Martin Rupprecht: Unrast der Linie – Collagen und Zeichnungen

Tagebücher 4, 2016 Leinwand, Papier, Stifte, 100 x 70 cm © Martin Rupprecht

International geschätzt gehört der deutsche Bühnenbildner Martin Rupprecht zu den sensiblen Neuerern seiner Zunft. Die Begegnung mit Ita Maximowna hat seine Anfänge geprägt, ebenso seine Jahre mit Regisseur Winfried Bauernfeind an der Deutschen Oper, Berlin, später die Zusammenarbeit mit Hans Werner Henze und Mauricio Kagel. Mitte der 1970er Jahre gelang ihm der Durchbruch im Bereich des zeitgenössischen Musiktheaters.

Die Produktion „Mare Nostrum“ von Kagel reiste in seiner Ausstattung um die Welt. An den führenden Opernhäusern in Deutschland sowie in Kopenhagen, Zürich, Stockholm, Oslo, Budapest, Moskau, St. Petersburg, Tokio, Athen und Miami hat er mit seinen phantasievollen Bühnenbildern Zeichen gesetzt.

1972 wurde Martin Rupprecht als Professor an den Fachbereich „Kostümbild“ der damaligen Hochschule der Künste (heute UdK) berufen, wo er bis 2004 lehrte. Neben seiner Arbeit an Bühne und Kostüm liegt das Feld der freien Gedankenbilder, auf dem Rupprecht experimentierfreudig und allseits sprungbereit wandelt, fern jeglichen Pathos’. In den letzten Jahren mehr denn je.

Rupprechts Ausstellung „Unrast der Linie. Collagen und Zeichnungen“ ist eine überbordende Zeichenbündelung – ein ununterbrochenes Strömen von Kürzeln, Notaten, Wortfragmenten, Durchstreichungen, Übermalungen und, als Widerpart, großflächigen Formakzentsetzungen. In unendlichen skripturalen Verkettungen hängen die Bilder aneinander. Der Platz zwischen ihnen bietet nur kurze Momente zum Luftholen. Anhaltend vernetzt zeigt sich auch ein farbstarkes Konvolut von Bildern aus der aktuellen Arbeitsphase von Martin Rupprecht. Rupprechts Zeichnungen, Überzeichnungen und Collagen lassen uns erkennen, wie der graphische Raum ein meditativer, ein Denkraum und gleichzeitig eine künstlerische Spielfläche zu sein vermag.

Al Afghani 10, 2016 Linoldruckfarbe, Kugelschreiber, Stifte, Pergamentpapier, 100 x 70 cm © Martin Rupprecht
Al Afghani 10, 2016 Linoldruckfarbe, Kugelschreiber, Stifte, Pergamentpapier, 100 x 70 cm © Martin Rupprecht

 

Wichtiger als der Darstellungsraum, wichtiger als das Verhältnis von Raum und Fläche sind ihm freilich Konzentration und Versenkung. Rupprecht markiert, unterstreicht, streicht aus. Seine Haltung ist Demut und Hingabe, dem Akt des Zeichnens wie der Linie gegenüber.

Martin Rupprecht lebt und arbeitet in Berlin.

Unrast der Linie

12. Februar bis 30. April 2017

Kommunale Galerie Berlin

Hohenzollerndamm 176
10713 Berlin

Veröffentlicht am: 24.02.2017 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst, | Tag: Kommunale Galerie Berlin, Martin Rupprecht, Unrast der Linie,

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