„Traurige Topoi“ lädt zum Künstlergespräch bei Friese am 11.8., RSVP

„Traurige Topoi" Michael Wutz Galerie Friese

Künstlergespräch in der Ausstellung „Traurige Topoi“ – Michael Wutz im Gespräch mit Simone Sondermann & Christian Malycha am Dienstag, 11. August 2020 um 17.30 Uhr in der Galerie Friese Berlin, nur mit Anmeldung.

Michael Wutz wird in seiner aktuellen Ausstellung „Traurige Topoi“ von Kurator und Kunstwissenschaftler Christian Malycha und der Journalistin und Textchefin der Weltkunst, Simone Sondermann, interviewt. Wer dabei sein möchte, melde sich bitte zuvor in der Galerie Friese an: rsvp via akw@galeriefriese.de.

Michael Wutz präsentiert hier erstmals seine neue, aus 43 Arbeiten bestehende Radierungsmappe „Schwarzes Heft“, die sich mit der Archäologie unter der Voraussetzung des Nationalsozialismus beschäftigt.

Einen weiteren wichtigen Bereich der Ausstellung bildet ein Raum mit drei großformatigen Radierungen um „Germania“ und den „Lichtdom“, die sich mit Alberts Speers Architektur und Stadtplanung in der NS-Zeit kritisch auseinandersetzen. Ein umfangreicher Komplex jüngst entstandener Aquarelle, übermalter Radierungen und Collagen lässt noch tiefer in den Kosmos des Künstlers eintauchen. Fragestellungen des druckgrafischen Werkes und der „Fälschung“ im mehrfachen Sinne sowie Geschichte und Wissenschaft werden in dem Künstlergespräch eine wichtige Rolle spielen.

Die Einzelausstellung “Traurige Topoi” mit neuen Arbeiten von Michael Wutz kann in der Galerie Friese bis zum 29. August 2020 von Montag bis Samstag jeweils von 11 bis 18 Uhr besucht werden.

Traurige Topoi – mit diesem Ausstellungstitel spielt der 1979 geborene Künstler Michael Wutz auf Claude Lévi-Strauss’ strukturalistische Programmschrift Traurige Tropen an. In der Galerie Friese präsentiert er eine erstmalige Zusammenschau seiner seit über zehn Jahren andauernden kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.
Kernstück der Ausstellung bildet die gerade vollendete Radierungsmappe „Ossa Loquuntur“ – bestehend aus 43 Blättern, die den wissenschaftlichen Nachlass eines fiktiven Archäologen dieser Zeit konstruiert. Sich den forschenden Arbeitsprozess aneignend, legt der Künstler offen, wie im Nationalsozialismus „wissenschaftliche Erkenntnis“ durch den Mythos ersetzt wurde. Zugleich verweben sich die dargestellten archäologischen Fundstücke mit Wutz’ eigenem über die Jahre entwickelten motivischem Repertoire der Totenschädel und Faustkeile und weisen auf den Fetischcharakter des Artefakts hin.
Dieses Thema ergründet in anderer Weise auch Wutz’ Werkkomplex „Germania“, in dem er virtuos die Grenzen verschiedener Radierungstechniken ausreizt. In der dreiteiligen Werkgruppe überlagert Wutz Hitlers und Speers megalomanische Architekturutopie mit analogen Aufklärungsfotos vom bald bombenzerstörten Berlin zu einer homogenen Stadtstruktur. Unter Bezug auf Piranesis archäologische und gleichzeitig phantastische Topografien des antiken Roms, spiegelt sich in dem von Wutz konstruierten Anachronismus die Widersprüchlichkeit kollektiver Erinnerung und Verdrängung.
Fortgesetzt wird diese Serie mit zwei neuen Radierungen zum „Lichtdom“ von Albert Speer, die nahezu unbekannte Aspekte dessen Inszenierung ins Zentrum rücken und die Architektur malerisch ins Abstrakte auflösen.
Ein umfangreicher Komplex von Aquarellen, übermalten Radierungen und Collagen lässt noch tiefer in den Kosmos des Künstlers eintauchen und weitet die Fragestellungen des druckgraphischen Werkes aus. Darstellungen von Echokammern, anatomischen Landschaften, wissenschaftlichen Vorlesungen und medizinischen Illustrationen kollidieren mit Bühnenensembles von Platon bis Lacan.
Voller Spiegelungen und Projektionen, Transparenzen und Undurchsichtigkeiten erzählen Michael Wutz’ Werke die Geschichte des Nationalsozialismus so leise wie eindringlich.

Bild: Installationsansicht Michael Wutz | Traurige Topoi (von links nach rechts) Ohne Titel, 2019 | Germania III, 2018 | Ohne Titel, 2020. Foto: Eric Tschernow © Galerie Friese 2020

Veröffentlicht am: 10.08.2020 | Kategorie: Kunst - was sonst noch passiert,

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