Mirjam Völker entführt “Hinters Licht” in der Galerie Eigen + Art

Lässt du dich gerne in eine andere Welt entführen? Dann sind die Bilder der Künstlerin Mirjam Völker  genau richtig. Oftmals ist gleich auf den ersten Blick zu erkennen, lassen sich unter anderem in den optischen Täuschungen der Künstlerinnen fantastische Welten erkennen. Vom 08. Juli bis 01. August können die Werke der Künstlerin in der Galerie Eigen + Art bewundert werden.

Die Bilder von Mirjam Völker zeigen Hütten, die als hölzerne Relikte, verwachsen in ein Gewirr aus zahllosen Ästen und Zweigen ihre Schutzfunktion längst eingebüßt haben.
Wenn Völker uns hinters Licht führt, geht es nicht allein um optische Täuschungen. Die Künstlerin zeigt uns die Welt hinter dem Licht, die Welt der Schatten. In dieser Welt vervielfachen sich Horizonte, die Blickwinkel verschwimmen und so erscheint in der Serie Zwiespalt aus dem Jahr 2014 mitten im Bild eine unerwartete Trennlinie oder in Untiefe wird eine gespannte Plane zum Davor und Dahinter.

In dieser Welt verzerrt sich aber nicht nur der Raum, auch die Zeit überschreitet ihre vorgegebenen Grenzen, wie im jüngst entstandenen Gemälde Zäsur: in dieser Welt stürzen Flugzeuge ab, brennen Häuser nieder und niemand weiß, ob erst der Absturz den Brand verursacht hat oder Folge des Versuchs war, ihn zu löschen.

Eintauchen in eine andere Welt

Die Künstlerin arbeitet in farbiger Acrylmalerei und teils großformatigen Kohlezeichnungen. Dabei werden sowohl in den malerischen Arbeiten als auch in den Zeichnungen die strengen Kompositionen um abstrakte Formen ergänzt und verschiedene Perspektiven übereinander geschichtet. So verfügen die Strukturen der realistischen, detaillierten Zeichnungen über Materialität, während gleichzeitig grafische Elemente zu perspektivischen Brechungen führen. Das Licht inszeniert das Dargestellte, wobei die pointierte
Ausleuchtung starke Schattenwürfe und Transparenzen hervorruft.

Durch diese technischen Mittel wird der scheinbar sichere Einstieg in die Behausung zur instabilen Leiter ins Ungewisse; kräftige Stützen zu wackeligen Stelzen, die kaum dem Wind standzuhalten vermögen, geschweige denn Wassermassen (Stützpunkt, 2013). Nester dienen nicht dem Schutz ihres allzu zerbrechlichen Inhalts, sondern dem lichten Übergang in eine unendliche Tiefe (Zyklop, 2012). Unschuld und Horror liegen in dieser Welt hinter dem Licht ganz dicht beieinander und sind kaum voneinander zu unterscheiden. Völker „möchte keine Geschichten heraufbeschwören, es kommt ihr auf die Stimmungen an“. Dabei erweist sich „das Weltausschnitthafte und Ortenthobene der Situation“als wesentlicher Aspekt ihres künstlerischen Œuvres.

Mühlenbilder von Mirjam Völker

So „ortenthoben“ etwa wie die Mühlenbilder, deren erhöhte Positionen erahnen lassen für welche Naturgewalten die Bauten konstruiert sind, für den Kampf mit Wind und Unwetter. Auch das Feuer kommt ihnen gefährlich nah, fängt das Kreuz des Mühlrads auf der Zeichnung Lunteetwa schon erste Funken?

Die Elemente scheinen eine weitere, besondere Rolle in Völkers Bildern zu spielen – Wasser, Feuer, Erde und Luft. Geraten sie erst aus den Fugen, dann mit ihnen auch die Hütten: in der Zeichnung Abhangspiegelt sich ein abgestürzter Helikopter in einer Wasserlache, ein wackeliges Stelzenhaus muss sich gleichzeitig gegen abfallendes Gelände und einen morschen Baum behaupten. In einer regelrechten Sogwirkung richtet sich das Gewächs auf das Haus aus, kriecht hinauf, seine Struktur immer stärker verdichtend. Diese Welt befindet sich in den letzten Vorkehrungen – vor der unbekannten Bedrohung. Text: Fiona Geuß

Mirjam Völker

Hinters Licht – Einzelausstellung
8. Juli – 1. August 2015
Eröffnung: 8. Juli 2015, 17 – 21 Uhr

Galerie Eigen + Art

 

Veröffentlicht am: 20.07.2015 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst, | Tag: eigen + art, Mirjam Völker,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verpasse keinen Kunst Event mehr...

Holler Box