Kolumne: Karl Marx im Deutschen Historischen Museum

Karl Marx im deutschen historischen Museum, Jeannette Hagen für Kunstleben Berlin

Kunstleben Berlin Kolumne von Jeannette Hagen. Kannst Du in einem Satz sagen, was Kapitalismus ist? Obwohl er uns prägt, wir tief mit ihm verwurzelt sind, er unsere Leben, unsere Arbeit, unsere Freizeit bestimmt, wissen wir wenig über ihn. War es Adam Smith, der ihn geprägt hat? Oder doch David Ricardo? Und war Marx nicht der, der ihn heftig kritisiert hat? Und war der das nicht auch mit dem Kommunismus? Alle haben wir eine bestimmte Vorstellung davon, was Kapitalismus ist – allerdings meist nicht dieselbe.

Darum nähert sich das Deutsche Historische Museum der Frage nach dem „Kapitalismus“ in zwei aufeinander bezogenen Ausstellungen an: „Karl Marx und der Kapitalismus” (10. Februar bis 21. August 2022 ) und „Richard Wagner und das deutsche Gefühl” (8. April bis 11. September 2022). Beide, Marx und Wagner, hatten für die Auseinandersetzung mit dem Begriff eine weitreichende internationale Bedeutung.

Dabei ist es bemerkenswert, dass Marx und Wagner unter Kapitalismus etwas ganz anderes verstanden. Diese Unterschiede sind bis heute wenig herausgearbeitet worden. Im 20. Jahrhundert berief sich der Marxismus auf Marx’ Lehren; Marxismus wurde zur Ideologie auch von Staaten, die im Namen von Kommunismus und Sozialismus Folter und Mord begingen. Auf Wagner beriefen sich im 20. Jahrhundert Strömungen, die direkt mit massiven Verbrechen, radikalem völkischem Antisemitismus und in der Folge mit Nationalsozialismus und Holocaust in Verbindung stehen. Umso mehr ist es für uns als historisches Museum von Bedeutung, Wagner und Marx in ihrer Zeit zu betrachten und ihr Wirken zunächst aus ihrem Kontext im 19. Jahrhundert heraus zu verstehen. Wir hoffen, dadurch auch ein besseres Verständnis für ihre Wirkungsgeschichte im 20. und 21. Jahrhundert zu gewinnen.

Die Ausstellung “Karl Marx und der Kapitalismus” ist in verschiedene Abschnitte gegliedert, die in einer offenen Raumstruktur angeordnet sind. Sie beginnt mit einem Prolog, in dem der heutige Blick auf Marx, sein Wirken und seine Zeit analysiert wird. Räumlich geht es weiter mit:

Von der Religions- zur Gesellschaftskritk
Judenemanzipation und Antisemitismus
Revolution und Gewalt
Neue Technologien
Natur und Ökologie
Ökonomie und Krise
Kämpfe und Bewegung
Rezeption und Wirkung

So entsteht ein umfassendes Bild der damaligen Verhältnisse und davon, wie sie uns heute noch prägen. Marx, der zu den bedeutendsten Kritikern der Verwerfungen der „Moderne“ und des Kapitalismus gehörte, der als Philosoph, Journalist, Ökonom und politischer Aktivist tätig war, hatte das Ziel, die neuen Verhältnisse versteh- und veränderbar zu machen. Damit avancierte Marx zu einer der einflussreichsten deutschen Personen des 19. Jahrhunderts – mit einem umstrittenen Werk, das bis heute weltweit rezipiert wird.

Die Ausstellung „Karl Marx und der Kapitalismus“ präsentiert und problematisiert dieses Werk und das Wirken von Marx als Auseinandersetzung mit dem sich dynamisch verändernden Kapitalismus und den Kontroversen des 19. Jahrhunderts.

Wer sich darüber hinaus für den Kapitalismus, seine Entstehungsgeschichte interessiert, dem empfehlen ich die sechsteilige Dokumentation auf Arte, in der auch ein Kapitel Marx gewidmet ist: https://www.arte.tv/de/videos/044979-001-A/der-kapitalismus-1-6/

Alle Information zur Ausstellung findest Du hier: https://www.dhm.de/ausstellungen/karl-marx-und-der-kapitalismus/#/

Karl Marx im deutschen historischen Museum, Jeannette Hagen für Kunstleben Berlin
Karl Marx im deutschen historischen Museum, Jeannette Hagen für Kunstleben Berlin

Beitragsbilder: Karl Marx im deutschen historischen Museum, Foto: @Jeannette Hagen

Veröffentlicht am: 16.02.2022 | Kategorie: Ausstellungen, Kolumne Jeannette Hagen, | Tag: Kolumne Jeannette Hagen,

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