ALBERT WEIS – kristalline

Albert Weis, Ausstellung kristalline, Taubert Contemporary Berlin 2026

Ordnung als Utopie: Albert Weis verwandelt die Taubert Contemporary in ein begehbares Gesamtkunstwerk aus Teppich, Neon und mundgeblasenem Glas und erinnert daran, dass die Moderne einmal davon träumte, den Raum selbst zu heilen.

Albert Weis Taubert Contemporary: kristalline Strukturen der Moderne

Adjektivisch benutzt verweist das Wort kristalline auf geordnete, dreidimensional periodische Zustandsformen oder Strukturen. Der Aufbau jener Gebilde beruht auf einem Gitter und bestimmt im Wesentlichen die physikalische Eigenschaft eines Materials. Ihre gegenteilige Form ist amorph.

Die profunde Beschäftigung mit Ordnungssystemen und ihren Formen kennzeichnet das Werk des in Berlin ansässigen Künstlers Albert Weis auf vielfältige Weise. In der aktuellen Ausstellung, die den Titel kristalline trägt, kulminieren jene Auseinandersetzungen und deren künstlerische Reflexionsformen. Dabei bezieht sich Weis unter anderem auf utopische Entwürfe aus Architektur und Stadtplanung des frühen 20. Jahrhunderts sowie der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Architekt*innen, wie Eileen Gray, Carlo Mollino, Hans Scharoun, Bruno Taut u.a. nutzten kristalline Formen für ihre Entwürfe von gesellschaftlichen Räumen jenseits von Krieg.

Gesamtinszenierung als künstlerisches Statement

Die Ausstellung kristalline zeigt Werke, die unmittelbare Bezugnahmen auf jene ästhetischen und gesellschaftlichen Utopien der Moderne sind. Dabei stehen nicht nur die Einzelwerke im Fokus: Auch die gesamte räumliche Inszenierung der Ausstellung ist als Verweis auf visionäre Konzepte von Raumgestaltung gedacht.

Die vier Ausstellungsräume im vorderen Bereich der Galerie wurden eigens für die Ausstellung mit unterschiedlich farbigem Teppichboden gestaltet: Violett, Schwarz, Rot und Weiß angelegte Farbzonen sind von Mollinos Designkonzept des in den späten 1960er Jahren wiederaufgebauten Teatro Regios in Turin inspiriert, das ursprünglich aus der Barockzeit stammt.

Albert Weis nutzt die Konnotationen jener Farb/Raumwirkung als ästhetische Matrix, der das (nach)moderne Spannungsfeld von Geometrisch-Konstruktivem und Organischem eingeschrieben ist. In dieses Konzept bindet er unterschiedliche Werktypen ein: Dazu gehören Skulpturen aus Neon und Aluminium, die die Polyederform aus Melencolia I aufgreifen. Ebenso präsentiert er geometrische Wandarbeiten mit dem Titel taped, die aus Aluminiumklebeband bestehen und auf das verwendete Material verweisen.

Neue Skulptur: philharmonie (garde) erstmals zu sehen

Zu sehen sind weiterhin die mit Raster- und Farbfolien überzogenen Papierfaltungen folders, sowie dialogisch dazu positionierte Fotografien. Teil der Gesamtpräsentation ist ebenfalls die erstmals gezeigte, skulpturale Rauminstallation philharmonie (garde). Sie besteht aus einer Aluminiumgitterstruktur und etwa 35 mundgeblasenen, farbigen Glaskugeln. Die Arbeit greift dabei charakteristische Details der Berliner Philharmonie auf.

Über die Bündelung von Einzelelementen und Werkkomplexen, die als integrale Bestandteile einer künstlerischen Gesamtinszenierung begriffen werden, verweist die Ausstellung kristalline nicht nur auf spezifische Aspekte der Architektur- und Kunstgeschichte, vielmehr eröffnet sie Perspektiven auf neue Utopie-Bildungen.

– Ulrike Kremeier

ALBERT WEIS – kristalline

1. Mai 2026 – 27. Juni 2026

Taubert Contemporary

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