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Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann – Biester der Zeit

18. Mai 2019 - 25. August 2019

Das Haus am Waldsee und das Georg Kolbe Museum haben eine Ausstellung in zwei Teilen erarbeitet, die von Mai bis September 2019 in den beiden ehemals privat genutzten Häusern und Gärten zu sehen sein wird. Lynn Chadwick – Biester der Zeit wird den britischen Bildhauer Lynn Chadwick (1914 – 2003) als einen der führenden Künstler der Nachkriegszeit in einem retrospektiven Überblick sowie im Spannungsverhältnis mit zwei deutschen Bildhauerpositionen neu vorstellen. In dieser ersten musealen Ausstellung Chadwicks in Deutschland werden rund 60 plastische Werke, zahlreiche Zeichnungen und Grafiken, sowie umfassendes Archivmaterial versammelt.

Das international seit den 1950er-Jahren vielfach ausgezeichnete Werk von Lynn Chadwick wird im Georg Kolbe Museum als breites, chronologisches Spektrum mit thematischen Schwerpunkten vorgestellt. Im Haus am Waldsee wird dazu ein thematischer Bogen gespannt, der dem Werk des Briten Arbeiten von Hans Uhlmann (1900 – 1975) und Katja Strunz (*1970) als Dialogpartner anbietet. Während im Georg Kolbe Museum retrospektiv in die Tiefe gegangen wird, wird im Haus am Waldsee der Werkaspekt der Faltung und Zersplitterung thematisiert, der Chadwick aus heutiger Sicht Kontur verleiht.

Als Lynn Chadwick 1956 den ersten Preis für Skulptur auf der Biennale von Venedig erhielt, zeigte sich die Kunstwelt erstaunt. Alberto Giacometti und Germaine Richier galten damals als klare Favoriten. Nun aber erhielt der noch unbekannte Brite die hochbegehrte Auszeichnung. Als Bildhauer war Chadwick Autodidakt. Vor dem Zweiten Weltkrieg war er als Architekt ausgebildet worden und arbeitete als technischer Zeichner in unterschiedlichen Londoner Architekturbüros. Erst Anfang der 1950er-Jahre beschloss Chadwick sich ganz der Kunst zu widmen. In kurzer Zeit erarbeitete er sich eine eigene Bildsprache. Sie wird zugleich von Zivilisationsmüdigkeit, utopischer Fortschrittsgläubigkeit und existenzieller Angst getragen. Bereits 1955 war Chadwick unter anderem Teilnehmer der documenta I in Kassel. Später reüssierte er vor allem im anglo-amerikanischen Raum. Chadwicks bis heute einzige institutionelle Ausstellung in Deutschland fand 1960 zusammen mit seinem Bildhauerfreund Kenneth Armitage statt. Sie wurde von der Kestner Gesellschaft in Hannover zusammengestellt und war unter anderen in der Städtischen Galerie Duisburg (heute Lehmbruck Museum) und im Haus am Waldsee in Berlin zu sehen.

Zu dieser Zeit lebte Chadwick bereits westlich von London in einem neogotischen Schloss mit ausgedehnten Ländereien. Er konnte Lypiatt Park nach seinem Erfolg in Venedig günstig erwerben und gestaltete es nach seinen Vorstellungen, in denen sich
Architektur, Skulptur und Landschaft ergänzen. Bis zu seinem Tod 2003 entwickelte er abgeschieden von der Metropole ein expressives, kreatürliches Werk, das sich sowohl konstruktiv-architektonischen Ansätzen verdankt, als auch aus der intensiven Reflexion der Natur hervorgegangen ist.

Ein wiederkehrendes Motiv stellen Chadwicks Biester dar, hybride Kreaturen aus animalischen, menschlichen und architektonischen Elementen, die sowohl Raum, als auch Zeit reflektieren und nie eines typisch subtilen Humors entbehren. Das Georg Kolbe Museum wird die Genese der Biester und anderer dominanter Motive im Überblick ausbreiten und in größeren Gruppen vom spielerischen Werkmodell bis zur komplexen skulptural-architektonischen Form und der wichtigen Rolle der Zeichnung vorstellen.

Im Haus am Waldsee wird Chadwicks Werk unter dem Aspekt der Schwerelosigkeit und der räumlichen Faltung untersucht. Im Dialog mit seinem älteren Kollegen, dem ersten deutschen Stahlbildhauer, Hans Uhlmann (1900 – 1975) sowie Arbeiten der heutigen Zeitgenossin, Katja Strunz (*1970) wird gezeigt, welche formalen und inhaltlichen Übereinstimmungen, aber auch welche Differenzen in dem Gespräch zwischen drei erfolgreichen Bildhauern, die sich nicht gekannt haben, sichtbar werden.

Wie Chadwick hatte auch Hans Uhlmann vor dem Zweiten Weltkrieg im technischen Bereich gearbeitet. In Berlin hatte er ein Studium als Diplomingenieur absolviert. Erst nach 1945 verschreibt sich der künstlerische Autodidakt ganz der Bildhauerei und kann in der noch jungen Bundesrepublik eine internationale Karriere starten. Katja Strunz gehört der Enkelgeneration der beiden prominenten Bilderhauer-Ingenieure an. Sie studierte Kunstgeschichte und Philosophie bevor sie in den 1990er-Jahren in Karlsruhe ein Bildhauerstudium abschloss. Vergleichbar erscheinen Motive von Faltungen, die Strunz seit den frühen 2000er-Jahren in Metall und mit Fundstücken ausführt. Sie überführt Zitate der Nachkriegsmoderne in neue Bezugssysteme und fragmentiert verlorene Utopien um sie neu zusammen zu setzen.

Georg Kolbe Museum: 18. Mai – 15. September 2019
Haus am Waldsee: 18. Mai – 25. August 2019

 

Details

Beginn:
18. Mai 2019
Ende:
25. August 2019
Veranstaltungskategorie:
Eintritt: -

Veranstaltungsort

Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30
Berlin, 14163
+ Google Karte
Telefon:
+49 30 8018935

Veröffentlicht am: 28.07.2019 |

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