Galerie koal zeigt “The Secret Garden” von Dennis Feddersen

koal Galerie, The Secret Garden, Dennis Feddersen

Die Galerie koal freut sich, vom 25. Februar bis 16. April 2016 die Ausstellung “The Secret Garden“ von Dennis Feddersen zu präsentieren. Die Eröffnung findet am 24. Februar 2016 von 19 bis 21 Uhr statt.

Die Natur wuchert in Gestalt eines mächtigen Holzgeflechts in den Raum: Dennis Feddersens hölzerne Knoten eröffnen die Ausstellung programmatisch. Im “Secret Garden“ winden sich die mit Erde und Feuchtigkeit bearbeiteten Schlingen aus einer imaginären Wildnis in den zivilisierten, geschützten Innenraum. Der natürliche Prozess der gezielten Verwitterung hat das Material mit dunklen Flecken überzogen; es verströmt einen Geruch nach organischen Prozessen, nach Waldboden. Das invasive Moment des Eindringens einer fremden, unkontrollierbaren Masse in abgegrenzte Umgebungen ist zentral im Oeuvre Feddersens und wird in seiner aktuellen Ausstellung vor dem Hintergrund eines “geheimen Gartens“ inszeniert.

Gärten zähmen die wilde Natur. Hin und wieder erobert sich jedoch das Ursprüngliche die umfriedeten Bezirke zurück und gewinnt in Form von wuchernden Unkräutern, wilden Tieren und Gräsern die Oberhand. Natur und Kultur prallen aufeinander. Feddersen untersucht den Augenblick, in dem Emotionen in existentiellen Ausnahmesituationen den Verstand überwuchern und das zivilisierte Denken zurück ins Triebhafte werfen. Lust und Wut übernehmen die Kontrolle. Wie der wilde Fuchs im heimischen Garten lauern diese im Verborgenen, um dann im Dunkeln hervorzutreten. Dieses bedrohliche Element ist in einem Teil von Feddersens Fotoarbeiten präsent. So verdorrt in der ausgestreckten Hand die Pflanze wie bei einem “umgekehrten Tistou“. Anstatt alles durch seinen “grünen Daumen“ erblühen zu lassen, wie es der Protagonist im Kinderbuch von Maurice Druon tut, entwächst dieser Hand nur Verdorrtes. Es wird weitergetragen wie verdrängte Erinnerungen, die im Unbewussten schwelen und Handlungen beeinflussen. Ein anderes Bild zeigt einen Körper, der statt des Kopfs ein zerberstendes Gebilde aus Ton auf den Schultern trägt. In dieser Struktur meint der Betrachter, Gesichter zu erkennen. Die Form des Tons greift die der Holzskulptur auf, die parallel als Installation den Raum bespielt – und das Motiv einer Explosion von Material, das sich von seinem Zentrum aus wuchernd in die Umgebung ausbreitet. Diese Formensprache ist charakteristisch für Feddersen und begegnet einem schon in früheren Arbeiten.

Auf einem anderen Foto ist der Rücken eines Mannes in der Badewanne zu sehen, von dem man nicht weiß, ob er noch lebt. Sie ist gefüllt mit Milch und die luzide Oberfläche schließt die Szene ein, wie Bernstein Blüten für die Ewigkeit konserviert. “Amber Marat“ ist der Titel dieser Arbeit, in Anlehnung an das Gemälde “Tod des Marat“ von Jacques-Louis David. Es zeigt den Erdolchten in der Wanne, der genau dann von seiner Mörderin überrascht wurde, als er glaubte, sich entspannen zu können. Eine mit schwarzer Tinte großflächig bemalte Wand bildet das Zentrum der Ausstellung. Sie erinnert an eine im Regen verlaufene chinesische Landschaftsmalerei und spielt damit subtil auf das Rezipieren und Verschwinden des Motivs Garten an. Darauf findet sich das Foto eines Mannes, der sich schützend über ein Ei aus Ton beugt, als würde er versuchen, die zerbrechliche Möglichkeit eines Neuanfangs zu schützen.

An dieser Stelle dringt das positive Element von Feddersens “Secret Garden“ zutage: Der Garten ist eben auch ein geschützter Raum, in dem etwas blüht und gedeiht. Darauf spielt der Titel der Ausstellung an: In dem gleichnamigen Buch von Frances Hodgson Burnett finden im geheimen Garten die Menschen wieder zu sich. Es ist ein Ort der Regeneration und des Neubeginns. Eros und Thanatos, Blühen und Verdorren, Natur und Zivilisation. Das sind die Gegensätze, die Feddersen in seinem Garten vereint. “Wer die Gärten des Menschlichen betritt, stößt auf die mächtigen Schichten geregelter Handlungen“, schreibt Peter Sloterdijk in “Du musst Dein Leben ändern“. Verlässt man diesen geschützten Raum, kann man zu Schaden kommen. Oder man findet im gefährlichen Territorium doch noch zu sich.

The Secret Garden

25. Februar bis 16. April 2016

Galerie koal

Leipziger Strasse 47 / Jerusalemer Strasse
10117 Berlin

 

Veröffentlicht am: 23.02.2016 | Kategorie: Ausstellungen, Kunst, | Tag: Dennis Feddersen, Galerie Koal, Kalender, Pressemitteilung, The Secret Garden,

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