und seiner Bearbeitung zu einer künstlerischen Geste und setzt eine Transformation in Gang. Das Vage ist auf einmal abstrakt, und selbst der Zufall ist einer Idee zugetan.

Cécile Dupaquier

Cécile Dupaquier, geb. 1970 in Frankreich, studierte Kunst und Mediengestaltung an der École Nationale Supérieure des Beaux Arts in Lyon. Im Jahr 2003 war sie Artist-in-Residence an der Akademie der Künste in Berlin, wo sie im darauf folgenden Jahr ausstellte und lebt seitdem in Berlin.  2021 ist sie Stipendiatin der Stiftung Kunstfonds Bonn. Sie hatte Einzelausstellungen u.a. in der Galerie Daniel Marzona, Berlin (2017), im Atelier Wilhelmstraße 16, Stuttgart (2015) und im Kunstmuseum Bonn (2001). Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Gruppenausstellungen zu sehen, wie z.B. in der Galerie Mathias Güntner, Hamburg (2020), Thomas Rehbein Galerie, Köln und Mehdi Chouakri, Berlin (2018), sowie Centre d’Art Le 19 – CRAC, Montbéliard (2021).

Cécile Dupaquier, Tableau (ligne) n°2 (Detail), 2020, Sperrholz, Mineralfarbe, 39 x 24 x 4,5 cm
Cécile Dupaquier, Tableau (ligne) n°2 (Detail), 2020,
Sperrholz, Mineralfarbe, 39 x 24 x 4,5 cm

Marie Rief

Marie Rief, geb. 1987 in Berlin; studierte von 2008 bis 2014 Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin in der Fachklasse für Malerei und Zeichnung bei Prof. Fries. Dort entwickelte sie ihre experimentelle Arbeit mit Fotografie und Zeichnung. 2014 schloss sie das Studium als Meisterschülerin ab. Im selben Jahr erhielt sie den Regina-Pistor-Preis sowie Nominierungen für den Meisterschülerpreis und das Nachwuchsförderprogramm des Else-Neumann Stipendiums. Seitdem waren ihre Arbeiten in Einzelausstellungen (Lichte Schatten 2015, a far shot 2016, Galerie Bourounia) und Gruppenausstellungen, unter anderem im Haus am Lützowplatz und dem Haus am Kleistpark (2016), in den Technischen Sammlungen Dresden (Sonne auf Papier 2017), Mexiko City bei Arozarena (double blind 2017, im Museum Ploschad Mira in Krasnoyarsk, Sibirien (the fine hands show 2021) zu sehen. 2021 ist sie Stipendiatin der Stiftung Kunstfonds Bonn.

Marie Rief, Dunkelkammer (Abschnitt 570), 2022, s/w-Barytpapier, analoger Kontaktabzug von Laserdruck, 30,7 x 22 cm
Marie Rief, Dunkelkammer (Abschnitt 570), 2022, s/w-Barytpapier, analoger Kontaktabzug von Laserdruck, 30,7 x 22 cm

Fiene Scharp

Fiene Scharp, geb.1984 in Berlin, studierte Bildende Kunst und Literatur an der Universität der Künste und der Humboldt-Universität in Berlin und erhielt 2012 den Meisterschülerpreis des Präsidenten der Universität der Künste. Sie war Stipendiatin der Stiftung Kunstfonds Bonn, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Dorothea-Konwiarz-Stiftung und des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf. 2021 gewann sie den Paper Art Award, der erstmals auf der Paper Positions Berlin vergeben wurde, und wurde Preisträgerin des Losito-Kunstpreises.

Beitragsbild: Fiene Scharp, ohne Titel (Detail), 2021, Papierschnitt, 100 x 100  cm

Gruppenausstellung “random repeat refine”

25.02.2022 – 14.04.2022

Kuckei + Kuckei

Veröffentlicht am: 02.03.2022 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst,

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