Philip Loersch – LES PIERRES

Philip Loersch - LES PIERRES

Rembrandt trifft Mondrian – gezeichnet mit Bleistift, in Stein gemeißelt in die Zeit. Philip Loersch verwandelt die Meister der Kunstgeschichte in Buchsteinskulpturen aus Alabaster: Les Pierres bei FeldbuschWiesnerRudolph zeigt, wie Aneignung zur eigenständigen Kunst wird.

Les Pierres von Philip Loersch – Meisterwerke neu im Stein gedacht

Zum Gallery Weekend Berlin präsentiert die FeldbuschWiesnerRudolph Galerie mit „LES PIERRES“ die inzwischen siebte Einzelausstellung von Philip Loersch. Im Zentrum stehen neue handbezeichnete Buchsteinskulpturen, die durch handwerkliche Präzision, kunsthistorische Motivik und die besondere Charakteristik des Alabastersteins hervorstechen.

Les Pierres von Philip Loersch tragen die großen Klassiker der Kunstgeschichte auf ihrer „Haut“. Und doch sind Pierre Rembrandt, Pierre de La Tour, Pierre Turner, Pierre Mondrian eigenständige Werke, die aus der intensiven Auseinandersetzung mit den kunsthistorischen Vorlagen hervorgehen, um diese in ein neues materielles und zeichnerisches Konzept zu überführen. „Die Wahl dieser vier Künstler ist weniger eine Hommage im klassischen Sinne, sondern ergibt sich aus der Frage, welche malerischen und zeichnerischen Ideen sich im Stein interessant weiterdenken oder neu formulieren lassen“, erklärt Philip Loersch.

Appropriation als künstlerischer Prozess

Ausgangspunkt sind die reproduzierten Bilder und Texte aus den monographischen Werkverzeichnissen der großen Meister. In Loerschs Übertragung auf den Stein geschieht eine Transformation. Mit Bleistift, Buntstift und Tusche zeichnet er mit hoher Präzision. Dabei geschieht eine Form der Appropriation, der Aneignung, in der sich Aufmerksamkeit und Dauer in den Stein einschreiben und ihre Wirkung entfalten. Die charakteristischen Adern des Alabasters treten in direkten Dialog mit der von Loersch gezeichneten Ordnung. Etwa dort, wo sich Mondrians Komposition mit der natürlichen Struktur des Steins überlagert und bricht. „Mich interessiert, was passiert, wenn ich ein Werk noch einmal durch meine Hand und meinen Kopf laufen lasse“, sagt Loersch.

Im Pierre Rembrandt verschiebt sich die zeichnerische Verdichtung: Licht und Schatten werden präzise übertragen und zugleich durch das Material in eine neue Zeitlichkeit transformiert. Beim Pierre de La Tour wird das Licht nicht nur dargestellt, sondern durch den durchscheinenden Alabaster selbst getragen und sichtbar gemacht.

Alabaster als Trägermedium – Widerstand und Transparenz

Philip Loerschs Entscheidung für den Stein – statt Papier – als Trägermedium für seine delikaten Handzeichnungen scheint widersprüchlich: das Material ist schwer, widerständig und von den Spuren der Zeit durchzogen. Doch der Alabaster ist feinkörnig, ein leicht zu formendes Mineral, er besticht durch seine marmorähnliche Optik, und Loersch schätzt besonders seine transluzenten Eigenschaften. Derart entstehen die Werke des Künstlers und Zeichners nicht einfach auf dem Stein, sondern im Dialog mit ihm. „Ich arbeite seit 2015 mit Stein. Er ist eines der ältesten Materialien, auf dem geschrieben wurde. Diese Verbindung von Material und Zeit interessiert mich.“

Schrift als Zeichnung – das Buch als zentrales Motiv

Die Handzeichnung ist im Werk des Künstlers Philip Loersch zentral. Sie erlaubt ihm, im performativen Prozess zu verstehen und weiterzudenken. Auch das Buch als zentrales Motiv spielt eine wiederkehrende Rolle. Seiten, Texte, Layouts bestimmen die Komposition. Jeder Buchstabe, jedes Komma, jede Annotation sind scheinbar gedruckt, tatsächlich jedoch vollständig und absolut präzise von Hand gezeichnet. „Ein guter Kopist zu sein, ist für mich erstmal nichts Negatives. Ich mag diese lange Tradition bis hin zu Mönchen, die Texte abgeschrieben haben, und ich lerne dabei immer noch unglaublich viel.“

Loersch arbeitet mit großer Passion und Konzentration an der Schnittstelle von Bild und Text, von Sehen und Lesen. Schrift wird bei ihm immer zur Struktur, zur Schraffur, zum Bild. Denn Schrift ist bei ihm nicht nur Information, sondern auch Zeichnung.

Philip Loersch – LES PIERRES

29.04.2026 – 30.05.2026

FeldbuschWiesnerRudolph

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Vertrag widerrufen