Die Macht der Kunst

Die Macht der Kunst. Jeannette Hagen für Kunstleben Berlin

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich kann mich sehr genau an die Bilder erinnern, die in den Wohnungen meiner Eltern und meiner Großmütter oder in der Schule hingen. Das lässt mich etwas glauben, das die Wissenschaft schon bestätigt hat: es ist bedeutsam, womit wir uns umgeben.

Wenn ich mich in meiner Wohnung umschaue, dann gibt es keine Wand, die leer ist. Ich bin umgeben von Kunst – von Bildern, Zeichnungen und Werken. Alles Unikate und jedes für sich steht für eine Erinnerung oder für etwas, das jetzt aktuell eine Bedeutung für mich hat. Manchmal wechselt das auch. Dann ist es plötzlich eine Farbe, die mich anspricht oder ich verknüpfe die Bildaussage mit etwas, das für eine gewisse Zeit in meinem Leben beachtenswert ist. Das macht Kunst für mich lebendig – sie ist einfach auch langfristig weit mehr, als nur „ein Bild an der Wand“.

Wir prägen die Kunst und Kunst prägt uns. Vielleicht weckt sie unseren Sinn für Ästhetik, vielleicht wollen wir später auch einmal so würdevoll wie die Figur auf dem Bild aussehen oder vielleicht animieren uns die Bilder dazu, selbst zum Pinsel zu greifen. Kunst prägt aber nicht nur uns, sondern auch die Stimmung im Raum, die sich dann wiederum auf uns auswirkt. Sicher hast Du es schon erlebt, dass Kunst Dich erdrückt oder auch erfrischt hat. Darum ist es nicht unerheblich, welche Kunst in öffentlichen Gebäuden oder in Deinem Schlafzimmer hängt.

Wenn wir uns unser Zuhause einrichten, dann ist diese Umgebung ein Spiegel von uns selbst. Mein Mann und ich führen ein buntes Leben, das sieht man auch an der Kunst, die bei uns hängt. Sie ist vielfältig, regt an. Trotzdem gibt es zwischendrin immer wieder Ruhepole, die dazu einladen, die Augen und die Sinne verweilen zu lassen. Manchmal ist es auch so, dass ich merke, dass ein Bild plötzlich keine Bedeutung mehr für mich hat, weil ich selbst mich verändert habe. Ich schaue das Bild dann einfach nicht mehr an und irgendwann tausche ich es aus oder hänge es an einen anderen Platz. So lebt Kunst oder wie Oscar Wilde gesagt hat: „Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol“.

Ein Leben ohne Kunst könnte ich mir nicht vorstellen. Dabei geht es mir nicht darum, Werte zu sammeln. Das ist natürlich auch eine Art, Kunst zu schätzen. Aber es ist eine andere. Für mich muss Kunst auch nicht teuer sein. Sie muss mich ansprechen, etwas in mir bewegen oder auslösen. Wenn ich mir vorstelle, wie viele optische Reize wir tagtäglich aufnehmen, dann ist es mir wichtig, dass eine große Anzahl davon auch wirklich bei mir ankommen, etwas anregen. Kunst schafft das. Selbst die Kunst, die uns seit Jahren umgibt. Je nach Stimmung offenbart sie immer wieder andere Aspekte und lädt uns dazu ein, mehr über uns selbst zu erfahren. Das macht sie für mich wertvoller als jeder Preis.

Veröffentlicht am: 01.02.2020 | Kategorie: Kolumne Jeannette Hagen, Kunst, Redaktion-Tipp, | Tag: Jeannette Hagen,

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