
Maria Kallaus Werkserie Borderline bewegt sich entlang der fragilen Grenze zwischen zwei Gefühlszuständen des Erwachsenwerdens: Verletzlichkeit und Aggression. Sie zeigt junge Menschen in Momenten, in denen diese Grenze ins Wanken gerät und emotionale Zustände nicht eindeutig zu fassen sind. Was auf den ersten Blick unschuldig erscheint, kann von unterschwelligen Spannungen geprägt sein: von Scham, Begehren oder dem Versuch, Kontrolle auszuüben oder zu behalten. Die Arbeiten fangen flüchtige psychologische Zustände ein, in denen Gefühle noch keinen festen Ausdruck gefunden haben und Identitäten sich erst allmählich herausbilden.
Im Zentrum steht die Adoleszenz als Phase der Transformation: ein Lebensabschnitt, der von erhöhter Sensibilität und einer ständigen Suche nach Verbindung geprägt ist. Dieser Zustand wird durch subtile Konfrontationen sichtbar und verdeutlicht sowohl die Komplexität menschlicher Interaktion als auch Verletzlichkeit in Momenten der Unsicherheit. Kallau reflektiert darüber, wie Individuen lernen, sich durch körperliche Reaktionen in einer Welt voller Emotionen zurechtzufinden: wie man berührt, sich zurückzieht oder sich schützt. Sie fängt in ihren Malereien jenen instabilen Zwischenraum ein, in dem Instinkt und Konsequenz einander noch nicht vollständig zu erkennen gelernt haben, in dem Identität durch Experimentieren, Unsicherheit und emotionales Risiko erst noch geformt wird.
Kallau arbeitet hauptsächlich mit Ölfarben auf Leinwand. Fotografische Vorlagen dienen ihr als Ausgangspunkt für einen intuitiven Malprozess, in dem sie Szenen kreiert, die zugleich intim wie beunruhigend wirken. Sanfte Farbpaletten sowie subtile visuelle Details stehen der psychologischen Schwere der dargestellten Motive gegenüber; Zärtlichkeit und Unbehagen rücken dabei nah aneinander.
0 Kommentare