Kolumne: KI-Kunst auf Erfolgskurs?

Digital erstellte NFT-Kunst auf einer Kunstmesse in Berlin, 2021

Kunstleben Berlin Kolumne von André Lindhorst. “Hatten Tizian, Rubens, Rembrandt und Warhol noch Assistenten aus Fleisch und Blut, so kann der kreative Assistent heute ein trainierter Roboter sein, ein Algorithmus, der, wenn man ihn füttert und trainiert, in der Lage ist, eigenständig Bilder, Filme und Objekte oder sogar ganze Installationen zu kreieren.”

KI-Kunst auf Erfolgskurs?

Weltweit ist die Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch – inzwischen auch in der Gegenwartskunst. Und zwar in einer Kunstvariante, die sich KI-Kunst nennt. Immer mehr Digitalkunstwerke, geschaffen von intelligenten Algorithmen, sowie die NFTs (Non Fungible Tokens), die die Kunst nicht nur digital vermitteln, sondern auch zum Unikat erklären, strömen auf dem Kunstmarkt. Im ersten Quartal 2021 wurden 10% des weltweiten Umsatzes im Kunstmarkt über NFTs erzielt (1). Kuratoren, Journalisten sowie die großen Kunstmagazine und nun auch Auktionshäuser ebnen der neuen Spielart der Kunst mit euphorischem Marketinggetrommel den Weg – „eine neue Tür geht auf“.

Bedeutenden Galerien in New York, Paris und Berlin feiern die neue virtuelle Kunstform als bahnbrechend. International renommierte Ausstellungshäuser, darunter das New Yorker Museum of Modern Art und das Centre Pompidou in Paris zeigen Werke von KI-Künstlern. Einflussreiche und gut betuchte Sammler überall auf der Welt überbieten einander im Run um die besten KI-Stücke.

Der Deutsche Künstler Mario Klingemann schafft Kunst über Computerprogramme. Er gilt als Pionier auf dem Gebiet der KI-Kunst. Sein Kunstwerk „Mitois“, ein zweiminütiger Video-Loop, der sich aus über 750.000 KI-generierte Einzelporträts zusammenfügt, wurde bei Sotheby´s für ca. 76.000 Dollar verkauft. Klingemann sagt von sich selbst, dass er gar nicht malen oder zeichnen könne. Doch das ist auch nicht nötig, „weil er gut sei im Programmieren“.

Hatten Tizian, Rubens, Rembrandt und Warhol noch Assistenten aus Fleisch und Blut, so kann der kreative Assistent heute ein trainierter Roboter sein, ein Algorithmus, der, wenn man ihn füttert und trainiert, in der Lage ist, eigenständig Bilder, Filme und Objekte oder sogar ganze Installationen zu kreieren. Inzwischen ist es sogar möglich, über 3D-Drucker die digitalen Entwürfe zu Materialisieren. Hier haben sich auch Berliner Unternehmen weltweit Bekanntheit verschafft und erhalten Aufträge für Objekte, Skulpturen und Installationen von namhaften internationalen Künstlern. Der 3D-Druck ist überhaupt in der Metropole im Aufwind, was unter anderem auch das „AM-Forum“, einer wichtigen Expertenkonferenz in Berlin im nächsten Jahr, belegt.

 Dass erst jetzt ein wahrer Hype ausgebrochen ist um die KI-Kunst, liegt auch daran, dass KI-Werke zum Teil enorme Preise am Markt erzielen. Der „Auktionshammer“ für das KI-Werks „Portrait of Edmond de Belamy“ des Künstlerkollektivs Obvious fiel bei sage und schreibe 432.500 Dollar.

Dass Ideen und Konzepte von Künstlern mit Hilfe der digitalen Bildsprache entstehen und digital umgesetzt werden, passiert allerdings nicht erst seit heute, sondern ist peu à peu über vielfältige Experimente seit den 1980er Jahren geschehen. Die KI-Kunst ist im Grunde auch keine neue Kunstform, sondern ein Anwendungssystem, dass das Entwerfen nicht nur von Bildern, sondern auch von Objekten, Skulpturen und Installationen erleichtert und modernisiert.

Verändert die KI-Kunst die Wahrnehmung auf ein Kunstwerk? Und verändert es die Einstellung zur Kunst überhaupt? Wird es Kunst, die per Hand mit dem Pinsel oder dem Bildhauer-Meißel entstanden ist, bald nicht mehr geben? Skepsis unter Kunstliebhabern, Kunstexperten und Künstlern sind wohl doch unbegründet. KI-Kunst wird sich etablieren, weil Künstler sich wie immer der technischen Möglichkeiten ihrer Zeit bedienen werden.

Beitragsbild: Digital erstellte NFT-Kunst auf einer Kunstmesse in Berlin, 2021

Veröffentlicht am: 19.11.2021 | Kategorie: Kolumne Andre Lindhorst, Redaktion-Tipp,

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