100 jahre bauhaus II in der Alfred Ehrhardt Stiftung

100 jahre bauhaus II: DAS WATT: David Batchelder | Alfred Ehrhardt

Alfred Ehrhardts fotografisches Erstlingswerk DAS WATT (1933–36) ist eine Ode an die Natur. Es zählt zu den herausragenden Bildleistungen der Avantgarde-Fotografie der 1930er Jahre und bildet die »Crème de la Crème« seines fotografischen Werks.

Die künstlerische Qualität dieser Serie sucht auch unter den Meistern der Fotografie der Neuen Sachlichkeit Ihresgleichen. Am Dessauer Bauhaus im Vorkurs von Josef Albers formiert, faszinieren Ehrhardt die durch Wind und Wasser täglich neu entstehenden abstrakten Strukturen im Sand, die ihn an den Materialkundeunterricht erinnern, wo man »Struktur, Textur und Faktur« von Materie erfasste. Dem Prinzip der Bildserie folgend, spürt er durch den Vergleich der täglich neu erschaffenen Formvariationen den natürlichen Gesetzmäßigkeiten im Zusammenwirken der Naturkräfte nach. Bewusst suggeriert seine Typologie der Sandriffelbildungen eine Verbindung von Mikro- und Makrokosmos.

Anders als Alfred Ehrhardt arbeitet der US-Fotograf David Batchelder (* 1939) bewusst mit digitaler Kamera, um dem Küstenstreifen der Isle of Palms seines Heimatortes Charleston in South Carolina erstaunliche Sandformationen zu entlocken, die laut Batchelder mit analoger Technik im Verborgenen geblieben wären: “Meine Fähigkeit zum Sehen nahm zu, weil ich tausende von Fotografien machen und anschauen konnte. Das hat mein Sehvermögen verbessert. Heute erkenne ich viele interessante Dinge im Sand, die zwar vorher schon da waren, die aber jenseits meines Sehvermögens lagen.” Batchelder geht bewusst mit der menschlichen Wahrnehmung um: Die Abstraktion des auf wenige Informationen reduzierten Naturmotivs erzeugt verborgene Vorstellungen. Es erscheint fast unmöglich, in diesen Bildern keine konkreten Motive zu entdecken. Etwas in uns möchte Gesichter, Figuren, eine Landschaft oder eine Galaxie sehen, und doch sehen wir nur herab auf ein kleines Stück Strand.

Anders als Ehrhardt interessiert Batchelder nicht die Gesetzmäßigkeiten der Struktur, sondern das Chaotische, Absonderliche, Surreale, Nicht-Rationale, kurz: die Welt des Traums und der Phantasie. Batchelders Freiheit des Spielerischen steht gegen Ehrhardts sachliches Ordnungsgefüge, Wissenschaft gegen Poesie.

LAUFZEIT: 27. April bis 7. Juli 2019

Eröffnung: Freitag, 26. April 2019, 19–21 Uhr
Kuratorin: Dr. Christiane Stahl

Veranstaltungen zur Ausstellung:
Sonntag, 28. April 2019, 14 Uhr: Künstlergespräch mit David Batchelder und Dr. Christiane
Stahl, Alfred Ehrhardt Stiftung

Alfred Ehrhardt Stiftung

Veröffentlicht am: 14.03.2019 | Kategorie: Ausstellungen,

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