Der absolute Tanz – Georg Kolbe Museum

Der absolute Tanz begibt sich auf die Spuren elf bemerkenswerter Bewegungskünstlerinnen, deren Strahlkraft weit über ihren direkten Wirkungskontext im Berlin der 1920er-Jahre hinausgeht. Besonderes Augenmerk gilt dem einst so vitalen Dialog der Disziplinen Tanz und Skulptur, den die Schau wiederbelebt, indem sie die vielfältigen Errungenschaften ihrer Protagonistinnen mit aktuellen Werken der Künstlerin Ulla von Brandenburg in Beziehung setzt.

Mit expressiven Bewegungen, extravaganten Erscheinungsbildern und expliziten Vorstellungen von der eigenen Rolle in einer sich rasant wandelnden Welt sprengten Tänzerinnen wie Claire Bauroff, Celly de Rheidt, Anita Berber und Vera Skoronel in 1920er-Jahren die gesellschaftlichen Konventionen und Klischees ihrer Zeit. Sich traditionellen Erwartungshaltungen vehement wiedersetzend zogen sie als Pionierinnen eines radikal neuen Selbstverständnisses Blicke auf sich, machten mit exzentrischen Rollen in Avantgardestücken von sich Reden und experimentierten mit Ausdrucksmöglichkeiten zwischen Mimik, Tanz, Sprache und Laut.

Schülerinnen der Tanzschule Skoronel in Berlin (Tanzgruppe Skoronel-Trümpy) © Staatliche Museen zu Berlin
Schülerinnen der Tanzschule Skoronel in Berlin (Tanzgruppe Skoronel-Trümpy) © Staatliche Museen zu Berlin

Das neu eingeführte Frauenwahlrecht der frühen Weimarer Demokratie führte allgemein zu mehr Souveränität unter den Frauen. Während immer mehr Weimarer Bürgerinnen von den Möglichkeiten Gebrauch machten, die vorangegangenen Generationen verwehrt geblieben waren, wurden jedoch gerade die Tänzerinnen dieser Ära zu Ikonen jenes modernen Körper- und Selbstbewusstseins, das neben der Gesellschaft im Großen und Ganzen auch die bildende Kunst prägen sollte.

Tanzstudie Claire Bauroff, 1925, Galerie Johannes Faber, Foto: Trude Fleischmann © Johannes Faber
Tanzstudie Claire Bauroff, 1925, Galerie Johannes Faber, Foto: Trude Fleischmann © Johannes Faber

Im Berlin der 1920er-Jahre revolutionierte die fruchtbare Verbindung von Tanz und Skulptur das Verhältnis von Raum, Zeit und Form. Mit der Ausstellung »Der absolute Tanz« spürt das Georg Kolbe Museum diesen weit ausstrahlenden Neuerungen nach, die auch im Werk seines Stifters eine Schlüsselrolle einnehmen. Im Fokus der Schau, die dem Dialog zwischen den Disziplinen nachspürt und ihn dabei gezielt wiederbelebt, stehen zwölf herausragende Berliner Tänzerinnen der Weimarer Republik: Charlotte Bara, Tatjana Barbakoff, Claire Bauroff, Anita Berber, Olga Desmond, Hertha Feist, Valeska Gert, Jo Mihaly, Celly de Rheidt, Oda Schottmüller, Vera Skoronel und Berthe Trümpy. Sie alle bereicherten den modernen Tanz durch Aspekte des Skulpturalen und die Bildhauerei durch ihre körperliche Energie und Präsenz.

Eine Vielzahl an Zeitdokumenten, Filmen, Fotografien, Skizzen und Skulpturen zeichnen die Lebenswege der Protagonistinnen nach und   schaffen neue Zugänge zu ihren einflussreichen, raumplastischen Konzepten. Zugleich wird ihr Wirken mit zeitgenössischen Perspektiven und künstlerischen Positionen in Bezug gesetzt. So wird steht die Ausstellung im Dialog mit einer neuen Werkreihe Ulla von Brandenburgs, welche speziell für das Georg Kolbe Museum entwickelt und in Kooperation mit der Veranstaltung „Le Voyage à Nantes“ produziert wurde. Im Zuge der Ausstellung wird auch das SCULPTURE Festival weitergeführt, dessen  Auftaktveranstaltung bereits im September 2020 im Georg Kolbe Museum stattfand.

Ausstellung und Rahmenprogramm werden mit Unterstützung des Freundeskreises des Georg Kolbe Museums und der Spartenoffenen Förderung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa realisiert.

Der absolute Tanz – Tänzerinnen der Weimarer Republik

25. April – 29. August 2021

Georg Kolbe Museum

Veröffentlicht am: 23.04.2021 | Kategorie: Ausstellungen, Kultur, Kunst,

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