Abdoulaye Konaté bei Blain|Southern

ABDOULAYE KONATÉ

Mit Useful Dreams präsentiert Blain|Southern Berlin eine umfassende Bestandsaufnahme der Arbeit des malischen Künstlers Abdoulaye Konaté. Neben neun neuen Werken, die eigens für diese Ausstellung konzipiert wurden, umfasst Useful Dreams Werke aus den 90er Jahren bis heute.

Abdoulaye Konaté gilt als einer der bedeutendsten Künstler seiner Generation

Konaté gilt als einer der bedeutendsten Künstler seiner Generation und ist für seine großflächigen, figurativ-symbolsprachlichen Kompositionen bekannt.

Seine Textilinstallationen setzen sich mit gesellschaftspolitischen und umweltbezogenen Themen auseinander, deren Relevanz weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinausgeht. Gesellschaftliche Spannungen, militärische Konflikte, Glaube und Globalisierung werden hier ebenso zum Gegenstand kritischer Betrachtung und semiotischer Dekonstruktion, wie Fragen von Macht und Herrschaft, ökologischer Veränderungen oder die Herausforderungen der Aids-Epidemie. Mit der Verwendung von für Mali typischer Materialien, insbesondere der gewebten und gefärbten Tücher, die handbestickt und zusammengenäht wurden, knüpft Konaté an die westafrikanische Tradition des Gebrauchs von Textilien als eine Form von Kommunikation und Gedenken an.

Sein Verweis auf diese regionale Kulturtechnik wird im Endeffekt auf raffinierte Art und Weise neu ausgerichtet, um innerhalb eines größeren geopolitischen Rahmens zu fungieren. Das Material wird dabei zum Mittler zwischen lokalen und globalen Strukturen.

Die verheerenden Auswirkungen von Aids werden zum Thema von “Lutte contre le Sida”

Eine der früheren Arbeiten der Ausstellung, Lutte contre le Sida aus dem Jahr 1995, beschäftigt sich mit den verheerenden Auswirkungen von AIDS. Die Installation besteht aus einer Hängetextilarbeit mit der schemenhaften Darstellung eines stehenden Mannes und einem realen Koffer, auf dem Abbildungen menschlicher Fortpflanzungsorgane zu sehen sind. Konaté hat sich wiederholt mit diesem Thema befasst, so auch bei seinem monumentalen 6000qm-Patchwork im Stadion von Bamako zur Eröffnung der Fußball-Afrikameisterschaft 2002.

Fußball in symbolischer Darstellung

Aus der gleichen Schaffensphase stammt die größere Textilarbeit Hommage aux arbitres (2005). Sie rückt den Fußball in symbolischer Darstellung in den Fokus, um globale gesellschaftliche Verhältnisse anhand universeller Aktivitäten und Gepflogenheiten zu hinterfragen; insbesondere im Hinblick auf die Art und Weise wie Staaten mittels ihrer kulturellen Strukturen kommunizieren. Fußball steht hoch im Kurs und ist allgegenwärtig. In Westafrika ist der Sport – von den rudimentären Spielen der Kinder auf den Straßen, bis hin zu den Zahlungen hoher Beträge von Regierungsbehörden an Nationalmannschaften, um sich Popularität und politische Vorteile zu sichern – gesellschaftlich sehr stark verankert.

Vier weiße, mit Blutflecken versehene Laken

Desweiteren sind neben der großen Installation Bosnia, Rwanda, Angola auch die facettenreichen Werke Gris-Gris Blancs und Danse au CAMM/BFK in der Ausstellung vertreten. Bosnia, Rwanda, Angola (1995-96) zeigt vier weiße, mit Blutflecken versehene Laken, die nebeneinander an der Wand befestigt sind.

Auf dem Boden davor: ein Flickenteppich aus getragenen Kleidungsstücken, der die fatalen Tragödien infolge verschiedener Völkermorde aus der ganzen Welt nicht nur illustriert, sondern auch vermenschlicht. In Gris-Gris Blancs (2013) nimmt Konaté Bezug auf die traditionelle westafrikanische Jagdtunika, mit ihren aufgenähten Amuletten, denen symbolisch Schutzeigenschaften und Fruchtbarkeit nachgesagt werden. Konaté hat das traditionelle Kleidungsstück hier in einer minimalistischen Wandarbeit neu formatiert. Danse au CAMM/BFK (2008) ist Teil einer Serie, bei der sich in den abgebildeten Figuren gestische Aspekte zeitgenössischen Tanzes mit Motiven aus traditionellen Ritualtänzen vermischen. Ähnliche Figuren des Künstlers sind auch auf der Fassade des Foyer du Murier in Paris zu finden.

