Kolumne: Walton Ford Aquarelle in der Galerie Max Hetzler

Walton Ford, Aquarelle, Galerie Max Hetzler, Berlin, 18 June – 14 August 2021. Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London © Walton Ford. Photo: def image

Eine Kolumne von Jeannette Hagen. Vergangenes Wochenende hat mich mein Weg in ein Naturschutzgebiet vor den Toren Berlins geführt. Eine Heidelandschaft inmitten der Brandenburgischen Kiefernödnis, entstanden auf einem ehemaligen Militärgelände. Ich liebe solche Ausflüge, insbesondere wenn sie mir die Gelegenheit geben, mich als Stadtmensch auf die Natur einzulassen. Dann geht mein Herz bei jedem Käfer, Vogel, Schmetterling, den ich entdecke, auf und hüpft vor Freude. So auch an diesem Tag, denn ohne es zu ahnen, bin ich gleich zwei Vertretern gefährdeter Arten begegnet. Einem Marienprachtkäfer und einem Wachtelweizen-Scheckenfalter. Nie gehört? Ich auch nicht. Ich musste nachschlagen.

Was diese beiden Insekten mit den Bildern von Walton Ford zu tun haben? Jede Menge. Irgendwann werden diese Arten von dieser Erde verschwinden. Sang- und klanglos, leise. Viele von uns werden ihnen bis dahin selten bis nie begegnet sein. Vielleicht in der Kindheit mal, als es noch viele Schmetterlinge und anderes Krabbelgetier gegeben hat. Weißt Du, wie viele Arten in den letzten zehn Jahren ausgestorben sind? 160. Und das sind nur die, von denen man es weiß. 160 Arten, die es einfach nicht mehr gibt. Die vermutlich der Mensch von diesem Planeten verdrängt hat.

Wenn ich vor den eindrücklichen Bildern von Walton Ford stehe, dann kann ich gar nicht anders, als an dieses ambivalente bis zerrüttete Verhältnis, das wir zur Natur und zu den Tieren pflegen, zu denken. Wir überschütten Haustiere mit unserer Liebe und lassen zu, dass so viele andere Tiere leiden, sterben, aussterben.

Walton Ford, Aquarelle, Galerie Max Hetzler, Berlin, 18 June – 14 August 2021. Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London © Walton Ford. Photo: def image
Walton Ford, Aquarelle, Galerie Max Hetzler, Berlin, 18 June – 14 August 2021.
Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London © Walton Ford.
Photo: def image

Ford erzählt mit seinen farbenprächtigen Tiermotiven Geschichten. Wahlweise kann man sie als Menschen betrachten oder in ihrer einzigartigen Darstellung den Kampf sehen, den wir mit ihnen führen. Vor Fords Bildern zu stehen, ist weniger angenehm als man angesichts der kunstvollen und sehr detaillierten Werke meinen würde. In ihnen steckt etwas, das uns Menschen vorführt, entblößt und Scham weckt. Plötzlich sind wir die, die im Käfigen sitzen, gejagt oder benutzt werden. Wahlweise schauen wir auch in einen Spiegel, alles vergrößert, was wir gern von uns weisen.

Vielleicht empfindet das nicht jede/r so – vielleicht siehst Du nur grandios gemalte Werke, von denen einige auch durchaus etwas Humoriges in sich tragen. Das ist ja das Großartige an Fords Bildern – sie lassen Deinen Interpretationen viel Raum. Es sind Bilder, die neue Bilder erschaffen.

Walton Ford, Aquarelle, Galerie Max Hetzler, Berlin, 18 June – 14 August 2021. Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London © Walton Ford. Photo: def image
Walton Ford, Aquarelle, Galerie Max Hetzler, Berlin, 18 June – 14 August 2021.
Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London © Walton Ford.
Photo: def image

Einige seiner Werke kannst Du noch bis zum 14. August 2021 in der Max Hetzler Galerie in der Bleibtreustraße 45 bewundern.

Galerie Max Hetzler

Gewinnspiel

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Veröffentlicht am: 23.07.2021 | Kategorie: Ausstellungen, Kolumne Jeannette Hagen, Top 3,

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