Nyaba Léon Ouedraogo
SACRED: HUMAN, ANIMAL AND PLANT
Ausstellung
10.–15. November 2026, Miss Read Space (Gerichtstr. 45, 13347 Berlin)
Dienstag, 10. November 26, 18.00h
Vernissage & Artist Talk
AFRIKAMERA präsentiert mit der Ausstellung SACRED: HUMAN, ANIMAL AND PLANT erstmals in Berlin Fotografien von Nyaba Léon Ouedraogo.
Ouedraogos fotografisches Werk untersucht das Heilige als lebendigen Raum, der von kulturellen, ökologischen und spirituellen Spannungen geprägt ist. In der Serie THE SACRED: HUMAN, ANIMAL AND PLANT erkundet er, wie Menschen, Tiere und Pflanzen in Lebensräumen zusammenleben, in denen überlieferte Praktiken eng mit der Gegenwart verbunden bleiben. Der heilige Krokodilteich von Bazoulé wird dabei zum Ausgangspunkt, um das fragile Gleichgewicht zwischen kulturellem Erbe und ökologischem Wandel zu befragen.
Organische Formen, Texturen, die an Haut oder Erde erinnern, und Bewegungen, die dem Imaginären entspringen, sind keine bloßen ästhetischen Entscheidungen. Sie offenbaren eine vielschichtige Beziehung zu einem Ort, an dem kulturelle Rituale, spirituelle Überzeugungen und natürliche Ökosysteme einander weiterhin tragen. Das heilige Krokodil, eine überlieferte Schutzfigur, wird zum symbolischen Gradmesser für die Gesundheit der Natur. Es erinnert daran, dass das Heilige nur fortbestehen kann, wenn die Umwelt, die es trägt, intakt bleibt.
In Burkina Faso gehören heilige Teiche zu den letzten funktionierenden traditionellen Ökosystemen. Klimatische Veränderungen wie sinkende Wasserstände und der Verlust von Lebensräumen bedrohen nicht nur die Krokodilbestände, sondern auch die symbolischen Strukturen, die Gemeinschaften zusammenhalten. Das Heilige wird so zu einem Raum, in dem sich Fragen des Naturschutzes mit Fragen der Identität kreuzen. Den Teich zu bewahren heißt, sowohl ein Ökosystem als auch eine Welt von Bedeutungen zu schützen. Darin zeigt sich ein Paradox des Anthropozäns: Überliefertes Wissen, das die Umwelt lange geschützt hat, muss sich heute Störungen stellen, die weit außerhalb lokaler Einflussmöglichkeiten liegen.
In einer Welt, in der menschliches Handeln natürliche Kreisläufe verändert, steht das Krokodil für Verletzlichkeit. Sein Überleben hängt von der Wasserqualität, der Stabilität der Böden und der Verfügbarkeit von Ressourcen ab, Bedingungen, die der Klimawandel zunehmend untergräbt.
Die Menschen in den Bildern verkörpern Gemeinschaft, Kontinuität und ökologische Verantwortung. Ihre Beziehung zu den Krokodilen und zur Pflanzenwelt drückt ein Weltbild aus, in dem der Mensch nicht außerhalb der Natur steht. Die Pflanzen verweisen auf die Zerbrechlichkeit von Wachstumszyklen und auf die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs mit der Umwelt. Das Krokodil schließlich macht allein durch seine Gegenwart sichtbar, wie weit die ökologische Zerstörung fortgeschritten ist.
Ouedraogo dokumentiert nicht nur Rituale oder Landschaften. Die Gesten, die er festhält, werden zu Akten stillen Widerstands. Sie legen nahe, dass das Heilige andere Formen des Umgangs mit dem Lebendigen eröffnet, Formen, die auf Verantwortung, Gegenseitigkeit und Kontinuität beruhen.
Mit THE SACRED: HUMAN, ANIMAL AND PLANT lädt er dazu ein, traditionelle Ökosysteme nicht als nostalgische Überbleibsel zu betrachten, sondern als Grundlage für neue Arten, die Erde zu bewohnen. Seine Fotografie wird zu einem Raum der kritischen Reflexion über unsere Rolle in der lebendigen Welt und über die dringende Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit ihr, der den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist.
Nyaba Léon Ouedraogo wurde 1978 in Bouyounou, Burkina Faso, geboren. Er gehört zu einer neuen Generation afrikanischer Fotografen, die sich mit den Problemen und Lebensbedingungen ihrer Zeitgenossen an den Schnittstellen Afrikas auseinandersetzen. Er versteht sich als Griot, der die Geschichten eines sich wandelnden Afrikas erzählt.
Seine Bilder setzen sich mit den politischen, wirtschaftlichen, soziologischen und ökologischen Herausforderungen auseinander, mit denen der afrikanische Kontinent, insbesondere der westliche Teil, konfrontiert ist.
Ouedraogo wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Preis der Europäischen Union bei den 9. Rencontres de la Photographie in Bamako im Jahr 2011. Er war 2010 Finalist des Prix Pictet und wurde 2016 ein zweites Mal nominiert. Er ist Preisträger der „Résidences photographiques du musée du Quai Branly“ 2013 und erhielt kreative Unterstützung vom Institut Français de Ouagadougou. Zusammen mit Christophe Person ist er Mitbegründer der BISO (Biennale Internationale de Sculpture de Ouagadougou).
Die Ausstellung findet im Rahmen von AFRIKAMERA – Aktuelles Kino aus Afrika vom 09.-15. November 2026 statt: www.afrikamera.de
Eröffnung: Dienstag, 10. November 2026, 18 Uhr, Vernissage & Artist Talk
Ausstellungsdauer: 10.–15. November 2026
Ort: MISS READ SPACE, Gerichtstr. 45, 13347 Berlin
Öffnungszeiten:
MI 11+DO 12 NOV, 18.00–22.00
FR 13+SA 14 NOV, 16.00–22.00
SO 15 NOV, 16.00–20.00
Eintritt frei
0 Kommentare