El Hadji Sy in der Galerie Barbara Thumm

El Hadji Sy

Raues Jutegewebe trifft auf tiefschwarzen Teer und die energetischen Spuren einer Malerei, die einst mit den Füßen entstand. In der Galerie Barbara Thumm erlebst du die kompromisslose Kunst von El Hadji Sy, der seit den 1980ern die Grenzen der Leinwand sprengt. Seine Werke sind keine bloßen Bilder, sondern physische Widerstände gegen westliche Normen. Diese Ausstellung schlägt die Brücke von historischen Arbeiten bis hin zu aktuellen Positionen und zeigt dir, warum Sy als einer der einflussreichsten Vordenker der zeitgenössischen afrikanischen Kunst gilt. Tauche ein in eine Welt, in der Materialität und Aktivismus zu einer kraftvollen, taktilen Einheit verschmelzen.

Die Evolution der Materialität: El Hadji Sy in der Galerie Barbara Thumm

Im Zentrum der Ausstellung steht ein facettenreicher Dialog zwischen aktuellen Arbeiten und einer Auswahl historischer Werke, die bis in das Jahr 1981 zurückreichen. Diese Gegenüberstellung ermöglicht eine präzise Lesart von Sys kontinuierlicher Auseinandersetzung mit Materialität, Körperlichkeit und performativen Strategien, die sein Œuvre seit den frühen Jahren prägen. Gleichzeitig wird die radikale Unabhängigkeit seiner künstlerischen Praxis sichtbar, die sich konsequent außerhalb westlich dominierter Kanons entwickelt hat und bis heute einflussreich bleibt. Einige der gezeigten Arbeiten waren zuvor im Weltkulturen Museum zu sehen.

Parallel dazu ist El Hadji Sy in der Ausstellung Tirailleurs – Vom Kanonenfutter zur Avantgarde im Haus der Kulturen der Welt (21. März – 14. Juni 2026) vertreten. Diese Gruppenausstellung versammelt internationale künstlerische Positionen und untersucht die Geschichte der Kolonialtruppen sowie deren anhaltende kulturelle und politische Resonanz. Sys Beitrag verortet sein Werk innerhalb zeitgenössischer dekolonialer Diskurse und unterstreicht dessen bleibende Relevanz im globalen kunsthistorischen Kontext.

Zwischen Aktivismus und institutioneller Kritik

El Hadji Sy gilt als eine der zentralen Figuren der zeitgenössischen westafrikanischen Kunst. Seit den 1970er-Jahren hat er eine Praxis entwickelt, die Malerei, Performance und Institutionenkritik vereint. Als Künstler, Kurator und Aktivist spielte er eine Schlüsselrolle beim Aufbau unabhängiger Kunststrukturen im Senegal und positionierte sich bewusst gegen die kulturpolitischen Vorgaben der sogenannten École de Dakar. Sein Werk zeichnet sich durch ein konsequentes Streben nach künstlerischer Autonomie und eine kritische Auseinandersetzung mit postkolonialen Machtverhältnissen aus.

Ein entscheidender Moment in seiner künstlerischen Entwicklung ist die bewusste Abkehr von traditionellen Maltechniken. Jahrelang malte Sy mit den Füßen – eine radikale Geste, die sowohl als Erweiterung seines künstlerischen Ausdrucks als auch als Widerstand gegen westlich geprägte Kunstvorstellungen zu verstehen ist. Diese performative Dimension ist in seinem Werk bis heute präsent und prägt maßgeblich das Verhältnis zwischen Körper, Material und Bildträger.

Die Malerei jenseits der Leinwand

Den Kern seines Schaffens bildet die Malerei, die er beständig über ihre klassischen Grenzen hinausführt. Seit den 1980er-Jahren verwendet er häufig Reissäcke aus Jute, Industriematerialien oder recycelte Trägermedien, die er mit Öl, Acryl, Teer oder Wachs bearbeitet. Die so entstehenden Arbeiten zeichnen sich durch eine rohe, taktile Qualität aus, während sie gleichzeitig auf globale Warenströme und ökonomische Beziehungen verweisen. Seine Bildsprache ist geprägt von gestischen Linien, fragmentierten Figuren und symbolischer Dichte, die sich zwischen Abstraktion und Figuration bewegt.

Zu den wichtigsten internationalen Ausstellungen von El Hadji Sy gehören die documenta 14 (2017) in Kassel und Athen, die Dak’Art Biennale, seine Einzelausstellung im Weltkulturen Museum (2010) in Frankfurt am Main sowie seine Teilnahme an der Gruppenausstellung Me, Myself, I Dance Too. Summer-Dream-Prélude to Hannah Arendt (2024) in der Kestner Gesellschaft. Diese Präsentationen haben maßgeblich zur internationalen Sichtbarkeit seines Werks beigetragen und seine Position innerhalb globaler zeitgenössischer Kunstdiskurse gefestigt.

El Hadji Sy

21.03.2026 – 18.04.2026

Galerie Barbara Thumm

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert