Margareta Hesse – „ein schöner gedanke, so weich und spitz“ im ZAK

Im Rahmen ihrer ersten institutionellen Berliner Einzelausstellung zeigt Margareta Hesse Objekte, Installationen, Wandarbeiten und Laserarbeiten aus rund 30 Jahren künstlerischer Arbeit. Seit 2005 lebt und arbeitet sie in Berlin und wurde vor allem mit ihren Lichtkunstprojekten und Laserinstallationen bekannt, die sie regelmäßig in wichtigen Ausstellungen in westdeutschen und in europäischen Institutionen präsentiert.

Die Ausstellung im ZAK Zentrum für Aktuelle Kunst eröffnet in verschiedenen Konstellationen von Werkgruppen den Blick auf jene Gemeinsamkeiten und inhaltlichen Bezüge, die den Arbeiten von den frühen 1990-er Jahren bis in die Gegenwart innewohnen. Im Zentrum steht zwar die Auseinandersetzung mit den Traditionslinien des Minimal und der Konkreten Kunst des 20. Jahrhunderts, hinzu kommen aber mitunter hintergründiger Humor, subtile Ironie und das mutige Experiment. Das bedeutet zum einen die weitreichende Reduktion auf geometrische Grundformen und wenige signifikante Farb- und Materialkontraste: Charakteristisch für viele Arbeiten der Künstlerin ist der Einsatz starker Hell-Dunkel-Kontraste und die Verwendung eines obligaten Rot, das sich nicht zuletzt auch in den jüngeren Laserinstallationen wiederfindet. Zum anderen bietet aber gerade der Einsatz von Materialien wie Wachs und Polyester oder von Objekten wie Senkloten, Rädern und Magneten assoziative Vorstellungsräume, die weit über Kategorien des Minimal hinausgehen. Margareta Hesse hat sich so im Lauf der Jahre ein Formen- und Materialrepertoire erarbeitet, das ausgehend von der Moderne die Grenzen alles Logischen und Rationalen weit überschreitet.

Ihre sogenannten „Transluzide“ entwickeln mit verschiedenen übereinander gelagerten Polyesterplatten, die mit Farbe und aufgetragenen dreidimensionalen Strukturen bearbeitet werden, atmosphärische Verdichtungen und farbintensive Räume. Das Moment der Verunklärung spielt eine wesentliche Rolle, wenn beispielsweise über Architekturfotografien Farbflächen die Motive beinahe bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen lassen. So entsteht nicht selten ein spannungsreicher Dialog zwischen formalen Strukturen und malerisch zu nennenden Qualitäten.

Diese ästhetisch beeindruckenden Bilderfahrungen werden im Dialog mit großformatigen Objekten und Installationen, die das Zentrum der rund 750 qm großen Ausstellungssäle ausmachen, um räumliche Erfahrungen erweitert. Die geometrische Form des Zylinders charakterisiert die Werkgruppe der „Tubes“. Dabei handelt es sich um sowohl aus Holz als auch Stahl gefertigte zylindrische Formen in unterschiedlichen Anordnungen und Konstellationen. Die bis zu drei Meter langen Holzzylinder stellen eine unmittelbare Verbindung zu ledrigen Riemengebilden und –taschen her, welche aus dunkel bemalter Leinwand gearbeitet sind. So entsteht schon über die Verwendung der Materialien ein spannungsvoller Dialog zwischen Malerei und Skulptur. Ebenso bringen kinetische Objekte wie „Vehikel“ oder „Pendel“ die großzügige Ruhe der Präsentation nicht nur akustisch, sondern auch visuell gehörig durcheinander.

Der Rundgang durch die Ausstellung stellt mit ca. 50 Arbeiten eine der renommierten Lichtkünstlerinnen Deutschlands mit ihren ebenso beeindruckenden Wandarbeiten, Objekten und Installationen vor. Sie verbindet die Strenge und Systematik der konkreten Kunst mit immersiven Qualitäten.

Einzelausstellung „ein schöner gedanke, so weich und spitz“ – Margareta Hesse

10.2.2023 – 7.5.2023

ZAK – Zentrum für Aktuelle Kunst

Veröffentlicht am: 08.02.2023 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst,

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