Performance: An meine Ahn*innen. Trans*- Formationen in Raum und Zeit mit Dan Dansen

An meine Ahn*innen. Trans*- Formationen in Raum und Zeit mit Dan Dansen, Foto: © Bikepunk Productions

Filmemacher*in und Fotograf’*in Dan Dansen (they/them) lädt ein zu An meine Ahn*innen. Trans*-Formationen in Raum und Zeit, um sich auf die Suche nach Trans*-Ahnenschaft in Europa zu begeben – mit dem eigenen Körper.

An meine Ahn*innen. Trans*-Formationen in Raum und Zeit ist eine Performance zur Beleuchtung der europäischen Geschichte aus der Perspektive von Trans*-Personen. Dabei begeben sich Künstler*in und Publikum auf die Suche nach Trans*-Ahnenschaft in Europa. Denn: eine Geschichtsschreibung aus Trans*-Perspektive ist erst am Entstehen. Wie hat Trans*-Leben vor dem Zeitalter der Aufklärung und der damit verbundenen Pathologisierung ausgesehen? Wie reich könnte unsere Welt heute sein, wenn sie ihr Erbe an uns übergeben hätten? An meine Ahn*innen. Trans*-Formationen in Raum und Zeit sucht Antworten auf diese Fragen, indem eine nicht-binäre Person durch ein Ritual der Gender-Euphorie – der Lust am Trans*-Sein – Trans*-Ahn*innen anruft.

“Als nicht-binäre Trans*-Person vermisse ich eine Geschichtsschreibung aus Trans*-Perspektive”, erzählt Dan Dansen über das Projekt. “Ich fühle ich mich oft entwurzelt, da die offizielle Geschichtsschreibung in Europa nur Männer und Frauen kennt. Wer sind meine Trans*-Ahn*innen? Wie waren nicht-binäre Lebensentwürfe in die paganen – den Naturreligionen näher stehenden Kulturen Europas eingebunden?”

An meine Ahn*innen. Trans*- Formationen in Raum und Zeit mit Dan Dansen, Foto: © Bikepunk Productions
An meine Ahn*innen. Trans*- Formationen in Raum und Zeit mit Dan Dansen, Foto: © Bikepunk Productions

Hexenverfolgung, queere Tier- und Pflanzenwelten & eine feministische Utopie der Gemeinsamkeit

An meine Ahn*innen. Trans*-Formationen in Raum und Zeit untersucht die Geschichte des heutigen Europa nach Spuren von Personen, die aus heutiger Perspektive als Trans* gelesen werden könnten. Die Performance ist der Entwurf einer feministischen Utopie der Gemeinsamkeit. In dieser Performance dient ein nicht-binärer Körper als Projektionsfläche für Videomaterial. In dem Videomaterial spiegelt sich die Trans*-Geschichte Europas: Hexenverfolgung, die Eingebundenheit von gendervarianten Konzepten in paganen (heidnischen) Traditionen Europas, queere Tier- und Pfanzenwelt, sowie die Welt der paganen Gottheiten und Geister, die aus heutiger Perspektive transgeschlechtlich, queer und feministisch erscheinen. Diese Bilder verbinden sich mit einer Soundscape aus Drones und experimenteller elektronischer Musik, die eine Sogwirkung erzeugen und somit eine immersive Erfahrung ermöglichen. Die Sound-Landschaft entsteht in Zusammenarbeit mit dem*der nicht-bi- näre*n Musiker*in CNM.

Verbunden werden die visuellen und akustischen Elemente mit Textfragmenten von nicht-binärer Geschichte, um Geschichte neu zu schreiben. Das Ziel der Performance ist es, eine Traditionslinie von Trans*-Ahnenschaft zu zeichnen, die in der bisherigen Geschichtsschreibung weitgehend ignoriert wird. Auf Grundlage dieser Performance soll zudem einen Experimentalfilm entstehen, der die Performance in ein lagerfähiges, zeitbasiertes Medium übersetzt und somit Trans*-Geschichte für spätere Generationen zugänglich macht.

