Der Himmel unter Berlin – Kunst an geheimen Orten

Himmel unter Berlin - Jeanette Hagen für Kunstleben Berlin

Die Karten für die Ausstellung “Der Himmel unter Berlin” waren schnell vergriffen, erzählt uns der Mann am Eingang. Verständlich bei diesem Konzept: Ausstellungen an Orten, die kaum einer kennt, die vielleicht irgendwann verschwinden, weil eine Umnutzung ansteht. Viele gibt es nicht mehr davon in der Hauptstadt. Umso faszinierender ist es, dort zu sein.

Schon nach den ersten Metern scheint der Alltag unendlich weit entfernt. Durch einen beleuchteten Gang geht es in das Kellersystem eines ehemaligen Weinlagers. Hinter dem ersten Vorhang verbirgt sich – rot ausgeleuchtet – eine Bar. Menschen sitzen auf großen Sitzkissen, oder lehnen an einem Gerüst, durch das sich eine zweite Ebene in dem hohen Gemäuer erschließt. Die Stimmung regelt zwischen Freude, Neugier und Gelassenheit, man schaut sich gegenseitig an, nickt vielleicht kurz und irgendwie fühlt man sich verbunden in einer gewissen Heimlichkeit. Jede*r weiß: Wir sind ein Club, eine exklusive Community. Mit der personalisierten Underground-Card, die jede*r am Eingang erhalten hat, kommt man automatisch in alle Folgeausstellungen. Und darf noch eine weitere Person einladen.

Himmel unter Berlin - Jeanette Hagen für Kunstleben Berlin
Himmel unter Berlin, Foto@Jeannette Hagen

Versteckte Orte, die nach und nach verschwinden

Durch eine geheimnisvolle und bewachte Schranktür geht es weiter ins Innere. Vorher erinnern einige Fotos an den Wänden an eine legendäre Ausstellung Anfang der 2000er, die von der Polizei geräumt wurde. Damals – von der Wende bis zu dieser Zeit – übten unsanierte Gebäude und verlassene Orte eine magische Anziehungskraft aus. Häuser wurden besetzt, Bars, Clubs, Ateliers und Galerien entstanden – man feierte, so lange bis jemand kam und es verbot. Die Clubszene wuchst in einem rasanten Tempo und immer wieder wurde ein neuer Ort gefunden, den man interimsweise nutzen konnte. Ein bisschen davon steckt heute hinter dem Konzept “Der Himmel unter Berlin”, das unter anderem von der Initiative „Transiträume“ unterstützt wird.

Himmel unter Berlin - Jeanette Hagen für Kunstleben Berlin
Himmel unter Berlin, Foto@Jeannette Hagen

Kunstinstallationen im Underground

Was sich hinter der Schranktür verbirgt, lässt alle, die sie passiert haben, erst einmal staunen. Plötzlich steht man in einem riesigen Gewölbegang, von dem rechts und links jeweils sechs weitere Gewölbe abgehen. Allein dort zu stehen, ist absolut faszinierend. Und genau diese Vergänglichkeit spiegelt sich auch in den zwölf Installationen, die 14 internationale Künstler*innen für diese Ausstellung kreiert haben.

Gleich im ersten Raum, der rechts abgeht, erwartet die Besucher*innen die Licht- und Klanginstallation von Stefan Reiss. Ineinander verschlungene Stäbe und Schnüre, per Beamer beleuchtet. Tom Kretschmer (Website) zeigt mit seinen Farbbildern eindrucksvoll, wie sehr die Spuren der Verwüstung, die Menschen durch Rohdung anrichten, denen von Baumschädlingen gleichen. Die Installation “Melt” von Julia Sossinka zieht die Besucher*innen in ein buntes, verwobenes, dreidimensionales Gewirr, das trotz der optischen Wirrheit eine unglaubliche Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt, in die man gern immer tiefer eintauchen würde.

Himmel unter Berlin - Jeanette Hagen für Kunstleben Berlin
Himmel unter Berlin, Foto@Jeannette Hagen

Faszination geheimer Orte

Nachdem man alle zwölf Kellerräume besucht hat, geht es zurück durch den Schrank zur Bar. Dort noch zu verweilen, einen Drink zu nehmen, einige Augenblicke zu Clubsound zu chillen und den Moment des Auftauchens aus dieser unterirdischen, geheimen Welt hinauszuzögern, krönt ein wirklich gelungenes Ausstellungserlebnis. Wer noch Karten ergattern kann, sollte es nicht verpassen. Ansonsten bleibt der Trost, dass man ja vielleicht jemanden kennt, der dieses Mal dabei war und beim nächsten Mal, wenn es wieder “Der Himmel unter Berlin” heißt, ein Gastticket vergibt. Und wenn nicht? Dann lohnt es sich auf Instagram dem Hashtag #HimmelunterBerlin zu folgen.

Himmel unter Berlin - Jeanette Hagen für Kunstleben Berlin
Himmel unter Berlin, Foto@Jeannette Hagen

Veröffentlicht am: 08.04.2022 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst - was sonst noch passiert,

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