Neues von der Künstlersozialkasse

Neues von der Künstlersozialkasse - Jeannette Hagen

Vielleicht hast Du davon gehört – vielleicht bist Du selbst betroffen: Über Künstler*innen und all jenen, die in der Künstlersozialversicherung versichert sind, schwebt derzeit das Damoklesschwert des Rauswurfs, wenn sie zu viele Nebeneinkünfte haben. „Zu viel“ ist allerdings relativ, denn dieses „zu viel“ reicht nicht, um davon zu leben. Nun haben wir aber eine Pandemie, seit über einem  Jahr haben die meisten Künstler*innen überhaupt keine andere Chance als über Nebenjobs dazuzuverdienen, wenn sie nicht in Hartz4 fallen wollen.

Bisher war es so geregelt, dass man die Grenze von 5.400 Euro Gewinn im Jahr aus anderen Tätigkeiten nicht übersteigen durfte, anderenfalls konnte man nicht mehr über die Künstlersozialkasse in der Kranken- und Pflegekasse versichert sein. Das bedeute aber, dass man sich selbst freiwillig versichern musste und mit den damit einhergehenden höheren Beiträgen im Grunde der Zuverdienst wieder futsch war.

Nun will Hubertus Heil einlenken und zumindest für die Jahre 2021 und 2022 den Satz erhöhen. Das bedeutet einen möglichen Zuverdienst von 1.300 Euro pro Monat. Kein Grund zum Jubeln, denn viele mussten 2020 bereits auf Nebenjobs ausweichen, weil sie ihre eigentliche Tätigkeit nicht oder nur in geringem Umfang ausführen konnten. Da die KSK rückwirkend Stichproben macht und Steuerunterlagen prüft, droht sicher einigen eine saftige Nachzahlung.

Trotzdem bedeutet der Gesetzentwurf für die rund 200.000 in der KSK Versicherten eine Erleichterung und es ist zu hoffen, dass er von der Regierung rasch abgesegnet wird, eine Anhörung der Verbände dazu gibt es am 17. Mai 2021.

Zu hoffen wäre auch, dass es zukünftig grundsätzlich eine Möglichkeit für Kunst- und Kulturschaffende gibt, schnelle und unbürokratische Hilfe zu bekommen, damit sie gar nicht erst in Schwierigkeiten geraten. Viele arbeiten am Limit, verdienen aber trotzdem sehr wenig und haben überhaupt keine Chancen, Rücklagen zu bilden. Nun kann der Staat nicht für alles verantwortlich sein, trotzdem sei immer wieder die Frage erlaubt, ob man nicht jene, die definitiv zum Gemeinwohl beitragen, auch in irgendeiner Form dafür belohnen sollte. Wir werden das beobachten.

Veröffentlicht am: 05.05.2021 | Kategorie: Ausstellungen, Kultur, Kultur - was sonst noch passiert, Kunst, Kunst - was sonst noch passiert, Redaktion-Tipp, | Tag: Kolumne Jeannette Hagen,

Eine Idee zu “Neues von der Künstlersozialkasse

  1. Tom sagt:

    Ein informativer, und -weil praktisch sehr nutzbarer- Beitrag, der sicher vielen helfen kann, die sich ohnehin existenziell bedroht fühlen und als Menschen “3. Klasse” erleben – nach Beamten, Managern, Automobil-Arbeitern. Da kommt nämlich erst mal lange nichts … Und während Konzerne gerettet werden, werden diejenigen, die sonst ja gut genug sind zur Belustigung der jetzt primär unterstützten “Privilegierten”, wie Parias in den sozialen Abgrund getrieben..

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