Jäckls Berlin – Museumsreife Streetart

ANDRE BOITARD aka KUSSTOSS 03
[vc_row][vc_column][vc_column_text]Schon vor 2005 erklärte die Verwaltung der Stadt Friedrichshains Südkiez zum „Millieuschutzgebiet“. Keine alten Menschen und keine „normalen“ Menschen schienen noch hier zu leben. „Eine Zweiklassengesellschaft“ erklärte mir damals der Polizist, in dessen Streifenwagen ich nach Marzahn mitfuhr, um das eingeschlagene Auto meiner Familie vom Parkplatz der Polizei abzuholen, „oben die Reichen unten die Armen.“

Streetart-Künstler, Bastler, Lebenskünstler, Leute, die nicht nur Inspiration, sondern auch Material von der Straße holen, sind hier zu Hause, wie z.B.  André Boitard aka Kusstoss. Er sammelt Müllreste, Papierschnipsel, weggeworfene Bierdeckel, Briefe u.v.a.m. und kreiert daraus oft in Kombination mit ungewöhnlichen Promi-Porträts ansprechende Bilder und Postkarten. Zahlreiche Künstler-WGs, Probekeller von Bands und Straßenmusiker tummeln sich hier neben gut verdienenden Kleinfamilien. Parallel dazu gibt es „Streetart-Führungen“ für gestresste Manager, die man dann auf Rollern oder Fahrrädern durchs Kiez gleiten sieht wie Aliens, die vorsichtig unbekannte Lebensformen observieren.

Wo Hippie-Busse und damit eine Reihe alternativer Wohn- und Lebenskonzepte mittels eingeführter Parkgebühr und patroullierendem Ordnungsamt heute der Vergangenheit angehören, kontrolliert den Drogenkonsum im Party-Kiez rund ums RAW-Gelände nun dezent die Zivilpolizei und auch neue Dealer haben den Weg vom Görli hier her gefunden. Wo gerade rund ums Ostkreuz hochpreisige Wohnungen entstehen bzw. entstanden sind und sich eine neue Bevökerungsstruktur bildet, findet man (noch) einzigartige Perlen bildender Kunst auf Wänden, Bauruinen, Zäunen und Baustellen.

An gewissen Wänden im Südkiez, wie z.B. an jener des INTIMES KINO (siehe Fotos) findet man noch Meisterwerke anonymer Künstler, die der Vergänglichkeit huldigen, und permanent überarbeitet werden.

Friedrichshain ist gerade noch in einem Zwischenzustand, wo alternative Lebenskultur bereits ein Klischee zum Konsumieren geworden ist – wie ein hübsch gemachter Strand vor leergefischtem Gewässer hinter der Cocktailbar irgendeines Touristenortes – aber gleichzeitig auch noch authentische Arbeiten entstehen und Künstler die Straße für sich beanspruchen.

Noch.[/vc_column_text][vc_gallery type=“nivo“ interval=“0″ images=“16322,16323,16324,16325,16326″ onclick=“link_image“ custom_links_target=“_self“ img_size=“full“][/vc_column][/vc_row]

Veröffentlicht am: 21.04.2015 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst, | Tag: ANDRÉ BOITARD, KUSSTOSS,

Eine Idee zu “Jäckls Berlin – Museumsreife Streetart

  1. Jasmin sagt:

    Hallo Lilly,
    wow – da muss ich dir wirklich recht geben. Teilweise sind die Graffitis deutlich schöner als irgendwelche Farbe auf einer Leinwand in einem Museum. Allerdings wird Graffitikunst schon ziemlich teuer verkauft. Der Amerikaner Alex lebt davon. Hier ist sein Instagram: https://www.instagram.com/alecmonopoly/
    Solche Kunst finde ich auch extrem beeindruckend. Denn irgendwie trifft sie den Zeitgeist mehr und es sieht auch einfach geil – sorry für die ausdrucksweise – aus. Inzwischen gibt es ja viele Kunstmarktplätze im Internet wie bspw. https://jakira.de/ wo man auch relativ günstig solche Graffitikunst kaufen kann – immerhin etwas 😉
    Ich hoffe, ich konnte dir mit meinem Kommentar einen Mehrwert verschaffen.
    Beste Grüße
    Jasmin

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