Handlungskörper / Action Bodies

Handlungskörper ifa-Galerie Berlin: Ein Mann betritt eine begehbare rote Textilskulptur vor einer Betonwand

Handlungskörper in der ifa-Galerie Berlin fragt, was ein Körper alles tun kann: sich schütteln, tanzen, reparieren, einen Raum durchschreiten. Franz Erhard Walther, Sharon Lockhart und Wolfgang Laib aus der ifa-Kunstsammlung treffen auf Eglė Budvytytė, Tales Frey, Hana Miletić und Silvi Naçi.

Handlungskörper in der ifa-Galerie Berlin: Der Körper als Werk

Handlungskörper/ Action Bodies präsentiert Objekte, Skulpturen, textile Werke und Videoarbeiten aus den späten 1960er-Jahren bis heute. Werke aus der ifa-Kunstsammlung von Franz Erhard Walther, Sharon Lockhart und Wolfgang Laib treten dabei in einen vielstimmigen Dialog mit Arbeiten von Eglė Budvytytė, Tales Frey, Hana Miletić und Silvi Naçi.

Künstler:innen und Werke

Eglė Budvytytės (* 1981 in Kaunas, Litauen; lebt und arbeitet in Vilnius und Amsterdam) Video „Shaking Children“ (2013) entstand aus einem Workshop mit Schüler:innen, in dem das Schütteln als körperliche Geste erprobt wurde, mit der sie sich für einen Moment den Rhythmen und Regeln des Schulalltags entziehen können. Es wird zu einer symbolischen Übung, die dazu einlädt, den eigenen Körper als Ort von Handlungsspielräumen und des Widerstands neu wahrzunehmen.

Die Performances von Tales Frey (* 1982 in Catanduva, Brasilien; lebt und arbeitet in Porto, Portugal) entfalten sich im Grenzbereich von Tanz, Skulptur und Textil. Seine Arbeit Conductive Wire (2020) zeichnet im Takt des Metronoms eine Reihe fließender Bewegungen zwischen zwei Performer:innen nach, die über ein Textil verknüpft sind. So verbindet die Arbeit Nähe und Distanz, Freiheit und Begrenzung, Balance und Transformation.

Seit Ende der 1970er-Jahre stellt das Denken und Schaffen von Wolfgang Laib (* 1950 in Metzingen, Deutschland; lebt und arbeitet in Schöneberg/Oberschwaben sowie in New York und Südindien) fundamentale Fragen an das menschliche Sein und Handeln als Teil fragiler natürlicher Lebensräume, auch heute eine Thematik von anhaltender Dringlichkeit. Seine Arbeiten aus Naturmaterialien wie das Werk Haus (1990) aus Bienenwachs, öffnen dabei innere Räume der Reflexion.

Sharon Lockhart (* 1964 in Norwood, Massachusetts, USA; lebt und arbeitet in Los Angeles) zeigt in Four Exercises in Eshkol-Wachman Movement Notation (2011), die Beziehung zwischen Körper, Bewegung und Architektur. Die Videoinstallation ist Teil einer Werkreihe, die sich dem Leben und Vermächtnis der Tänzerin, Choreografin und Textilkünstlerin Noa Eshkol widmet, die in den 1950er-Jahren eine analytisch-geometrische Bewegungsschrift für den Körper entwickelte.

Ausgangspunkt der Serie Materials von Hana Miletić (* 1982 in Zagreb, Kroatien; lebt und arbeitet in Brüssel) sind Fotografien improvisierter Reparaturen im öffentlichen Raum: mit Klebeband geflickte Fenster, Türen oder Fahrzeugteile, die sie in handgewebte Textilien übersetzt. Damit stellt Miletić der beschleunigten und standardisierten Gegenwart eine handwerkliche Arbeitsweise gegenüber und lenkt den Blick auf den Akt des Reparierens und auf fürsorgliches Handeln, das in den öffentlichen Raum eingeschrieben werden kann.

Silvi Naçi (* 1987 in Albanien; lebt und arbeitet zwischen Albanien und Los Angeles) beschäftigt sich damit, wie Körper durch Ausgrenzung, Gewalt, Migration, Erinnerung und Geschlechterdebatten geformt werden und wie sie sich befreien können. Ausgangspunkt für den Film “actions that make my hands hurt” (2019) sind die chronischen Schmerzen in ihren Händen, die auf die intensive Ausbildung in der Druckgrafik zurückgehen.

Franz Erhard Walther (* 1939 in Fulda, Deutschland; lebt und arbeitet in Fulda), veränderte als Pionier der partizipativen Kunst den traditionellen Werkbegriff, indem er die Handlung selbst zur Werkform machte. Seit den frühen 1960er-Jahren schuf Walther aktivierbare textile Skulpturen und ließ das Publikum zu teilnehmenden Akteur:innen werden. Die Handlungskörper von Walther leiten die Besuchenden an, den Raum im Stehen, Gehen, Sitzen oder Liegen zu erkunden. Die Ausstellung präsentiert sein Werk Eingang mit zwei Ausgängen, frontal, seitwärts (1973).

Franz Erhard Walther, Sharon Lockhart u. a.: Handlungskörper / Action Bodies

Laufzeit: 16. Oktober 2026 bis 31. Januar 2027
Kuratorin: Inka Gressel
Ort: ifa-Galerie Berlin, Linienstraße 139/140, 10115 Berlin
Öffnungszeiten: Di bis So 14 bis 18 Uhr, Do bis 20 Uhr
Eintritt: frei

Mehr zu Handlungskörper in der ifa-Galerie Berlin findest Du auf der Programmseite der Galerie.

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