Als die Nationalgalerie 1876 eröffnete, war sie ein Haus für die Kunst ihrer Gegenwart. Zum 150. Jubiläum kehrt die Gegenwart zurück: In der Alten Nationalgalerie stehen Gursky, Lucas, Miró und Warhol plötzlich neben Menzel, Cézanne und Sabine Lepsius. Warhols Schuhe funkeln neben einem Stillleben, und das Eisenwalzwerk bekommt Gesellschaft von der Börse.
Die Alte Nationalgalerie ist ein Haus, in dem die Zeit langsamer zu vergehen scheint: Säulen, Goldrahmen, gedämpftes Licht über Menzel und Caspar David Friedrich. Zum 150. Geburtstag öffnet sich diese stille Welt einen Spalt breit für die Gegenwart, und plötzlich stehen Gäste in den Sälen, die hier niemand erwartet hätte. Warhols funkelnde Schuhe neben einem Stillleben von Cézanne, Sarah Lucas mit Zigarette gegenüber der Malerin Sabine Lepsius, Gurskys flirrende Börse neben der Glut von Menzels Eisenwalzwerk. Das sind keine Provokationen, sondern Gespräche. Sie zeigen, dass die Fragen der Kunst älter sind als jede Epoche: Wie zeige ich mich? Was ist Arbeit wert? Wie viel Farbe braucht ein Ding? „Über Zeiten“ lädt Dich ein, langsam zu gehen und genau hinzusehen.
Gursky, Lucas, Miró, Warhol: „Über Zeiten“ in der Alten Nationalgalerie
Zum 150-jährigen Jubiläum der Alten Nationalgalerie bringt die Sonderpräsentation „Über Zeiten“ Werke des langen 19. und späten 20. Jahrhunderts miteinander ins Gespräch. In zehn Räumen auf allen drei Etagen des Hauses treffen unter anderem Andreas Gursky, Sarah Lucas, Joan Miró und Andy Warhol auf die Kunst des 19. Jahrhunderts. Ungewöhnliche Gegenüberstellungen eröffnen neue Blicke auf vertraute Werke und fragen danach, was Kunst ist und sein kann.
Als die Nationalgalerie 1876 auf der Museumsinsel Berlin eröffnet wurde, war sie ein Haus für zeitgenössische Kunst. Heute ist die Alte Nationalgalerie das Stammhaus der Nationalgalerie und widmet sich der Kunst des langen 19. Jahrhunderts. Alle inzwischen sechs Häuser der Nationalgalerie verbindet ein gemeinsam geführter Bestand, der vom späten 18. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart reicht. „Über Zeiten“ macht dieses Kontinuum entlang von ausgewählten Positionen innerhalb der historischen Sammlungspräsentation sichtbar und lädt zum vergleichenden, assoziativen Schauen ein.
Dialoge über Epochen und Gattungen hinweg
Stillleben, Selbstbildnisse und Porträts, Abstraktion und Gegenständlichkeit, Malerei, Fotografie und Skulptur begegnen einander in überraschenden Konstellationen. Gotthard Graubners (1930-2013) intensive Farbraumkörper treffen auf neue Wahrnehmungsformen des Impressionismus und Postimpressionismus. Die Begegnung von Andy Warhols (1928-1987) „Diamond Dust Shoes“ mit einem Stillleben Paul Cézannes (1839-1906) zeigt, wie das Genre über mehr als ein Jahrhundert hinweg zum Experimentierfeld für das Zusammenspiel von Form, Farbe und Fläche wird.
Auch Selbstentwürfe und gesellschaftliche Rollenbilder spiegeln sich über die Zeiten hinweg: Dem Selbstbildnis der Malerin Sabine Lepsius (1864–1942), die sich in einem von Männern dominierten Kunstbetrieb behaupten musste, steht ein fotografisches Selbstbildnis der britischen Gegenwartskünstlerin Sarah Lucas (*1962) gegenüber. In einer lässigen, männlich konnotierten Pose blickt Lucas rauchend und trotzig an der Kamera vorbei.
Ein weiterer Dialog verbindet Adolph Menzels epochales „Eisenwalzwerk (Moderne Cyclopen)“ (1872–1875) mit Andreas Gurskys (*1955) „Singapore Bourse II“ (1997). Die Malerei des Realismus trifft hier auf ein verdichtetes künstlerisches Bild der Börsenwirklichkeit. In sehr unterschiedlicher Form nehmen beide Werke Arbeitswelten, ökonomische Prozesse und die Möglichkeiten ihrer künstlerischen Darstellung in den Blick.
Die Ausstellung erstreckt sich punktuell über alle drei Etagen der Alten Nationalgalerie. Ein begleitender Audioguide vertieft die epochenübergreifenden Beziehungen: Künstler*innen, Direktor*innen, Sammler*innen und Restaurator*innen stellen ausgewählte Werkdialoge vor.
Eine Sonderpräsentation der Alten Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, ermöglicht durch die FREUNDE der Nationalgalerie und großzügig unterstützt durch die Eva Leinemann Kunststiftung.
Gursky, Lucas, Miró, Warhol: Über Zeiten
Laufzeit: 22. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027
Ort: Alte Nationalgalerie, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin
Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen
Eintritt: 16 Euro, ermäßigt 8 Euro
Mehr zur Sonderpräsentation findest Du direkt bei den Staatlichen Museen zu Berlin.


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