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Dodo Dialogues

25. April 2020 - 5. Juni 2020

In der Gruppenausstellung „Dodo Dialogues“ wird die janinebeangallery die Werke von den fünf Künstlern Anna Borowy, Dominik Butzmann, Kathrin Günter, Arny Schmit und Martin Stommel als eine thematische Gegenüberstellung von Mensch und Natur zeigen. Die Gemälde der drei Maler Borowy, Schmit und Stommel haben sowohl Landschaften als auch Tierdarstellungen als Motive, kommen jedoch gänzlich ohne menschliche Gestalten aus. Im Unterschied dazu weisen die Fotografien von Dominik Butzmann als auch die Collagen von Kathrin Günter zwar Menschen als Hauptakteure auf, dennoch sind diese sowohl durch ihre Rollen als Umweltaktivisten oder bei Günter auch durch ihre Umgebung unübersehbar mit Flora und Fauna verbunden.

In Arny Schmits Landschaften zeugt schon die Technik sehr stofflich von Störungen. Schmit verwendet als Träger für seine Ölfarben mehrlagige Pappe, die er an bestimmten Stellen aufschneidet und zum Teil mit einer aufliegenden Leuchtstoffröhre versieht. Seine Motive sind durchaus unidyllische Gefilde, chaotische Vegetation und ungezügeltes, bedrohliches Wetter herrschen vor. Erzeugt und unterstützt wird diese Stimmung durch eine dekonstruktive weil abtragende Wischtechnik, die Farbschichten und Formen wiederholt verzerrt und mit vorangegangenen durchkreuzt. Stark kontrastieren außerdem die einigen Werken quer aufmontierten Leuchtstoffröhren, die sich als Inbegriff von Industrie und Zivilisation hier der gemalten Landschaft auflasten.

Martin Stommel räumt ausschließlich Tieren den Vordergrund in seinen Gemälden der Ausstellung ein. Die fließenden Formen der Körper sind hier dynamisch verwoben mit anderen Tieren und einem Naturhintergrund. Die Tiere sind dicht in den Bildraum gestaffelt, ihre Konturen gehen teilweise ineinander über, wobei der Maler durch einen reduzierten, konzentrierten Farbauftrag die Körper und ihre Bewegungen trotzdem gekonnt hervorhebt und betont. Die Werke „Day 6“ und „Der kleine Garten“ sind an biblische Themen, nämlich Schöpfungsakt und Paradies angelehnt. Anders als bei klassischen Vorbildern ist bei Stommel aber kein Schöpfer selbst in humanoider Gestalt abgebildet. Die Tiere, im Fall von „Der kleine Garten“ nur ausgestorbene, sind allein und selbstgenügsam Pracht der Werke.

Auch in den Gemälden Anna Borowys zur Ausstellung stellen Tiere die Protagonisten und kommen ohne Menschen aus. Jedoch weisen Ausdruck und Positur ihrer Wesen erstaunliche und vertraute Ähnlichkeiten zu menschlichen Zügen auf, was die Beseeltheit von Borowys Fauna verdeutlicht. Ihre anmutigen Geschöpfe zeigen sich als von Gefühlen geprägt, ihre Verfassung ist sowohl körperlich als auch empfindend prekär. Dabei hat die Malerin die Tiere nicht als bloße Platzhalter menschlicher Charaktere eingesetzt, sondern als eigenwertige Gegenüber, bzw. als animistische Ergänzungen abgebildet.

Die Collagen von Kathrin Günter haben sich inhaltlich diverser prominenter Akteure des Umweltschutzes angenommen. Für die „Porträts“ von Personen wie Leonardo Di Caprio, Greta Thunberg oder Jason Momoa hat sich Günter an digitalen Versatzstücken aus deren Instagram Accounts bedient und diese zusammen
mit den Bildelementen von Tieren zu einem neuen Gefüge verknüpft. Das Ergebnis sind hybride Avatare aus Mensch und Tier, mit Symbolen und Gestik ihres ökologischen Engagements ausgestattet und vor dem bedrohlichen Hintergrund von Naturgewalten positioniert. Die dargestellten Persönlichkeiten offenbaren hier ambivalent bis ironisch ihre Stärken und Schwächen. Kathrin Günter reflektiert auch die Wirksamkeit der Selbstdarstellung und des Personenkults als gesellschaftliche Projektion in den sozialen Medien. Speziell dazu hat Günter begleitend ein Buch mit mehreren Tausend abgedruckten Kommentaren aus dem Instagram Account von Greta Thunberg erstellt. Insbesondere diese Reaktionen auf ihre Person zeigen das Janusköpfige und die Abgründe der sozialen Medien: einerseits in ihrer Funktion als sehr potente Verstärker und Vermittler einer Bewegung, andererseits als Sammelbecken für menschliche Niedertracht.

Die Fotografie einer Menschengruppe in einer „Fridays For Future“-Demonstration von Dominik Butzmann dokumentiert die unmittelbaren Protagonisten dieser Bewegung, im Zentrum eine Gruppe von teilnehmenden Kindern. Der Betrachter gewinnt über die Momentaufnahme Einblick in eine friedliche Veranstaltung, deren Initiatoren und wichtigste Träger außergewöhnlicherweise Kinder sind, die hier für Offenheit und Aufrichtigkeit stehen. Bei aller Skepsis – ob berechtigt oder nicht – oder sogar Abneigung die manch Betrachter gegenüber der „Fridays For Future“-Bewegung haben mag, bietet Butzmanns Fotografie ihm eine Möglichkeit zur Rekalibration seiner Perspektive zumindest auf die Motive und Haltung dieser Demonstranten – was insbesondere in Zeiten relevant ist, in denen die meisten Teile der Gesellschaft sich vorwiegend polarisierend und konfrontativ zu bestimmten Themen positionieren.

Obwohl die Motive der Gemälde der Ausstellung durchaus voll- und eigenständig fungieren, fällt dennoch das Fehlen von Abbildungen von Menschen auf, wenngleich sie die Spuren und Auswirkungen menschlichen Einflusses aufweisen. Die Werke realisieren in Sonderheit die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur sowie Empathie mit der Kreatur. Darin ist eine Lösung vom Anthropozentrismus begriffen, der auch als Ursache für fahrlässigen Umgang mit der Natur verstanden werden kann. Die Fotos und Collagen der Ausstellung schließen sich der Kritik an menschlicher Hybris an, obschon aus anderer Perspektive. Hier sind es zum einen die authentisch mahnenden Kinder von „Fridays For Future“, zum anderen die von tierischen Avataren begleiteten Prominenten, die sich diskret oder per Personenkult dem Schutz der Umwelt widmen. Gerade die Collagen spiegeln aber auch die menschlichen Eitelkeiten und Affekte wider, die dem reinen Altruismus womöglich noch im Weg stehen. Als Ensemble betonen die Werke der Ausstellung „Dodo Dialogues“ durch die inhärente oder offensichtliche Gegenüberstellung von Mensch und Natur die notwendige Erkenntnis der Symbiose, in der sie sich befinden

Text: Matthias Bergemann

Details

Beginn:
25. April 2020
Ende:
5. Juni 2020
Veranstaltungskategorie:
Eintritt: -

Angebote:

Zum Gallery Weekend geöffnet: Donnerstag, den 30. April 12-20 Uhr, Freitag, den 1. Mai 10 – 20 Uhr, Samstag, den 2. Mai 12 – 20 Uhr, Sonntag, den 3. Mai 12 – 18 Uhr


Veranstaltungsort

janinebeangallery
Torstrasse 154
Berlin, 10115 Deutschland
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Veröffentlicht am: 06.02.2020 |

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