STEINE: Kai Schiemenz stellt aus in der Galerie EIGEN + ART

STEINE Kai Schiemenz stellt aus in der Galerie EIGEN + ART

Wahrscheinlich war es nur eine Frage der Zeit, wann Kai Schiemenz, der ausgebildete Steinmetz, zum Stein zurückfinden würde – wenigstens in seinem Ausstellungsmotto STEINE. Allerdings löst er dieses verbale Versprechen nicht „eins zu eins“ ein.

Behauene Blöcke sucht man hier vergeblich. Blicken wir jedoch kurz zurück auf Schiemenz’ große und kleine Formkomposite aus mehrfarbigem Styropor (2015/16). Umkreisten diese nicht auch stets die Problematik der Steinbildhauerei? Jene schnellen, fast skizzenhaften Konstruktionen, Stelen und Säulen erscheinen wie spielerische Repliken auf die traditionelle Langsamkeit des Arbeitens in Stein, auf dessen würdevollen Gestus und auf endgültige Formentscheidungen. Nichts ist dort in Stein gemeißelt. Insofern untergraben die Schaumstoffgebilde nonchalant die Autorität des Steins in Kunst und Architektur.

Aber vorwärts in die Gegenwart: In dem Maße, wie Schiemenz derlei Leichtobjekte nicht nur autonom aufführte, sondern sie auch als Gussmodelle für seine neueren Glasobjekte verwendete – als Übergangskörper sozusagen, – in genau dem Maße muss er wiederum über den Stein als Auslöser von Skulptur nachgedacht haben. Mit Bedacht schreibe ich „Auslöser“, denn wir sehen ja immer noch keine Steinbildwerke in der aktuellen Präsentation – sondern eine Vielzahl anderer Materialien: Keramik, Aluminium, Holz und natürlich Glas. Überwiegend opake Glaskörper verschiedener Färbung. In seiner stofflichen Kompaktheit steht das Glas dem Stein hier erkennbar am Nächsten. Damit nicht genug, es handelt sich um in Glas gegossene Nachbilder von bearbeiteten Steinen. Allein die Übersetzung der Form von der einen Substanz in die andere bezeugt eine gestalterisch wie technisch anspruchsvolle Leistung, dazu die Freude am Handwerklichen. Doch ebenso spannend ist die intellektuelle Dimension dieser Entscheidung. Denn üblicherweise steht das, wie auch immer ausgeformte Material Stein am Ende einer Schöpfungskette; nach Zeichnung, Ton- oder Gipsmodell. Bei Schiemenz’ derzeitigen Werken allerdings ist der Stein ebenfalls ein Übergangskörper und nicht die abschließende künstlerische Aussage.

Kai Schiemenz’ Leidenschaft gilt zunächst den Materialprozessen, den noch nicht erprobten Verwandlungen – also dem jeweiligen Verfahren selbst und erst dann dem möglichen Resultat. Ein wahrer Alchimist verschafft sich Zugang durch die Hintertür.

STEINE

24. November 2016 – 7. Januar 2017

Galerie EIGEN + ART

Auguststraße 26
10117 Berlin

Veröffentlicht am: 07.12.2016 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst, | Tag: Galerie EIGEN + ART, Kai Schiemenz, STEINE,

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