WIELAND FÖRSTER im Kunsthaus Dahlem

WIELAND FÖRSTER im Kunsthaus Dahlem

WIELAND FÖRSTER noch bis 18. Oktober im Kunsthaus Dahlem: Anlässlich des 90. Geburtstags von Wieland Förster widmet das Kunsthaus Dahlem diesem bedeutenden Bildhauer eine Werkschau mit Skulpturen aus 50 Jahren, in denen sowohl formale und stilistische Entwicklungen dargestellt werden, als auch auf Försters Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und seiner eigenen Biografie Bezug genommen wird.

Die Ausstellung zu WIELAND FÖRSTER versammelt eine Auswahl von Porträtarbeiten, insbesondere Künstlerporträts der 1960er und 1970er Jahre, sowie Werke, die sich – immer vor dem Hintergrund der leidvollen Geschichte des 20. Jahrhundert – mit existentiellen Themen
der Menschheit beschäftigen.
Geboren in Dresden 1930 erlebt Wieland Förster als Jugendlicher den Krieg und die Bombardierung seiner Heimatstadt. Nicht weniger traumatisch sind die Jahre, die Förster als junger Mann in der Haftanstalt Bautzen verbringen muss, inhaftiert wurde der
16jährige wegen angeblichen Waffenbesitzes. Nach seiner Entlassung studiert Förster von 1953 bis 1958 in Dresden und Berlin Bildhauerei. Von den stilistischen Vorgaben an den ostdeutschen Hochschulen bleibt er weitgehend unberührt. Förster verfolgt seine eigene bildhauerische Auffassung und rezipiert die künstlerischen Strömungen seiner Zeit. Aristide Maillol, Alberto Giacometti und Henry Moore inspirieren sein Werk, aber auch der Berliner Bildhauer Bernhard Heiliger, der nicht nur wegen seines Wechsels von der Hochschule in Berlin-Weißensee nach Westberlin, sondern auch wegen seiner Hinwendung zur Abstraktion im Osten offen attackiert wird. Im Frühjahr 1954 besucht Förster Heiliger, der damals bereits zu den renommiertesten Bildhauer*innen der jungen Bundesrepublik zählt, in seinem Berliner Atelier und es beginnt ein freundschaftlich kollegialer Austausch, der Jahrzehnte andauern soll.

Für die Ausstellung hat WIELAND FÖRSTER aus dem OEuvre Heiligers eine Auswahl jener Werke getroffen, die ihm besonders wichtig erschienen. Sie werden im ehemaligen Atelier Heiligers, dem Ostflügel des Kunsthaus Dahlem, gezeigt. Heiliger attestiert dem jungen Kollegen eine »großplastische Begabung« und einen »seltenen Mut zu Großem«. Er bietet ihm an, sein Studium bei ihm fortzusetzen, doch Förster hält Heiligers »formale Anziehungskraft« nicht förderlich für seine »Selbstfindung«. Anregungen nimmt er dennoch auf. Prägend ist Heiligers Auseinandersetzung mit mythologischen Themen. Diese mündet in eine »früharchaische Figurenwelt«, die Försters eigener »mittelmeerischen Sehnsucht« entspricht. Prägend ist auch Heiligers Porträtauffassung, die jene entscheidenden Punkte einer Physiognomie zu definieren sucht, anhand derer ein Gesicht gestaltet werden kann.

Das Ringen um die Erfassung der Persönlichkeit eines Menschen, die überindividuelle Züge annimmt, charakterisiert Försters Porträtplastiken. Die eindringlichen Bildnisse von Künstlern wie dem Komponisten Hanns Eisler, dem Regisseur und Gründer der
Komischen Oper Walter Felsenstein oder dem Schauspieler Bernhard Minetti zeichnet eine intensive Lebendigkeit aus, sie zeugen aber auch von Försters Fähigkeit einen »geistigen und habituellen Gleichklang« zu erzielen.

