Video: Erwin Wurm „Bei Mutti“ in der Berlinischen Galerie

Erwin Wurm in der Berlinischen Galerie

Kürzlich wurde bekannt, dass Erwin Wurm und Brigitte Kowanz im Jahr 2017 Österreich auf der Kunstbiennale in Venedig vertreten werden. Vorab präsentiert die Berlinische Galerie Erwin Wurm mit einer großen Ausstellung in Berlin, die am 15. April 2016 startet.

Der österreichische Künstler Erwin Wurm (*1954) war 1987 als Stipendiat des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin. In diese prägende Phase fällt eine grundlegende Veränderung seiner künstlerischen Arbeitsweise: Er beginnt, die Grenzen zwischen Skulptur, Objekt und Performance auszuloten. Erwin Wurm wird nun erstmals in einer monografischen Ausstellung in einem Berliner Museum präsentiert.

Ausgangspunkt der Ausstellung „Bei Mutti“ ist das Narrow House, ein Nachbau von Wurms Elternhaus in Bruck an der Mur in der Steiermark, gestaucht auf die Breite von 1,10 Meter. 2011 war dieses surreal anmutende Haus auf der Biennale in Venedig zu sehen. Der Künstler macht das typische Einfamilienhaus mit Satteldach zu einer begehbaren Skulptur, die den Besucher die bürgerliche Wohnkultur der Nachkriegszeit, aber auch die buchstäbliche Enge und Spießigkeit der Provinz physisch erleben lässt.

In seinen One Minute Sculptures, die seit 1997 entstehen, fordert Wurm den Skulpturbegriff radikal heraus. Die skulpturalen Interventionen wirken oft wie kleine Theaterstücke: Es handelt sich um Kurz-Performances, bei denen Personen mit Aufgaben und Gegenständen kämpfen, die ihnen der Künstler mittels einer Handlungsanweisung aufgibt. Erwin Wurms theatral-skulpturale Rauminszenierungen sind humorvoll, überraschend, skurril – einerseits hintergründig, andererseits mit leichter Hand inszeniert. Lustvolle, sinnliche Werke, die erst durch die Partizipation der Betrachter komplettiert werden.

Die Ausstellung widmet sich mit rund 80 Arbeiten darüber hinaus erstmals ausführlich dem zeichnerischen Werk Erwin Wurms, das vor allem die Entstehung der One Minute Sculptures begleitet und ergänzt. Das kleine kompakte Buch Von Konfektionsgröße 50 zu 54 in acht Tagen handelt von einem Verwandlungsprozess. Mit knappen Instruktionen, Speiseplänen und Rezepten fordert es uns auf, unser Körpervolumen in acht Tagen um ein beträchtliches Maß zu steigern.

Der dritte Teil der Präsentation widmet sich skulpturalen Arbeiten, die erst in den vergangenen Monaten entstanden sind. Hier stehen verbeulte Kühlschränke neben riesigen deformierten Telefonen und eingeknickten Sideboards. Wurm bildet die vertrauten Objekte aus verschiedenen Materialien nach, verfremdet sie aber gleichzeitig durch Größenverschiebungen, Verformungen und Zeichen der Zerstörung. Was sichtbar wird, ist eine „de-Form-ation“, eine Spannung zwischen der Darstellung von Alltagsgegenständen, ihrer Materialität und den hinterlassenen Spuren von Körpereinwirkungen und -abdrücken.

Zur Ausstellung erscheint im Prestel Verlag ein Katalog mit etwa 80 Abbildungen, der sich hauptsächlich den bisher nur in Ausschnitten veröffentlichten Zeichnungen widmet. Ausstellung und Katalog werden ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds und den Förderverein Berlinische Galerie e.V.

Erwin Wurm. Bei Mutti

15.04.-22.08.2016

BERLINISCHE GALERIE

Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur

Alte Jakobstr. 124-128, 10969 Berlin

Veröffentlicht am: 19.04.2016 | Kategorie: Ausstellungen, Für dich entdeckt Kunst, Kultur, Kunst, Künstler in Berlin, Videos, | Tag: Berlinische Galerie, erwin wurm,

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