Kunst als Spiegel und Hammer – John Heartfield

Kunst als Spiegel und Hammer – John Heartfield

Wer meine Beiträge hier auf Kunstleben Berlin verfolgt, wird wissen, dass ich ein Faible für Politische Kunst habe. Ich mag und ich glaube an die Symbolkraft und daran, dass Kunst – um es mit Marx zu sagen – „ nicht ein Spiegel ist, den man der Wirklichkeit vorhält, sondern ein Hammer, mit dem man sie gestaltet.“

Eigentlich ist sie beides – Spiegel und Hammer, denn es braucht wohl erst einmal den Blick auf oder den Zugang zu den Umständen, damit etwas verändert werden kann. Nicht jeder empfindet Zustände als veränderungswürdig. Ist er selbst nicht involviert, umso weniger. Da braucht es die Kunst – schon allein der Sichtbarkeit wegen.

Einem, der mit dem, was er tat, Spiegel und Hammer gleichzeitig war, ist derzeit in Berlin eine Ausstellung gewidmet: „John Heartfield – Foto und Dynamit“. Aufgrund der Corona-Einschränkungen erst jetzt wieder zugänglich, zeigt sie bis zum 4. August 2020 eine feine Auswahl an Fotocollagen. Dank der Lockerung der Einschränkungen kann man sie jetzt wieder anschauen. Oder man wirft einen Blick auf die Webseite der Akademie und lässt sich digital durch die Ausstellung führen. Ein sehr gelungenes Format, das mit Audios und Videos unglaublich viele Hintergrundinformationen liefert.

Darüber hinaus besitzt die Akademie der Künste Heartfields kompletten Nachlass und hat ihn für alle, die keine Möglichkeit haben, die Ausstellungen zu besuchen, aufgearbeitet und bereits im Herbst 2018 in Katalog-Form öffentlich zugänglich gemacht. Ein wahres Feuerwerk, das niemanden unberührt lassen kann. Die Arbeiten Heartfields sind so eindringlich, handwerklich so ausgereift und messerscharf, dass einem manchmal fast der Atem stockt.

Dieser Künstler hatte keine Angst davor, deutlich zu zeigen, was er sah. Er drückt uns mit der Nase auf Ungerechtigkeiten, auf das, was der Mensch verdrängt, wovor er wegläuft, was er ignoriert, was er anrichtet. Damit ist er für viele eine Ikone der Politischen Kunst und ich denke oft, dass er gerade jetzt in dieser Zeit fehlt. Dass er den Finger in unsere Wunden legen und uns ordentlich durchschütteln würde. Aber uns bleibt, sein Werk zu betrachten und allein das reicht, um auch im Jetzt den Nöten, den Ungerechtigkeiten und notwendigen Veränderungsprozessen Aufmerksamkeit zu schenken. Heartfield fordert uns auch über seinen Tod hinaus dazu heraus, Stellung zu beziehen. Dem sollten wir Aufmerksamkeit schenken.

Spannendes entdecken:

Online Ausstellung

Der komplette Nachlass

Informationen zur Ausstellung

 

 

Veröffentlicht am: 09.06.2020 | Kategorie: Ausstellungen, Kolumne Jeannette Hagen, Redaktion-Tipp,

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