Die Auseinandersetzung mit der Mythologie, etwa in Marsyas – Jahrhundertbilanz oder den verschiedenen Fassungen der Daphne – gerät in Försters Werk zu einer Auseinandersetzung mit universellen Themen wie Leid, Zerstörung, Vergänglichkeit und existentieller Not – Themen, die sich auch in Werken wie dem Großen Trauernden Mann oder dem Kleinen Martyrium niederschlagen. Hier gewinnt Försters Auseinandersetzung mit der traumatischen Geschichte des 20. Jahrhunderts plastischen Ausdruck, der sich häufig in der Fragmentierung und Verletzung der menschlichen Figur visualisiert. Sein eigenständiger Weg bringt Förster aber auch mit der Kunstpolitik der DDR in Konflikt. Als 1964/65 der Kopf der Gelähmten entsteht, hat Förster im Ellipsoid zwar eine neue Grundform gefunden, die fortan sein Werk bestimmen wird, von staatlicher Seite wird dieses frühe Hauptwerk des Künstlers jedoch heftig kritisiert. Der damalige Kulturminister Klaus Gysi 1965 vermutet gar eine Beleidigung des sozialistischen Menschen; Förster erhält Ausstellungsverbote. Doch der Künstler hat auch prominente Fürsprecher und seine Bedeutung im Kunstgeschehen kann nicht in Abrede gestellt werden. 1974 wird er ordentliches Mitglied der Akademie der Künste der DDR und später einer ihrer Vizepräsidenten, zuständig für Meisterschülerfragen; 1985 wird Förster ordentlicher Professor.

Heute zählt Wieland Förster zu den bedeutenden deutschen Bildhauer*innen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein figuratives Werk zeichnet eine unverwechselbare, expressive Formsprache aus, die der leidvollen Geschichte 20. Jahrhunderts gewidmet ist. »Ich bin auch nur Bildhauer geworden«, so formuliert es der Künstler, »um der Welt immer wieder zu sagen, welches Leid die Jahrhundertmitte gebracht hat. Krieg, Vorkrieg, Nachkrieg – diese Zeit, für die ich stehe, als Jahrgang 30.«

WIELAND FÖRSTER
Geboren 1930 erlebt Wieland Förster als Jugendlicher den Krieg und die Bombardierung seiner Heimatstadt Dresden. Im Alter von 16 Jahren wird er wegen angeblichen Waffenbesitzes inhaftiert und verbringt drei Jahre in Bautzen, bevor er, schwer an
Tuberkulose erkrankt, entlassen wird. Nach einer Ausbildung zum technischen Zeichner studiert Förster von 1953 bis 1958 in Dresden bei Walter Arnold und in Berlin bei Fritz Cremer Bildhauerei. 1959 wird er Meisterschüler an der Deutschen Akademie der Künste in Ostberlin.
Nach Ausstellungsverboten und Arbeitsbehinderungen in den 1960er und frühen 1970er Jahren erhält Wieland Förster zahlreiche Anerkennungen für sein Werk. 1973 wird er mit dem Kunstpreis der DDR ausgezeichnet, es folgen u. a. 1974 der Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste der DDR, 1978 der Kunstpreis des FDGB und 1983 der Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur II. Klasse. Im Jahr 2000 wird er zudem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt. 2010 erhält er die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam. Förster zeigte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, u. a. in den Staatlichen
Museen zu Berlin (1980), der Kunsthalle Södertälje (1982), der BAWAG Foundation, Wien (1990), im Dresdner Zwinger (2009/10) und zuletzt im Angermuseum, Erfurt (2020). Er war zudem 1986 Teilnehmer der XIII. Biennale in Venedig. Seine Werke befinden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen sowie im öffentlichen Raum, u. a. in Berlin, Chemnitz, Dresden und Potsdam. Im Jahr 2001 übergab Wieland Förster den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 58 Plastiken als Stiftung.
Die Ausstellung wird gefördert vom Freundeskreis Kunsthaus Dahlem – Bernhard Heiliger e.V.

Text: Kunsthaus Dahlem
Bild: WIELAND FÖRSTER SKULPTUREN AUS 50 JAHREN Ausstellungsansicht Kunsthaus Dahlem 2020 Foto: Eric Tschernow. © VG Bild-Kunst, Bonn 2020.

Datum: 22.06.2020 – 19.10.2020

Kunsthaus Dahlem

Veröffentlicht am: 21.09.2020 | Kategorie: Ausstellungen,

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