Gegenständlichkeit und künstlerische Reflexion: Almut Heise, Birgitt Bolsmann und Rissa beim Kunsthandel Wolfgang Werner, Berlin

Drei Künstlerinnen, drei Perspektiven, ein gemeinsamer Impuls: die Rückkehr zur Figuration. Almut Heise, Birgitt Bolsmann und Rissa wagten in den 1960er Jahren den Bruch mit dem Abstrakten und setzten auf das Gegenständliche – jede auf ihre Weise, jede mit eigener Handschrift. Ihre Werke erzählen von Interieurs, Identitäten und Idealen, die bis heute nachwirken. Was bewegt eine Generation von Künstlerinnen dazu, die Realität neu zu deuten? Die Ausstellung im Kunsthandel Wolfgang Werner lädt dazu ein, diesen Fragen nachzuspüren.

Anlässlich des Gallery Weekend 2025 richtet der Kunsthandel Wolfgang Werner, Berlin, den Fokus auf drei bedeutende Künstlerinnen der gegenständlichen Malerei: Almut Heise, Birgitt Bolsmann und Rissa. Ihre Werke stehen exemplarisch für jene Strömung der frühen 1960er Jahre, die sich bewusst von Abstraktion und Informel absetzte. Besonders die Zeichnung spielt dabei eine zentrale Rolle – als Medium der Reflexion und als eigenständige Ausdrucksform.

Sorgfältig konstruiert Almut Heise (*1944), die in Hamburg und London studierte, ihre Kompositionen. Seit Mitte der 1960er Jahren entsteht ein umfangreicher auf Interieurs und Portraits konzentrierter Werkblock an Zeichnungen und farbigen Papierarbeiten, zunächst vorbereitend für Gemälde, später als autonomere Arbeiten. Heise schafft keineswegs realistische Abbilder, sondern sie stilisiert mit scharfer Beobachtung ihre Sujets, die von Raum und Zeit entrückt scheinen. Jeder Faltenwurf, jedes Tapetenmuster, jede Geste wird so lange erprobt, bis der „ersehnte Raum“ entstanden ist.

Birgitt Bolsmann (1944–2000) versuchte sich noch während ihres Studiums in Hamburg an einer gegenständlichen Bildsprache. Ihre Motive findet sie in der Modefotografie und plakativen Werbung, die sie auf das darin propagierte Frauenbild kritisch hinterfragt. In ihrer Malerei fixiert sie glasklar und mit kühler Farbgebung das Sujet. Unsere Werkauswahl zeigt, dass Bolsmann eine hervorragende Zeichnerin war. Seit 1973 entstanden perfekt ausgeführte, realistische Bleistiftzeichnungen von Portraits, Masken und Gewandstudien in dichten, optisch fein abgestuften Grautönen.

Einen anderen Ansatz vertritt Rissa (*1938) mit ihrer künstlerischen Konzeption, die sie am Ende ihres Studiums an der Düsseldorfer Akademie 1964 formuliert. Ihr geht es darum, sowohl inhaltlich als auch formal eine zukunftsträchtige Malerei zu erschaffen, die für sie aus einer Synthese gegenstandsbezogener und abstrahierender Ansätze besteht. Formal greift sie dazu auf kleinteilige Form-Farbstrukturen zurück, die im flächigen Nebeneinander die Konturen der Bildobjekte ergeben. Das Medium Zeichnung nutzt Rissa begleitend im Arbeitsprozess für ein Leinwandbild; gleichwohl gibt es in ihrem Werk autonome, durchaus großformatige Blätter, in denen sie eine Bildidee in Serie variiert.

Almut Heise, Birgitt Bolsmann und Rissa

01. bis 05. Juli 2025

Kunsthandel Wolfgang Werner, Berlin

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