
Parallel zur Gruppenausstellung von EP Contemporary präsentiert Julia Werhahn im Rahmen der Berlin Art Week ihre Einzelausstellung
“Die Diskrepanz der Träume”.
Plötzlich fiel mir wieder ein, was ich letzte Nacht geträumt hatte …
Manche Träume wünschen wir uns. Andere widerfahren uns.
Wenn wir vom Träumen sprechen, dann sind oft Sehnsüchte, Hoffnungen oder Vorstellungen von der Zukunft gemeint. Wir sprechen von Traumreisen, Traumwohnungen oder Traumjobs. Der Traum im Schlaf hat mit all dem jedoch nur wenig gemeinsam.
Im Schlaf werden Bilder nicht entworfen. Sie tauchen auf. Menschen erscheinen an Orten, an denen sie nie gewesen sind. Vertraute Gegenstände nehmen fremde Eigenschaften an. Situationen, die im Wachzustand absurd erscheinen würden, entfalten ihre ganz eigene Logik. Was zurückbleibt, sind Bruchstücke und das beharrliche Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben.
Die Diskrepanz zwischen der Vorstellung vom Träumen und der Erfahrung des Träumens bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung. Julia Werhahns Skulpturen und Reliefs greifen die eigentümliche Beschaffenheit dieser Erfahrung auf. Ihre Werke sind transluzent. Licht fällt auf ihre Oberflächen, durchdringt sie, wird gebrochen und reflektiert. Mit jeder Veränderung des Standpunkts verändert sich auch die Erscheinung der Arbeiten.
Pflanzliche Strukturen tauchen auf. Hände werden sichtbar. Traubenartige Formen hängen an transparenten Körpern – diffuse Wesen, in denen etwas eingeschlossen zu sein scheint. Parallel dazu baut sich ein Gerüst aus abgeformten Latten auf. Herstellungsspuren und Farbschlieren verleihen der Konstruktion einen eigensinnigen Charakter. Die beiden Werkgruppen begegnen sich und verbinden sich zu einer Szenerie, in der Unbewusstes und Konstruiertes, Auftauchen und Aufbauen ineinandergreifen.
Julia Werhahns Skulpturen entstehen durch ein sich Herantasten. Der Zweifel, verstanden als Zustand der Neugier und des Suchens, ist ein wiederkehrender Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Sie untersucht fragile Strukturen und Zustände der Instabilität und beschäftigt sich mit dem Moment, in dem etwas zwischen Erscheinen und Verschwinden, Vertrautheit und Fremdheit zu schweben beginnt.
Die in Hannover geborene Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und absolvierte ihr Meisterschülerstudium bei Asta Gröting. Nach ihrem Hochschulabschluss und Residenzaufenthalte in Italien und China, pendelte sie mehrere Jahre zwischen Paris und Berlin, bevor sie ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin verlegte.
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