Die 13. Ausgabe der POSITIONS Berlin Art Fair findet vom 10. bis 13. September 2026 in den eindrucksvollen Hangars 5 und 6 des Flughafen Tempelhof statt.
Als einzige Kunstmesse und fester Partner der Berlin Art Week bietet sie einen konzentrierten Überblick über aktuelle Strömungen moderner und zeitgenössischer Kunst und ist zudem zentraler Treffpunkt von Sammler, Kurator und Kunstinteressierten.
96 Galerien aus 20 Ländern präsentieren auf der Messe Kunstwerke aus zahlreichen Teilen der Welt. Dies sind die ersten Highlights:
FWR Galerie, Berlin – Albert Scopin
Eher zufällig quartierte sich Albert Scopin 1969 im Chelsea Hotel ein und geriet dadurch in das produktivste künstlerische Umfeld seiner Zeit. Tagsüber arbeitete er als Assistent für den Modefotografen Bill King und nachts fotografierte er im Hotel: Nachbar, Besuchende, Unbekannte. Der damals noch junge Fotograf hielt die wilde Kreativszene im Chelsea mit einer einfachen Kodak Instamatic fest, die er gelb bemalte, denn die Kamera sollte wie ein Spielzeug aussehen und die Menschen nicht in ihrem Alltag unterbrechen.
Diese Beiläufigkeit zeichnet auch Scopins Fotografien aus: Menschen kommen und gehen, sitzen inmitten ihrer Besitztümer in ihren Zimmern oder werden von ihm im Fahrstuhl fotografiert. Alle Arbeiten waren nach der Erstveröffentlichung im ZEIT Magazin verloren gegangen und als sie 2016 am Tegernsee wieder auftauchten, wollte der Fotograf erst einmal nichts mit ihnen zu tun haben. New York sei eine Selbstfindungsphase für ihn gewesen, teils schmerzhaft. Doch Stück für Stück seien die Erinnerungen zurückgekommen, bunt, warm und lebhaft. So sind die Werke selbst Dokumente des Verschwindens und der Wiederentdeckung: von Bildern, Menschen und Lebensentwürfen.
Iseurrat Artroom, Seoul – Hyeongkyeong You
Hyeonkyeong You befasst sich mit hinterlassenen Spuren und Überresten aller Art: die Spur von Krankheit im eigenen Gesicht, die Spuren von menschlichen Schritten im Schnee, das leuchtende Fenster im Haus als Spur von Leben. Gesichter auf Porträts lösen sich in Farbflecken auf, als könne Identität nur auf indirekte Weise genähert werden. Ihr Pinselstrich mit Ölfarbe auf Leinwand ist eine Akkumulation von Momenten, jeder Farbauftrag ist Zeugnis von Warten und Aushalten.
Thematisch liegt ihr Fokus auf Erinnerung und Verletzlichkeit, eine Position geformt von Migration und Isolation. „Ich habe noch nie eine unversehrte Person getroffen“, schreibt die Künstlerin. „Das Leben ist überall einsam und schwer. Doch trotz dieser Mühen hört niemand auf, sich durchzukämpfen.“ Gekämpft hat auch die Künstlerin: Gegen Depressionen während ihrer Zeit in New York und dann, um all ihr Hab und Gut zusammenzupacken und nach Berlin zu ziehen. „Ich verschiffte all meine Gemälde nach Deutschland, und als sie endlich ankamen, wurde mir klar: Ich bin endgültig weggegangen“, schreibt You.
Maksla XO, Riga (Lettland) – Arturs Bērziņš
Die Weise, wie Arturs Bērziņš’ Werke ihren Weg auf die Leinwand finden, ist ein innovatives Entre-deux, eine vom Künstler eigens entwickelte Technik, angesiedelt irgendwo zwischen Malerei und Fotografie. „Langfotografien“ nennt Arturs Bērziņš seine Arbeiten.
Der Künstler ist ein wichtiger Repräsentant der aktuellen lettischen Kunstszene und sucht in seinen Arbeiten Antworten auf Fragen über Strukturen, welche Kultur und Denktraditionen formen. Somit sind seine Foto-Gemälde konzeptuelle Untersuchungen über den Zusammenhang von Gegenwart und in der Vergangenheit Geschehenem.
