Miguel Rothschild – The Splendor

Miguel Rothschild - The Splendor

Wasser, das kein Wasser ist. Licht, das lügt. Miguel Rothschild zeigt in seiner Einzelausstellung The Splendor bei Kuckei + Kuckei, wie nah Glanz und Täuschung beieinanderliegen – und warum die schönsten Oberflächen die gefährlichsten sind.

Miguel Rothschild bei Kuckei + Kuckei: Zwischen Glanz und Abgrund

Ein See. Schimmernd steigt Dunst an der Wasseroberfläche auf. Dahinter der Wald, darüber die Sonne, von Wolken bedeckt. Der Schein jedoch trügt. Die Wasseroberfläche ist keine – vielmehr ist sie ihre eigene Spiegelung – vielmehr also täuscht sie den Blick. Nebel erstrahlt blendend hell, nur um gleich wieder in mattgraue Dunkelheit zu sinken. Tritt man heran, erscheinen Konturen, das Bild wird lebendig, schwarze Zeichnung offenbart sich, wie aus dem Nichts.

Es ist der Wechsel der Verhältnisse. Dort, wo der Norden zum Süden wird, wo sich also die Himmelsrichtung umkehrt – dort, wo Wasser zu Himmel, das Oben zum Unten wird, wo selbst Licht und Schatten sich verkehren – genau dort entstehen die Bildräume von Miguel Rothschild. Die dazugehörigen Denkräume im Spannungsfeld von Spiritualität, Glauben und Mythos, von religiöser Überhöhung und profaner Ästhetik, schließen sich wie selbstverständlich an. Rothschilds Interesse an der Ambivalenz, seine Begeisterung für das Geheimnis des Nebel-haften ebenso wie für die Kraft blendend weißen Lichts, bilden den Ausgangspunkt für seine neuen Arbeiten.

The Splendor: Neue Werkgruppen von Miguel Rothschild

Die Ausstellung ‚The Splendor‘ versammelt Werke, die im Laufe des letzten Jahres entstanden sind und neue Arbeitsweisen in Rothschilds Oeuvre präsentieren: Für die großen Formate mit dem Titel Nöck nutzt der Künstler stark reflektierendes Material als Motivträger, das er zusätzlich mit Kohlezeichnungen überzieht. Inspiriert vom gleichnamigen Wassergeist, einem Wesen der nordischen Mythologie, der die Menschen als sich verwandelnde Gestalt in die Tiefe lockt, verändert sich das Werk je nach Standpunkt des Betrachters und in Abhängigkeit der Lichtverhältnisse. Über den Dialog zwischen der erdig taktilen Schwärze der Zeichenkohle und dem reflektierenden Licht, das aus dem Inneren des Bildgrundes selbst zu dringen scheint, konstruiert Rothschild einen Raum, dessen Eindruck man sich kaum entziehen kann. ‚Splendor‘ meint nicht einfach den strahlenden Glanz, sondern eine stetig mutierende Kraft. Nöck ist letztlich die Erinnerung der Romantik: „Alles Sichtbare haftet am Unsichtbaren“ (Novalis).

Doppelgänger: Die gespaltene Wirklichkeit

Die Werke mit dem Titel Doppelgänger konfrontieren den Betrachter dagegen mit einer gespaltenen Wirklichkeit. Rothschild bricht die natürliche Ordnung des Landschaftsmotivs hier durch eine 180- Grad-Drehung. Die Spiegelung, als Inhalt des Motivs, verdoppelt nicht nur das Bild. Der Künstler erzeugt durch die Verwendung unterschiedlicher, vor dem Motiv gelagerter Gläser, von denen eines an umgekehrter Stelle eine flüssige Oberfläche imitiert, ein beunruhigendes ‚Anderes‘. Der Glanz ist hier eine Illumination, die desorientiert. Es ist die Begegnung mit einer Spiegelwelt, in der das Sonnenlicht in die Tiefe des Wassers getaucht ist. Die physische Klarheit des Glases im unteren Bildteil materialisiert das, was eigentlich immateriell ist. Die Schönheit überzeugt, indem sie vorführt, dass die Welt, die wir kennen, eine ‚heilige‘ Rückseite hat. Einen ‚spektralen Zwilling‘, der sich nur offenbart, wenn wir es wagen, die Kehrseite der Dinge zu betrachten.

Miguel Rothschild – The Splendor

30. April – 06. Juni 2026

Kuckei + Kuckei

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