Unter dem Titel „Hanglage“ zeigt Eric Keller neue Arbeiten der vergangenen zwei Jahre – sein besonderes Augenmerk gilt den nach 1989 aufgegebenen Kulturhäusern der DDR. Seit vielen Jahren erwecken die Festsäle dieser verlassenen Gebäude Kellers besonderes Interesse. Leere Bühnen, verstaubte Kulissenelemente, Requisiten oder Papiergirlanden, vertrocknete Topfpflanzen, aber auch zurückgelassene Stühle oder die verblichenen Farben der Interieurs reizen ihn als Gegenstand seiner Malerei – Orte einstiger kollektiver Geselligkeit, die heute zugleich unheimlich und anheimelnd wirken und in denen eine verschwundene Gesellschaft als blasse Überschreibung fortlebt.
„Die Darstellungen des Verfalls werden bei ihm zu ausgewaschenen oder zerrissenen, wolkigen oder rieselnden Abstraktionen – meisterliche Kabinettstücke, bei denen man sich immer wieder fragt, ob hier tatsächlich eine Wand oder ein Bild im Bild gemeint ist.“
(Sebastian Preuss)
Für die fünfte Einzelausstellung des Malers in der Galerie Poll war es Eric Keller möglich, mit einem Stipendium der Stiftung Kunstfonds im Jahr 2025 sein Projekt „Kulturhäuser“ fortzusetzen. Anfang 2027 werden weitere Bilder zum Thema in seiner ersten institutionellen Einzelausstellung im Projektraum der Städtischen Galerie Dresden zu sehen sein.
Neben den Interieurs geraten Eric Keller auch unspektakuläre städtische Räume wie Uferwege, Sport- und Parkplätze oder Bahnübergänge in den Blick. Während er die meisten Eindrücke, die er in den vergangenen Jahren in den Bildkosmos seiner Gemälde überführt hat, in Sachsen erfahren hat, beeinflussen seit 2023 auch Landschaftseindrücke von Reisen nach Südkorea oder auf die Kanaren seine Bildwelt.
Meist bleiben diese Räume menschenleer. Daneben gibt es aber auch Kompositionen mit jungen Leuten in zeitgenössischer Kleidung. Grundlage für diese Bilder bilden gezeichnete Porträtstudien von Freunden und Bekannten. Mit „Becken bei Gunsan“ und „Bei Teguise“, beide aus dem Jahr 2026, stellt die Galerie Poll auch zwei dieser großformatigen Leinwandarbeiten aus.
Eric Kellers Kompositionen setzen sich aus großangelegten Farbflächen zusammen, Ton in Ton aufgebaut aus dünnen Öllasuren in mannigfachen Grau-, Blau-, Violett- oder Ockertönen; für die Landschaften kommen auch Grüntöne ins Spiel. Schicht um Schicht übereinandergelegt, wird das Verfahren selbst zum Palimpsest: Die gemalte Erinnerung entsteht als Überlagerung, nicht als Abbild. Die leichte Unschärfe, die Keller über die Motive legt, ist dabei kein nostalgischer Schleier, sondern das Mittel, mit dem der Ort überhaupt erst vergegenwärtigt wird. Bei der Arbeit am Bild kehrt der Künstler in seiner Phantasie an oft nur flüchtig oder beiläufig gesehene Schauplätze zurück und setzt sie neu zusammen. Wo genau sie verortet sind, verrät manchmal der Bildtitel, bleibt aber häufig sein Geheimnis.
Eric Keller, 1985 geboren in Grimma, studierte Malerei in Nürnberg, Dresden und Leipzig, wo er sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst 2018 als Meisterschüler bei Prof. Annette Schröter abschloss. 2025 erhielt er ein Stipendium der Stiftung Kunstfonds. Eric Keller lebt und arbeitet in Dresden und Berlin. Seine Werke befinden sich in zahlreichen privaten und mehreren institutionellen Sammlungen, darunter die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Städtische Galerie Dresden und die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, Bonn.
Eric Keller – Hanglage
4. September bis 24. Oktober 2026
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