Leise knirscht die Rüstung, farbiges Glas spiegelt Licht auf verletzliche Haut – ein moderner Ritter hält inne an der Kreuzung zwischen Heimat und Exil. In The Knight at the Crossroads wirft David Apakidze einen zwingenden, poetischen Blick auf queeres Leben in Georgien: Entscheidung, Flucht, Identität – und die Frage, was bleibt, wenn nichts mehr sicher ist. Seine neue Installation bei KVOST wird nicht nur Ausstellung, sie ist Stimme, Frage und Bild zugleich.
KVOST präsentiert im Rahmen der Berlin Art Week den georgischen Künstler David Apakidze (*1998). Apakidze ist der diesjährige Stipendiat von KVOST und erhält den Claus Michaletz Preis – Claus Michaletz Preis – KVOST 2025. In seinen Arbeiten verbindet Apakidze künstlerischen Ausdruck mit politischem Aktivismus und rückt dabei queere Perspektiven in den Mittelpunkt. In einer Zeit, in der die Rechte queerer Menschen in Georgien massiv bedroht sind, ist Apakidze eine wichtige Stimme in der Region.
Im KVOST präsentiert der Künstler die neue Installation The Knight at the Crossroads. Im Zentrum der Erzählung steht ein queerer Migrant, der als moderner Ritter dargestellt wird. In alten Erzählungen ist der Scheideweg ein Ort, an dem ein Held zwischen verschiedenen Wegen wählen muss. Die Ausstellung greift dieses Motiv auf, setzt den Moment der Entscheidung jedoch in einen modernen, dystopischen Kontext, in dem der Ausgang ungewiss bleibt. Anders als der traditionelle Held, der siegreich zurückkehrt, ist dieser Ritter in ständiger Bewegung und Entwurzelung gefangen. Für seine verletzliche Rüstung steht beispielhaft ein Motorradhelm mit einem Visier aus traditionellem Buntglas.
Die Arbeit spiegelt die Erfahrungen vieler queerer Menschen wider, die aufgrund zunehmender Homophobie und politischer Gewalt gezwungen sind, ihr Land auf der Suche nach Sicherheit zu verlassen.
„Die Ausstellung The Knight at the Crossroads ist meinen Freund:innen gewidmet, die Georgien verlassen haben, ebenso wie denen, die noch dort leben. In den letzten Jahren hat die Auswanderung queerer Menschen aus Georgien in westliche Länder aufgrund der politischen Lage deutlich zugenommen. Die Ausstellung trägt autobiografische Züge: Eines Tages ließ ich von einer KI ein Bild von mir erstellen – ich trage eine Rüstung, halte eine queere Flagge in der Hand, im Hintergrund erheben sich die georgischen Berge. In dieser Inszenierung verkörpere ich den queeren Ritter Georgiens.“
— David Apakidze
Apakidze wurde in Poti geboren und lebt in Tbilissi, Georgien. Er ist bildender Künstler, Kurator und Mitbegründer des Fungus Project – einer der ersten queeren Kunstplattformen im Kaukasus. Apakidze studierte Kunstgeschichte an der Staatlichen Kunstakademie Tbilissi, wobei insbesondere die Auseinandersetzung mit mittelalterlicher orthodoxer Kunst seine künstlerische Perspektive nachhaltig prägte.
Seine Arbeiten waren unter anderem 2024 in der Galeria Zachęta, Warschau (PL), sowie im Art House Gorgi (GEO) zu sehen; 2023 in der National Gallery, Tbilissi (GEO), und beim Open Out Festival, Tromsø (NOR). 2025 absolvierte Apakidze eine Künstlerresidenz in der Prager MeetFactory (CZE).
DAVID APAKIDZE – The Knight at the Crossroads
11. September – 29. November 2025


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