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Sheroes of Photography – Part I

5. Februar 2021

Sheroes of Photography Part I: SIBYLLE BERGEMANN (1941-2010) Birgit, Berlin, 1984 © Estate of Sibylle Bergemann; Ostkreuz; Courtesy Kicken Berlin

Sheroes of Photography: „Shero“, im Englischen die pointierte Wortneuschöpfung aus dem weiblichen Personalpronomen mit dem männlichen „hero“, steht hier stellvertretend für die explizite Wertschätzung der Leistungen von Künstlerinnen in der Photographie. Die Heldinnen, „Sheroes“, der Photographie sind über anderthalb Jahrhunderte hinweg so vielfältig wie unterschiedlich. Sie eint die selbstverständliche Praxis eines modernen Mediums mit diversen Perspektiven auf die Wirklichkeit.

Zu den Kernpunkten der Auseinandersetzung gehört zunächst ein dialogischer Überblick verschiedener Künstlerinnen von den 1850er Jahre bis heute, mit einem Schwerpunkt auf der Moderne der Zwischenkriegszeit (Part I). Von dort aus beleuchten wir singuläre Positionen im 20. Jahrhundert wie Lucia Moholy und ihre Zeitgenossinnen am Bauhaus, Tata Ronkholz und dokumentarisch-konzeptionelle Positionen seit den 1970er Jahren sowie ostdeutsche Photographinnen und als zeitgenössische Position neuere Arbeiten Jitka Hanzlovás.

Frauen mit der Kamera gab es schon seit der Frühzeit der Photographie. Zu den ersten photographischen Zeugnissen gehören Pflanzenphotogramme nach Art der „photogenic drawings“ von William Henry Fox Talbot: das früheste Werk der Ausstellung ist eine botanische Pflanzenstudie aus  England um 1850. Das Blatt wird der kaum bekannten „Lady Hatton“ zugeschrieben. Es gehört in den Kontext des in den späten 1980er Jahren entdeckten ‚Hatton Fern Albums’, dessen einzelne Blätter heute in internationalen Museen und Privatsammlungen bewahrt werden. Es bezeugt die wissenschaftliche Praxis der Photographie durch gebildete und ambitionierte weibliche Mitglieder der höheren britischen Gesellschaft nach dem Beispiel der Photo-Pionierin Anna Atkins.

Die künstlerische Photographie von Frauen fand ihren ersten Höhepunkt im Piktorialismus, der bildmäßigen Photographie, die Augeneindruck, Stimmung und Gestaltung vor dem Dokument den Vorzug gab. Mit dem Fortschritt der Verfahrens- und Kameratechnik gewann die photographische Praxis an Popularität und Verbreitung. Photographie bot als neues Medium auch Frauen Berufsperspektiven. Der Berliner Lette-Verein unterhielt seit 1890 eine Photographische Lehranstalt nur für Frauen. Hier lernten zahlreiche deutsche Protagonistinnen des Mediums, darunter Erna Lendvai-Dircksen und Frieda Riess oder auch Anneliese Hager und Marianne Breslauer. Ihr Spektrum reichte vom künstlerischen Studioportrait bis zu den Experimenten des Neuen Sehens. Die große Hannah Höch erhielt eine kunstgewerbliche Ausbildung, bevor sie im Umkreis der Dadaisten zur Wegbereiterin der Photocollage wurde. Ebenso wie Hannah Höch bewegte sich Marta Hoepffner, in Frankfurt  Schülerin von Willi Baumeister, an der Schnittstelle von Photographie, Malerei und Experiment.

Mit experimentellen Selbst- und Menschenbildern und Objektstudien schöpfen Gertrud Arndt, Aenne Biermann, Renata Bracksieck, Trude Fleischmann, Florence Henri, Lotte Jacobi, Grit Kallin-Fischer, das Duo ringl+pit (Ellen Auerbach und Grete Stern) oder Elfriede Stegemeyer aus dem Formenreichtum des Neuen Sehens. Mit ihren Werken skizzieren wir eine Photogeschichte der Avantgarde in den so fruchtbaren ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.

Die Moderne der Jahrhundertmitte ist mit der ‚subjektiven fotografie’ den Errungenschaften der Zwischenkriegsavantgarde verpflichtet. Auch hier weisen Photographinnen den Weg zur Verwandlung der Realität in enigmatische Bilder: Anneliese Hager, Monika von Boch oder Anne Dilling offenbaren in Material- und Formuntersuchungen das Potenzial der Abstraktion. In den Industrieaufnahmen von Ruth Hallensleben findet die kulturhistorische Dimension ihren Ausdruck.

Parallel entwickelt sich die Suche nach persönlichen und ungeschminkten Ausdrucksformen für das alltägliche zwischenmenschliche Geschehen. Vorformuliert wird es von Lisette Model, die als Lehrerin erheblichen Einfluß auf folgende Photograph(innen)-Generationen nimmt. Ihr ist auch Diane Arbus verpflichtet. Sie wird der Bewegung des New Document zugerechnet. Die Beschäftigung mit der conditio humana oder auch dem „Zusammen Leben“ bestimmt die urbanen Beobachtungen von Sibylle Bergemann, Ute Mahler und Evelyn Richter.

Dokumentarische Praktiken kennzeichnen in den 1970er Jahren die konzeptuelle Herangehensweise von Tata Ronkholz oder, mit der Wendung zum Perfomativen, der Amerikanerin Marcia Resnick. Seit den 1990er Jahren verfolgt Jitka Hanzlová eine sehr persönliche dokumentarische Strategie, die sich über die Frage der Beziehung des Individuums zu seinem Lebensraum allgemeineren Erscheinungsformen der Natur zuwendet.

Sheroes of Photography Part I

5. Februar bis 23. April 2021

Kicken Berlin

Details

Datum:
5. Februar 2021
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
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Eintritt: -

Veranstaltungsort

Kicken Berlin
Linienstrasse 161a
Berlin, 10115
+ Google Karte
Telefon:
+49 30 28877882

Veröffentlicht am: 15.03.2021 | | Tag: intern, photography,

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