Berlin wird zur Bühne einer existenziellen Drift: In der immersiven Schau von Raimund Schucht im Kunstraum 720°+ MMAE verschmelzen Architektur, Klang und Skulptur zu einem hölzernen Floß unserer Zeit. Inspiriert von Géricaults berühmtem Schiffbruch, navigiert Schucht durch die stürmischen Gewässer zwischen kollektiver Verunsicherung und der Suche nach dem eigenen Kurs. Ein begehbarer Albtraum, der die Fragilität unserer gesellschaftlichen Ordnung so radikal wie ästhetisch seziert.
Raimund Schucht Kunstraum 720°+ MMAE: Navigieren im Ungewissen
ON THE RAFT OF THE MEDUSA ist eine immersive Ausstellung von Raimund Schucht. Ein skulpturales Ensemble aus Holz, Licht, Klang und Text verdichtet sich zu einer vielschichtigen Welt, in der sich Strukturen der Gegenwart spiegeln.
Zwischen Kollektiv und Individuum: Eine Gesellschaft im Umbruch
„We’re on the raft of the Medusa and it’s getting dark“… Gefüllt mit Passagieren und geprägt von Werteverlust treibt eine verunsicherte Gesellschaft auf einem unsicheren Floß. Figuren verändern sich, lösen sich auf und fügen sich neu zusammen. In der Verschlingung der Körper wird eine kollektive Verunsicherung sichtbar, die über das Individuum hinausweist.
In der Enge entscheidet sich, wer bestimmt und wer folgt: Mehrheit oder Einzelne. Die Skulpturen greifen das berühmte Gemälde Das Floß der Medusa von Théodore Géricault auf und verlagern die historische Katastrophe in die Gegenwart. Selbstbestimmung zeigt sich als Behauptung eines eigenen Kurses im Spannungsfeld kollektiver Kräfte.
3D-Malerei und die Fragilität der Ordnung
Die Ausstellung kreist um die Fragilität menschlicher Ordnungen – gesellschaftlich wie persönlich. In Figuren und Fragmenten untersucht der Künstler das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft, Erinnerung und Gegenwart, Selbstbild und Fremdzuschreibung.
Wiederkehrend stellt sich die Frage, wie Identität unter kollektivem Druck entsteht oder zerfällt. Körper fragmentieren, Formen kippen ins Groteske, Mythen und popkulturelle Bilder überlagern biografische Spuren.
Die Bühne als Bildfläche: Raimund Schuchts Arbeitsweise
Die Arbeiten verbinden persönliche Erzählungen mit gesellschaftlichen Beobachtungen und verhandeln Macht und Ohnmacht, Ideal und Realität. Es entstehen Tableaus ohne eindeutige Antworten, die Ambivalenzen und Übergänge sichtbar machen.
Raimund Schucht, geboren 1981 in Siegen, lebt und arbeitet in Berlin. In seiner 3D-Malerei verbindet er Zeichnung, Malerei und skulpturale Elemente zu einem mehrdimensionalen, szenischen Ansatz. Der Raum fungiert dabei als aktive Bildfläche: Flach bearbeitete, papierartig bemalte Ebenen oszillieren zwischen Zwei- und Dreidimensionalität und erzeugen komplexe räumliche Situationen.
Durch das Verschieben und Neuordnen von Formen, Linien und Körpern werden gesellschaftliche Wahrnehmungsmuster in räumliche Erfahrungsräume überführt. Schucht absolvierte eine Ausbildung zum Raumausstatter, studierte Architektur (Dipl.-Ing.) und vertiefte seine Praxis mit einem Master of Arts in Szenischem Raum / Bühnenbild. Neben seiner künstlerischen Arbeit ist er als freiberuflicher Szenograf und Bühnenbildner im Kontext von Kunst und Kultur tätig.
ON THE RAFT OF THE MEDUSA
30. April 2026 – 21. Mai 2026
Veranstaltungsort: Kunstraum 720°+ MMAE
Karl-Heinrich-Ulrichs-Str. 1610785 Berlin


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