Antworten findet er meist in der Natur: „In der Natur lassen sich viele verschiedene Bildwelten entdecken. Es ist jedoch wichtig, diejenigen auszuwählen, die am meisten zum Nachdenken anregen, um ein neues Bild der Natur zu schaffen, das uns fühlen und darüber nachdenken lässt, was war, ist und sein wird, wie es war, ist und sein wird, warum es war, ist und sein wird.“
Idolon, New Taipei City – Chai Chiau-Syan
Tagebuchartig verewigt Chai Chiau-Syan die beige-grauen Betonwände der Mehrfamilienhäuser deutscher Städte in ihren Keramiken und reduziert sie auf ihre Um- und Grundrisse. Auf künstlerisch-forschende Weise begibt sie sich auf die Suche nach “dem Traumhaus”, beobachtet urbanes Leben und hinterfragt die Bedeutung von Zuhause und die utopischen Konzepte des Eigenheims.
Diese Suche nahm die Form von Terrazzo- Keramik-Arbeiten an, angesiedelt zwischen Konzept, Bild und Skulptur. Dabei bleiben architektonische Formen Ausgangspunkt ihrer Arbeiten, die sie dann in visuelle, meist serielle Darstellungen von Stadtlandschaften übersetzt. In Chiau-Syans Serie “Haus Sammlung 100” produzierte die Künstlerin hundert dieser Keramiken. Das zeugt nicht nur von Sammelleidenschaft, sondern ist auch Abbild verschiedener architektonischer Ausdrucksformen. Chai Chiau-Syans Arbeiten wurden bereits 2022 im Rahmen der kuratierten Sonderausstellung Academy Positions auf der POSITIONS Berlin Art Fair präsentiert.
Carolyn Heinz, Hamburg – Susanne Piotter
Beton, ein maßgeblicher Bestandteil von Susanne Piotters Arbeit, ist für die Künstlerin Bedeutungsträger sowie formales Ausdrucksmittel. „Kaum ein anderes Material prägt unsere gebaute Umwelt so nachhaltig“, erklärt Piotter. „Einst stand das Material für Innovation, bezahlbaren Wohnraum und neue Gestaltungsmöglichkeiten. Doch ebenso steht Beton für gescheiterte Projekte, Bauruinen und Bunker, die das Stadtbild prägen.“
Diese Ambivalenz hält Einzug in Piotters Skulpturen aus Beton, welche grafische und ornamentale, mal fragile, mal massive Geschichten erzählen: von Reliefs, von Rohrabdrücken, von repetitiven Strukturen und modulare Konstruktionen. Susanne Piotter denkt wie eine Urbanistin, sie seziert die Struktur von Bau und Stadt – doch kreiert sie als Künstlerin. Welches ist das Erscheinungsbild einer Stadt, wenn man ihre visuelle Formgebung abstrahiert und grafisch neu repräsentiert?
Pierre-François Ouellette art contemporain Inc, Montreal – Ernstina Eitner
Stickereien, Aufbereitung von Bast, Arbeit mit Wolle und Birkenholz: Am Anfang der künstlerischen Arbeit von Ernstina Eitner steht die Recherche, das Wiedererforschen und Neu-Erlernen von traditionellen Handwerkstechniken.
“Meine aktuelle künstlerische Arbeit ist geprägt von der Auseinandersetzung mit meiner russlanddeutschen Familiengeschichte – eine Geschichte, der es an materieller Erinnerung mangelt, da sie von Deportation und ewigem Neuanfang bestimmt ist”, erzählt die Tochter schwarzmeerdeutscher Eltern aus Kasachstan. “Immer wieder vor dem Nichts zu stehen, lehrt, mit dem Mangel produktiv umzugehen. Von meinem Vater habe ich mir das Anfertigen eines Besens zeigen lassen, der dies bereits von seinem Vater erlernt hat.”
Die Objekte, Installationen und Zeichnungen, die am Ende einer Recherche stehen, setzt Eitner anschließend räumlich zueinander in Beziehung. Oft ist es hauptsächlich die Ausstellungssituation und die damit einhergehende Hervorhebung und Würdigung, die ihre Kunstobjekte von den Alltagsgegenständen ihrer Vorfahren unterscheidet.
Teilnehmende Galerien

POSITIONS Berlin Art Fair 2026
Flughafen Tempelhof, Hangar 5–6
Tempelhofer Damm 45
12101 Berlin
Eröffnung
Donnerstag, 10. September 2026
18 – 21 Uhr
Öffnungszeiten
Freitag, 11. September 2026
12 – 14 Uhr VIP Hours
14 – 20 Uhr reguläre Öffnungszeiten
Samstag, 12. September 2026
11 – 19 reguläre Öffnungszeiten
Sonntag, 13. September 2026
11 – 18 Uhr reguläre Öffnungszeiten
Eintritt
Regulär 25 Euro
Ermäßigt 15 Euro
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.
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