Ausstellungen Kunst

Jörn Vanhöfen: Zwischenzeit bei Kuckei + Kuckei

Verfasst von KUNSTLEBEN BERLIN

Zwischenzeit bezeichnet die Zeitdifferenz zwischen zwei definierten Zeitpunkten. Im Fall von Jörn Vanhöfens vorliegender Arbeit ist es der Zeitraum zwischen den Jahren 1989 und 1991.

Die in dieser Zwischenzeit entstandenen Aufnahmen sind vielleicht Jörn Vanhöfens persönlichste Arbeit. Im Oktober 1989 wagte er den Wechsel von der Folkwangschule Essen an die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und wurde so der erste Weststudent jener Zeit an der HGB. Den Prozess des Mauerfalls und die Wiedervereinigung erlebte er in der DDR. Die hier gezeigten 23 Arbeiten sind ein Teil seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig aus dem Jahr 1991.

Jörn Vanhöfen - Berlin # 1465, 1990

Jörn Vanhöfen – Berlin # 1465, 1990

 

Vanhöfen lebt 1989 in einem ihm fremden Land und findet sich in der Rolle des Dokumentaristen und eigenständigen Autors wieder. Auf seiner Reise durch das Land dokumentiert er den Zustand der Stagnation und schafft mit seinen Bildern Metaphern für den beginnenden Prozess gesellschaftlichen Wandels. Vanhöfen zeigt Szenen fernab vom tagespolitischen Geschehen. Verschwimmende Grenzen von vermeintlich Vertrautem und Distanz zeichnen seine Arbeit aus. Sein Blick ist der eines Autorenfotografen, der das subjektive Moment der Fotografie mit der Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit verbindet.

Jörn Vanhöfen - Bitterfeld # 365, 1990

Jörn Vanhöfen – Bitterfeld # 365, 1990

 

Für diese Arbeiten wählte Vanhöfen die schwarz-weiss Fotografie und eine großformatige Kamera aus. Mit dieser Ästhetik fängt er die vorgefundene Stimmung von Stagnation, aber auch den Willen nach Veränderung und dieses undurchdringbare Grau ein. Jede seiner Figuren scheint innezuhalten und auf etwas zu warten. Und dazwischen immer wieder Blicke auf eine bereits bröckelnde Mauer und ratlos blickende Soldaten.

Jörn Vanhöfen - Krampnitz # 290, 1990

Jörn Vanhöfen – Krampnitz # 290, 1990

 

„Das Grau jener gesellschaftlichen Situation floss in meine Bilder ein, nicht das kontrastreiche lebhafte des Momentes, sondern die gefühlte Schwere wurde ästhetisches Mittel meiner Fotografie.“

Jörn Vanhöfen - Markkleeberg # 21, 1989

Jörn Vanhöfen – Markkleeberg # 21, 1989

 

2016 ist im Verlag Thomas Reche das Buch „Herzwort und Kopfwort“ mit Texten von Herta Müller und Bildern aus der Serie „Zwischenzeit“ von Jörn Vanhöfen erschienen.

Jörn Vanhöfen -Leipzig # 87, 1989

Jörn Vanhöfen -Leipzig # 87, 1989

 

Jörn Vanhöfen, geboren 1961 in Dinslaken, studierte Fotografie an der Folkwangschule Essen sowie an der HGB Leipzig, welche er mit dem Abschluss des Meisterschülers 1993 verließ. Er arbeitete als Auftragsfotograf, Kurator, Dozent und arbeitet seit dem Jahr 2000 ausschließlich an eigenen Projekten. Erschienene Bücher: Aftermath im Hatje Cantz Verlag (2011), HeimatFront mit Charles Simic im Verlag Thomas Reche (2013), LOOP im Eigenverlag (2015) sowie Herzwort und Kopfwort mit Herta Müller im Verlag Thomas Reche (2016).

Zwischenzeit

11. Juni bis 30. Juli 2016

Kuckei + Kuckei

Linienstr. 107/108
10115 Berlin

Über den Autor

KUNSTLEBEN BERLIN

KUNSTLEBEN BERLIN - das Kunstmagazin für Kunst und Kultur in Berlin.

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