Von der figürlichen Darstellungen hin zu einer mehr locker-abstrakten Form

Abdoulaye Konaté neuere Werke folgen einer Verlagerung seiner figürlichen Darstellungen hin zu einer mehr locker-abstrakten Form. Im Diptychon Croix de lumière – Croix de sang (2010), sind unzählige Streifen monoton grauer Baumwolle mit aufblitzenden Elementen von roter und weißer Farbe durchsetzt, die jeweils ein Kreuzsymbol ergeben.

Es geht dem Künstler hier um die Rolle der Religionen, um auferlegte hierarchische Machtstrukturen durch theistische Lehren. Die Verwendung der drei traditionellen Komo Farben Weiß, Rot und Schwarz ist eine Anlehnung an die kosmologische Ordnung des Universums nach malischer Lesart – Rot, steht für Blut und Feuer; Weiß für Licht, Wahrheit und Luft und Schwarz für die Rätselhaftigkeit rund um die Entstehung des Lebens, für Erde und Wasser. Homogene westliche Erzählungen werden neu formuliert, kulturelle Eigenheiten und globale Systeme sitzen dabei Seite an Seite.

Zur Ausstellung erscheint ein bebilderter Katalog mit Textbeiträgen der Kuratorin der Ausstellung Koyo Kouoh und dem Autor und Kurator Roger M. Buergel.

Abdoulaye Konaté

Abdoulaye Konaté wurde 1953 in Diré, Mali geboren. Er lebt und arbeitet in Bamako als Künstler und als Direktor des dortigen Konservatoriums für Kunst und Medien. Konaté studierte Malerei am Institut National des Arts (INA) in Bamako und später am Instituto Superior de Arte in Havanna, wo er sieben Jahre lebte bevor er nach Mali zurückkehrte. Seine Arbeiten wurden weltweit in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Zu den wichtigsten Gruppenausstellungen zählen die documenta 12 in Kassel (2007); die Wanderausstellung Afrika Remix (2004-2007), unter anderem im Centre Pompidou (Paris) und der Hayward Gallery (London); und in jüngerer Zeit, Die Göttliche Komödie. Himmel, Hölle, Fegefeuer aus Sicht afrikanischer Gegenwartskünstler im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt (2014). 2008 wurde Konaté für den Artes Mundi Preis in Cardiff nominiert. Er hat mehrere Auszeichnungen, darunter den prestigeträchtigen Léopold Sédar Senghor Preis auf der Dak’Art Biennale in Dakar (1996) erhalten und wurde als Officier de l’Ordre National du Mali (2009) und Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres de France (2002) geehrt.

Über die Kuratorin Koyo Kouoh

Die Kuratorin und Kulturproduzentin Koyo Kouoh stammt aus Kamerun und lebt in Dakar. Sie ist Kuratorin von FORUM, des Bildungsprogramms der Londoner Messe für Zeitgenössische afrikanische Kunst 1:54, sowie Mitbegründerin und künstlerische Leiterin der RAW Material Company im Senegal, wo sie ein nachhaltiges kritisches Ausstellungs-, Aufenthalts- und wissenschaftliches Programm betreut. Kouoh hat weltweit zahlreiche Ausstellungen kuratiert und gibt Vorträge über zeitgenössische Kunst aus afrikanischer Perspektive. Sie war als kuratorische Beraterin für die documenta 12 und 13 tätig und war Mitglied der Jury für den goldenen Löwen bei der 50. Biennale in Venedig.

ABDOULAYE KONATÉ
USEFUL DREAMS

Kuratiert von Koyo Kouoh

Blain|Southern

Potsdamer Straße 77–87
10785 Berlin
7. Februar –18. April 2015

Veröffentlicht am: 19.01.2015 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst, | Tag: Blain, Southern,

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