UNCOVER: Ostdeutsche Künstler:innen im Fokus im B-Part am Gleisdreieck

Gemälde Juvenil von Vivien Schlecht, Porträt einer jungen Frau, Ausstellung UNCOVER B-Part Berlin

UNCOVER im B-Part am Gleisdreieck: Women in Arts and Media e. V. holt ab dem 7. November 2026 sechs Künstler:innen aus Ostdeutschland ins Rampenlicht, von der 1939 geborenen ältesten bis zur 1992 geborenen jüngsten Position. Die Schau bei loop in Berlin fragt, wessen Biografien in der gesamtdeutschen Kunstgeschichte sichtbar werden, und verknüpft dafür Ausstellung, digitalen 3D-Raum und Podcast.

UNCOVER im B-Part Berlin: Ostdeutsche Kunstbiografien

Mit UNCOVER startet Women in Arts and Media e. V. ein interdisziplinäres Ausstellungsprojekt zu Künstler:innen aus Ostdeutschland. Im Zentrum steht eine Leerstelle in der Wahrnehmung ostdeutscher Kunst: Viele Künstler:innen, die in der DDR geboren und sozialisiert wurden oder nach 1989/90 in Ostdeutschland aufgewachsen sind, bleiben bis heute über regionale Kontexte hinaus wenig sichtbar. Die Ausstellungsreihe UNCOVER wird kontinuierlich um weitere Künstler:innen erweitert und mit Ausstellungen an wechselnden Orten in Ost- und Westdeutschland fortgeführt.

„Mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ist die Frage, welche ostdeutschen Künstler:innen in der gesamtdeutschen Kunstgeschichte sichtbar werden, weiterhin offen. UNCOVER setzt hier an und verbindet den historischen Einschnitt von 1989/90 mit gegenwärtigen Fragen von Kanon, Anerkennung und Zugang.“
Kerstin Lorenz und Nadja Schütt, Organisatorinnen der Ausstellung

Herkunft und Geschlecht bilden die kuratorische Klammer von UNCOVER – auch dann, wenn sie sich nicht unmittelbar in den Werken abbilden. die Ausstellung zeigt künstlerische Positionen, die von strukturellen Ausschlüssen, Beharrlichkeit und Selbstbehauptung erzählen: in der DDR ebenso wie nach 1989/90 und bis in die Gegenwart.

Sechs Künstler:innen, drei Generationen

Gezeigt werden Arbeiten von Gerda Lepke, Barbara Toch, Karin Hunger, Nadja Schütt, Tobia König und Vivien Schlecht. Die älteste beteiligte Künstler:in wurde 1939 geboren, die jüngste 1992. Damit begegnen sich Künstler:innen aus mehreren Generationen: mit Laufbahnen, die in der DDR begannen, mit Biografien, die von der Transformationszeit nach 1989/90 geprägt wurden, und mit jüngeren künstlerischen Wegen, die nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland entstanden sind.

Aus diesen Lebenswegen entsteht ein vielschichtiges Panorama ostdeutscher Kunstbiografien: von Kriegs- und Nachkriegszeit über DDR und Umbruch bis in die Nachwendezeit und Gegenwart. UNCOVER legt den Fokus darauf, wie die Künstler:innen von Ausschlusserfahrungen, institutionellen Begrenzungen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt wurden – und mit welchen Formen der Selbstbehauptung sie darauf reagierten.

Im Mittelpunkt stehen komplexe Lebensläufe und künstlerische Wege: das Arbeiten jenseits politischer Vereinnahmung, die Suche nach eigenen Ausdrucksformen, das Weiterarbeiten trotz Geldnot, Brotjobs und Care-Arbeit sowie die Selbstbehauptung in einem Kunstbetrieb, in dem Zugang, Anerkennung und Sichtbarkeit lange ungleich verteilt waren. In den Arbeiten wird das auf sehr unterschiedliche Weise sichtbar – in Malerei, Grafik, Installation, Objekt, Materialexperimenten, Körperbildern, Räumen und fragmentierten Formen.

UNCOVER verzichtet bewusst auf einfache Zuschreibungen wie „angepasst“ oder „rebellisch“ und reduziert die vorgestellten Kunstbiografien nicht nur auf DDR-Erfahrungen.

Nach 1989/90: Neue Freiheiten, neue Unsicherheiten

Nach 1989/90 trafen neue Freiheiten auf neue Unsicherheiten: Netzwerke brachen weg, der Kunstmarkt orientierte sich stark nach Westen, viele ostdeutsche Biografien blieben in Kanon und Öffentlichkeit unterrepräsentiert. UNCOVER rückt deshalb die Bedingungen künstlerischen Arbeitens in den Blick: Zugang zu Ausbildung, Ateliers, Ausstellungen, Netzwerken und Öffentlichkeit ebenso wie Fragen von Familie, Geld, Care-Arbeit und Anerkennung.

Die Eröffnung am 6. November, wenige Tage vor dem Jahrestag des Mauerfalls am 9. November, setzt dafür einen zeithistorischen Rahmen. UNCOVER blickt nicht nur auf 1989 zurück, sondern auf die langfristigen Folgen von Teilung, Umbruch und Transformation: Welche Werke und Biografien werden Teil der gesamtdeutschen Kunstgeschichte? Welche bleiben regional verortet, obwohl sie überregionale Aufmerksamkeit verdienen?

Digitale Ausstellung, analoge Schau und Podcast

Zum Projekt gehören drei eng miteinander verbundene Formate: eine digitale 3D-Ausstellung als Herzstück von UNCOVER, eine analoge Ausstellung im B-Part Exhibition am Gleisdreieck (hosted by loop – raum für aktuelle kunst) sowie eine Podcastreihe. Die digitale Ausstellung macht Werke und Biografien ortsunabhängig zugänglich, die analoge Ausstellung bringt ausgewählte Arbeiten im Raum zusammen und die Podcastreihe ergänzt die künstlerischen Positionen um Stimmen, Erinnerungen und zeithistorische Einordnung.

UNCOVER ist als langfristig wachsendes Format angelegt: Die digitale Ausstellung und Podcastreihe sollen fortlaufend um weitere Künstler:innen ergänzt und mit analogen Ausstellungen an wechselnden Orten in Ost- und Westdeutschland verbunden werden.

Künstler:innen: Gerda Lepke, Barbara Toch, Karin Hunger, Nadja Schütt, Tobia König, Vivien Schlecht
Organisatorinnen: Kerstin Lorenz und Nadja Schütt

UNCOVER
Eröffnung: Freitag, 6. November 2026
Ausstellungsdauer: 7. November bis 5. Dezember 2026
Gesprächsabend „Zwischen den Generationen. Ostdeutsche Künstler:innen im Gespräch“: Freitag, 20. November 2026, 18 Uhr
B-Part Exhibition am Gleisdreieck (hosted by loop – raum für aktuelle kunst), Luckenwalder Str. 6b, 10963 Berlin
Mi–Sa 14–18 Uhr, Eintritt frei

Mehr zu UNCOVER im B-Part Berlin und zum Verein findest Du auf womeninartsandmedia.de.

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