qbit to adam I, adam – Chan Sook Choi bei Kang Contemporary

chan sook choi

Chan Sook Chois Arbeiten basieren auf ihren künstlerischen Forschungen – Forschungen über Bewegungen von Menschen und Dingen, Forschungen über das, was Menschen hinterlassen, über das was die Erinnerung vermittelt. Oft mit dem Format von Video- und topographisch angelegten Soundinstallationen arbeitend, untersucht die Künstlerin, wie, durch technologisch und ökonomisch bedingte Beschleunigung, Körper von Daten und vom virtuellen Raum verdrängt werden.

„qbit to adam I, adam“, Chan Sook Chois aktuelle Ausstellung bei KANG Contemporary, versteht sich als erster Teil einer seit 2019 von der Künstlerin konzipierten Serie mit dem Titel „Superposition: qbit to adam“. Sich auf Quantenbits als Messeinheit für subatomare Teilchen einerseits, auf das hebräische Wort Adamah (Erde, Erdboden) andererseits beziehend, verbindet Chan Sook Choi in dieser Serie verschiedene Perspektiven auf den Zusammenhang von Information und Landnahme.

Bereits seit einigen Jahren fokussiert die Künstlerin in ihrer Arbeit auf Spuren, die Menschen in den von ihnen besiedelten Gebieten hinterlassen – von Privatgrundstücken bis hin zu Territorien, die von mehreren Staaten geteilt werden oder die sich im Besitz multinationaler Unternehmen befinden. Bei einer Reise in die nordchilenischen Anden besuchte Chan Sook Choi kürzlich die weltgrößte Kupfermine Chuquicamata und die sich in unmittelbarer Nähe befindende ehemalige Stadt gleichen Namens. Da die Bewohner der Stadt vor einigen Jahren aufgrund des großflächigen industriellen Rohstoffabbaus umgesiedelt wurden, ist es vor allem der dortige Friedhof, der Chan Sook Chois Interesse fand – als bald letztes Zeugnis einer über einhundertjährigen Geschichte menschlicher Siedlung an diesem Ort.

Ihre Beobachtungen zu Fragen der Verdrängung von Lebensstrukturen durch das Prinzip des Landbesitzes und durch die Produktion materieller Güter bringt Chan Sook Choi in Verbindung mit Überlegungen zum Erwerb immaterieller Güter, von Daten: Für „qbit to adam I, adam“ besuchte die Künstlerin auch das rund 150 km von Chuquicamata entfernte „Atacama Large Millimeter/submillimeter Array“ (ALMA), ein gigantisches RadioteleskopObservatorium und internationales Forschungsinstitut, mit dem verschiedene Länder Informationen aus dem Universum sammeln.

Bei der Recherche über diese beiden Örtlichkeiten als Wegmarken und Wahrzeichen globaler Ansprüche stellte Chan Sook Choi einen Zusammenhang zwischen den grundlegenden Funktionen beider Orte, dem Sammeln von materiellen und dem Sammeln von immateriellen Gütern, fest – einen Zusammenhang von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit: Der sichtbar dokumentierten Verdrängung menschlichen Lebens für die Inbesitznahme von „Erde“ steht die Vorstellung visuell nicht messbarer Teilchen und Wellen gegenüber, die mit Informationen und enormer Energie geladen sind.

So sind es grundsätzliche Fragen, die Chan Sook Choi in „qbit to adam I, adam“ auswirft: Ist es nicht so, dass, sobald ein Mensch stirbt, sein Körper sich in Partikel verwandelt, von denen die meisten Teil des Irdischen, zu Erde werden? Wie kann es dann sein, dass etwas wie der Besitz an Grund und Boden existiert? Wer hat das Eigentumsrecht an Körpern, die zu Erde wurden? Und wie können wir die Daten der Erde sehen, die unsichtbaren Erinnerungen, die ihr eingeschrieben sind? Wie können wir mit diesem Material kommunizieren? Wie visualisiert man Wellen, die durch die Bewegung der Verdrängten entstehen, verdrängt durch die Wegmarken, die das Eigentumsprinzip überall auf der Welt entstehen lässt? Text Martin Conrads

qbit to adam I, adam – Chan Sook Choi

Datum: noch bis zum 16.04.2021

Kang Contemporary

Beitragsbild: @Chan Sook Choi

Veröffentlicht am: 26.02.2021 | Kategorie: Ausstellungen, Top 3,

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