Ida Gerhardi – Und alles tanzte

Ida Gerhardi Kollwitz-Museum: Gemälde eines Pariser Tanzlokals in Blau- und Violetttönen mit tanzenden Paaren, um 1905

Ida Gerhardi im Kollwitz-Museum: Um 1900 ging sie dorthin, wo Frauen nichts verloren hatten, in die Tanzsäle und Nachtcafés von Paris. Was sie dort sah, brachte vor ihr keine Malerin auf die Leinwand. Rund 40 Arbeiten holen eine der eigenwilligsten Malerinnen der Moderne zurück ans Licht.

Ida Gerhardi im Kollwitz-Museum: die vergessene Malerin der Pariser Nächte

Die Malerin Ida Gerhardi (1862-1927) gehört zu den Künstlerinnen, deren Erfolge und Bedeutung in ihrer Zeit heute fast vergessen sind. Nach ihrem Studium an der Künstlerinnenschule in München lebte Gerhardi seit 1891 in Paris und konnte sich dort als deutsche Künstlerin durchsetzen. Sie erarbeitete sich einen Ruf als Porträtistin und Netzwerkerin, die auch Kontakte und Ausstellungsmöglichkeiten an Künstlerkollegen in Paris und andernorts vermittelte. Sie war mit bedeutenden Kunstsammlern wie Karl Ernst Osthaus bekannt, war Mitglied der Berliner Secession und des Deutschen Künstlerbundes und Mitbegründerin des Deutschen Lyceum-Clubs. 1913 musste Ida Gerhardi auf Grund einer Krankheit Paris verlassen und in das heimatliche Lüdenscheid zurückkehren. Ihre künstlerische Tätigkeit konnte sie nur noch eingeschränkt fortsetzen.

Tanzbilder, Nachtlokale und ein Blick, den vor ihr keine hatte

Die Ausstellung im Kollwitz-Museum widmet sich der Pariser Zeit von Ida Gerhardi und hier besonders ihren expressiven Tanzbildern und Darstellungen aus dem Nachtleben von Paris, aber auch ihren eindrücklichen Selbstbildnissen. Gerhardi flanierte allein durch Paris, sie besuchte allein Tanzlokale, beides zur damaligen Zeit mehr als ungewöhnlich für eine Frau. Und sie beschäftigte sich ab 1903 künstlerisch mit diesen Szenerien. In der Kunstgeschichte ist sie damit eine Pionierin, denn keine Frau vor ihr malte diese Sujets.

Käthe Kollwitz und eine Freundschaft aus Pariser Nächten

Bei ihren Streifzügen durch die Kneipen und Spelunken hatte Käthe Kollwitz sie 1904, während ihres zweimonatigen Paris-Aufenthalts, zusammen mit dem Kunsthändler Wilhelm Uhde (1874-1947) begleitet. In dieser Zeit entstand zwischen den beiden Künstlerinnen eine große Zuneigung, die sich zu einer über die räumliche Distanz gepflegten Freundschaft entwickelte. Im Motiv der Selbstbildnisse begegneten sich die beiden Frauen auch künstlerisch. Daher ist es für das Berliner Kollwitz-Museum ein Bedürfnis, diese Künstlerin-Kollegin von Käthe Kollwitz in einer Ausstellung zu würdigen.

Zwei Anläufe, ein langer Weg nach Berlin

Bereits vor sechs Jahren, noch am alten Standort des Museums, gab es Versuche zu einer Ausstellung mit dem Titel „Ida Gerhardi – Und alles tanzte“. Leider unterband die Corona-Pandemie zwei Anläufe, diese Präsentation im Berliner Käthe-Kollwitz-Museum zu zeigen. Erst nach dem Umzug in den Theaterbau und dem Abschluss aller Baumaßnahmen konnte diese lang geplante Ausstellung endlich realisiert werden.

Es ist nach 25 Jahren die erste Ausstellung der Künstlerin in Berlin. Damals hatte sich das inzwischen aufgelöste Verborgene Museum diesem vergessenen Werk gewidmet. Gezeigt werden ca. 40 Gemälde und Zeichnungen von Ida Gerhardi vorwiegend aus ihrer Pariser Zeit um 1905.

Eröffnung zur Langen Nacht der Museen

Die Eröffnung findet am Samstag, den 29. August um 17:00 Uhr im Rahmen der Langen Nacht der Museen statt.

Ida Gerhardi – Und alles tanzte

30. August bis 1. November 2026

KÄTHE-KOLLWITZ-MUSEUM BERLIN

Alle Öffnungszeiten und das Begleitprogramm zu Ida Gerhardi im Kollwitz-Museum findest Du auf der Website des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin.

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