Museen gestern und heute

Museen gestern und heute

Vor einiger Zeit war ich in Rom und natürlich auch in der Sixtinischen Kapelle. Na ja – eigentlich war ich nicht da, sondern wurde in einer Menschenmenge gefangen, durch die Gänge geschoben. Überall klickten Handys oder Tabletts, selten war die Kunst das Objekt, eher waren es die Menschen selbst, die ein paar Sekunden vor der Kunst standen, bis die Menge wie eine Kuhherde weiterzog.

Natürlich gibt es auch die andere Seite: Museen, in denen sich neben zwei Schulklassen, die ihren Pflichtkunstunterrricht absolvieren, ein paar Menschen herumdrücken, weil die Ausstellung ihnen im Reiseführer empfohlen wurde. Beliebt sind Sonderausstellungen, besonders auch jene, die aus dem normalen Rahmen herausfallen und über kunsthistorische Inhalte hinausgehen.

Was muss ein Museum leisten?

Für mich sind Museen Orte des Lernens. Je nach Ausstellung auch Erlebnisorte oder Orte, um etwas zu probieren, neu zu entdecken. Natürlich auch Rückschau auf Epochen. Und sie sind Orte des Fühlens. Sie schaffen einen Rahmen oder besser einen Raum, den ich mit meinen Assoziationen, Gedanken und mit meinen Emotionen füllen kann. Wie die Kunst selbst, sind sie Spiegel der Zeit, Spiegel der Gesellschaft. Die Tatsache, dass mehr und mehr Pop-up Museen entstehen, sagt etwas über uns aus. Die Instagram- und Selfie-Gesellschaft will anders unterhalten werden, als die Menschen vor 30 oder 40 Jahren. Museen sind aber auch Identitätsstifter. Das stellt Monika Grütters, Kulturstaatsministerin im Kanzleramt, in einem aktuellen Beitrag in der ZEIT sehr gut heraus. Sie sagt: ” Museen sind kollektives Gedächtnis und Bewusstsein. Sie machen gemeinsame Erinnerungen, Werte, Perspektiven auf der Welt sichtbar, sie machen unsere Herkunft erfahrbar – und stiften damit Identität.”

Museen der Zukunft

Alle wissen, dass die Digitalisierung vor den Museen nicht haltmachen wird. Dass die Menschen sich ihr Wissen mehr und mehr aus dem Internet ziehen, dass die Google-Brille uns in die Sixtinische Kapelle beamt, ohne dass wir uns in der Menge drängen müssen. Also steht die Frage im Raum, wie man Besucher zukünftig ins Museum lockt. Wie erreicht man die jüngere Generation, wo holt man sie ab? Sicher am besten über die sozialen Medien, denn dort verbringen sie die meiste Zeit. Und wenn man sie erst einmal angelockt hat, sind sie gleichzeitig auch wieder Werbeträger, indem sie das Erlebnis mit der Außenwelt über Instagram, Facebook oder Pinterest kommunizieren. Fraglich bliebt trotzdem, wie man es schafft, das jüngere Publikum für Kunsthistorik zu begeistern, ohne den Louvre oder die Dresdner Zwinger in ein Pop-up zu verwandeln.

Was funktioniert?

Gut funktionieren Events wie die Berliner Art Week. Sie hat sich zu einem Publikumsmagnet entwickelt. Hier können klassische Museen im Fahrwasser der modernen Ideen schippern. Vielleicht geht es in Zukunft dann doch viel mehr darum, Augenblicke zu schaffen, statt Monumente. Erlebnisse eben. Das bedeutet aber auch, dass investiert werden muss, denn Ausstellungen, die Erlebnischarakter haben, sind in der Regel teurer, als eine einfache Hängung. Darüber hinaus müssen wir auch darüber nachdenken, Kunst frei zugänglich zu machen, denn je weiter die Schere zwischen arm und reich aufgeht, desto weniger Menschen können sich einen Besuch im Museum leisten. Das wäre ein Teufelskreis, denn Zukunft braucht Vergangenheit, braucht Bildung, braucht Erleben. Museen attraktiv für Kinder und Jugendliche zu machen, ist ein wichtiger Schritt, denn wer in dieser Phase einen guten Zugang zu dieser Art der Bildung findet, wird auch als Erwachsener nicht darauf verzichten wollen. Ich will am Ende auf Hilmar Hoffmann verweisen, der lange Kulturpolitiker und -funktionär war und mit seinem Buch “Kultur für alle” Maßstäbe gesetzt hat. Er schreibt darin: “Eine sozialen und demokratischen Grundsätzen verpflichtete Kulturpolitik muss die Vorteile des Museums jeder gesellschaftlichen Schicht zugänglich machen, das heißt konkret, die Interessen jener Gesellschaftsgruppen zu vertreten, die aufgrund der Bedingungen ihrer Sozialisation oder ihrer bildungsmäßigen Benachteiligung zu einem Museumsbesuch noch nicht motiviert sind.” Museen stehen heute vor großen Herausforderungen. Es ist Aufgabe der Politik, sie finanziell so aufzustellen, dass ihr Wirken für alle erhalten bleibt.

Veröffentlicht am: 21.09.2019 | Kategorie: Ausstellungen, Kolumne Jeannette Hagen, | Tag: Jeannette Hagen,

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