Queere wissenschaftliche Ansätze und Queer Reading als methodische Ausgangspunkte

Bisher gibt es wenig Literatur zu Trans*- und nicht-binären Identitäten vor der Renaissance in Europa. An meine Ahn*innen. Trans*-Formationen in Raum und Zeit nimmt daher starke Bezüge auf queere Ansätze in der Geschichtswissenschaft, die sich explizit aus queerer Perspektive mit historischen Personen und Ereignissen beschäftigen, wie etwa die Medieval Trans Studies. Des weiteren wird die Praxis des Queer Readings auf bestehende Erzählungen angewendet um zu erfragen, was sich zwischen den Zeilen der offiziellen Geschichtsschreibung an Spuren nicht-binären Lebens findet. Ziel ist die Recherche von historischen Personen, deren Geschichte Anlass zur Vermutung gibt, dass es sich um Personen mit einer nicht-binären Identität gehandelt haben könnte. Die Deutungen erfolgen mit der gegebenen Vorsicht und dem Wissen, dass unsere heutigen Konzepte von Trans* und Nicht-Binarität sich nicht eins zu eins auf frühere Zeiten übertragen lassen. Queeres Leben in der Tier- und Pflanzenwelt wird ebenfalls in das Projekt einfließen, um die Idee eines naturgegebenen, binären Geschlechtermodell zu entkräftigen.

“Kunst verstehe ich in diesem Projekt als eine politische Praxis, die zwischen Forschung und Gedankenexperimenten vermittelt und die durch Fiktionalisierung eine eigene Geschichtsschreibung vornehmen kann”, erklärt Dansen weiter. “ “An meine Ahn*innen. Trans*-Formationen in Raum und Zeit” kreiert diese Erzählung und untersucht gleichzeitig, wie sie sich auf meinen Körper im Raum auswirken. Wann und wie zeigen sich Entfremdung? Wo und wie zeigt sich Gender-Euphorie, die Lust am Trans*- Sein?”

Feministisches, queeres und dekoloniales Projekt zur eigenen, auch fiktiven, Geschichtsschreibung

Die Zuschauenden befinden sich in einer Art Gewächshaus und sind umschlossen von einem Garten queerer Pflanzen, die Sexualität und Geschlecht neu denken lassen. Die Pflanzen umgeben die Zuschauenden mit ihrer queeren Präsenz. An meine Ahn*innen. Trans*-Formationen in Raum und Zeit versteht sich damit als feministisches, queeres und dekoloniales Projekt, das gängige Denkstrukturen und Wissensproduktion infrage stellt und mit einer eigenen Geschichtsschreibung konfrontiert. Denn zu der Vorstellung, wie Trans*-Personen vor unserer Zeit gelebt haben, gehört notwendigerweise auch ein gewisses Maß an Fiktion. Kunst kann somit die Lücke zwischen Geschichtsschreibung und reiner Fiktion schließen und so eine Gegen-Erzählung in einem größeren gesellschaftlichen Rahmen leisten.

Für das Bühnenbild sind Lee Stevens und Sonja Schreiber verantwortlich, die gemeinsam den queeren botanischen Garten erschaffen werden. Die Klanginstallation, die durch die Performance führt und die den Garten rahmt, wird von Dan Dansen gestaltet.

“Ich gespannt darauf, in eine schillernde historische Welt nicht-binärer Perspektiven, Geschichten und Wesen einzutauchen, von der ich mir sicher bin, dass sie nur darauf wartet, sich mir zu zeigen”, so Dansen.

“Mit “An meine Ahn*innen. Trans*-Formationen in Raum und Zeit” lade ich die Zuschauenden auf eine gemeinsame Spurensuche in der Geschichte ein.”

An meine Ahn*innen. Trans*- Formationen in Raum und Zeit mit Dan Dansen

Uraufführung: 1. Juli 2022, 20:00 Uhr (Einlass: 19:30 Uhr)

Weitere Aufführung am 2.7.22

galerie futura

Veröffentlicht am: 18.05.2022 | Kategorie: Kunst, Kunst - was sonst noch passiert,

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